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Rückblick

Von Cäcilie Daus-Speicher, Wiesbaden

"Man hätte mehr daraus machen können!" Zu diesem Fazit kommen unisono die Marktbeteiligten in der Pfalz bei der Beurteilung der diesjährigen Frühkartoffelsaison. Doch im Gegensatz zu anderen Jahren, in denen die Pfalz an der rückläufigen Preisentwicklung nicht unschuldig war, geht in diesem Jahr der Vorwurf eines unvernünftigen Marktgebarens in Form von unverhältnismäßig drastischen und im Grunde überflüssigen Preisreduzierungen eindeutig in Richtung Niedersachsen.

Natürlich ist auch in der Pfalz nicht alles perfekt gelaufen, dafür gibt es zu viele Mit- und Gegenspieler am Markt. Doch es gab einige Aktivitäten, um Markt und Preis zu stabilisieren und Marktnischen zu erschließen. Diese werden auch in der Nachbetrachtung als gut und ausbaufähig eingestuft werden. Dazu zählen das "Festschaligen-Programm", dessen Zuschläge aus einem Qualitätsfond gespeist werden, und der ziemlich ad hoc gestartete Versuchsballon "Pellissimo".

Dass das "Festschaligen-Programm" nicht - wie ursprünglich geplant - mit einem Vertragsvolumen von 10 000 t starten konnte, lag nicht an den Pfälzern, sondern vielmehr an den Auspflanz- und Wachstumsbedingungen in diesem Frühjahr und der daraus resultierenden Ungewissheit über Ernteverlauf und Ertragserwartungen. 3 400 t hatte man stattdessen unter Vertrag, sieht man von dem seit ein paar Jahren laufenden Anbau- und Lieferverträgen mit einzelnen übergebietlichen Abpackbetrieben ab, die ein Volumen zwischen 2 000 und 2 500 t Frühkartoffeln der Sorte Inova umfassen. Zielsetzung für die Frühkartoffelsaison 2002 bleiben 10 000 t reifegeförderte festschalige Frühkartoffeln. Dabei ist zu überlegen - so die Anregung aus dem Abpackbereich - ob man für das "Festschaligen-Programm" nur eine Sorte, zum Beispiel Berber, "reservieren" sollte, während man Arkula oder andere Sorten im losschaligen Bereich anbietet. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass es den Einkäufern der Lebensmittelketten nur schwer zu vermitteln ist, dass die ein und dieselbe Sorte zu verschiedenen Preisen nebeneinander angeboten wird. Das verwundert Außenstehende zwar, zeigt jedoch auch eindeutig, dass noch viel Aufklärungsarbeit und Imagepflege vonnöten ist.

Das Vermarktungskonzept "Pellissimo" wird von den Beteiligten als "vom Grundsatz her gute Idee" eingestuft, über das zarte neue Pfälzer Kartöffelchen in Premiumqualität gut platziert werden können. Von Vorteil wäre allerdings eine gute Vorbereitung der angesprochenen SB-Warenhäuser, was den Initiatoren auch durchaus bewusst ist.

Auch wenn in diesem Jahr wieder Chancen verpasst worden sind, die Pfälzer haben einen wesentlichen Schritt in der Marktgestaltung getan, der die niedersächsischen Erzeuger und Vermarkter ermutigen sollte, sich in die gleiche Richtung zu bewegen. Beim Tauziehen der Regionen sind die Erzeuger auf beiden Seiten nämlich immer Verlierer.


 
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