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Disziplin

Von Jan Peters, Hamburg

Im Verlauf der vergangenen Monate haben der Kartoffelhandel, aber auch die Erzeuger bei der Vermarktung ihrer Ware überwiegend stürmische Zeiten durchlaufen. Die Preissituation konnte nicht befriedigen. Für die kommende Vermarktungssaison der späteren Sorten sind die Vorzeichen wegen der nicht so großen deutschen Kartoffelernte jedoch eher positiv.

Die Anbauflächen von Speisekartoffeln wurden im Anbaujahr 2001 um über 10,5 Prozent auf 100 300 ha bundesweit deutlich reduziert. Dies sagen jedenfalls die vorläufigen und aktuellen Ergebnisse der Bodennutzungserhebung. Bei den Industriekartoffeln soll die Flächeneinschränkung auf 163 300 ha 6,5 Prozent betragen und auch bei den Frühkartoffeln wird eine Flächenreduzierung um 8,5 Prozent auf 16 200 ha prognostiziert. Ebenso werden die aktuellen Ertragsschätzungen nach unten korrigiert. Die Erntemenge an Speisekartoffeln wird im Bundesgebiet nur knapp 11 Mio. t erreichen, das wären immerhin 2,2 Mio. t weniger als im Vorjahr. Diese Zahlen müssten für eine deutliche Stabilisierung des Marktes ausreichen. Dennoch ziehen trotz des deutlich weniger drängenden Angebotes an Speisekartoffeln die Preise nicht im gewünschten Umfang an. Woran liegt das? Offenbar zwingt die regional schlechte Liquiditätslage einiger Kartoffel erzeugender Betriebe zum vorzeitigen Verkauf. Diese Angebotsmengen drücken das Preisniveau insgesamt. Es bedarf zukünftig einer genauen Analyse des Marktes, nach der die Vermarktung und die Vertragsbindung zwischen Erzeugern, aufnehmender Hand und Kartoffelhandel noch besser ausgelegt wird. Gegenüber den EU-Nachbarstaaten haben die hiesigen Anbaugebiete für Speisekartoffeln bei der bedarfsgerechten Produktion von Ware - aber auch was marktorientierte Erzeugerpreise betrifft - noch eine Menge aufzuholen. Es muss daher in den wichtigen Anbaugebieten für Speisekartoffeln zukünftig eine konsequente Förderung der Qualitätsproduktion weiter vorangetrieben werden. Dies schließt eine abgesicherte Vermarktung mit ein. Qualitative Probleme durch den Befall von Erwina oder Phytophthora, wie sie derzeit am Hamburger Markt immer wieder zu hören sind, müssen ein Ende haben. Der stagnierende oder gar rückläufige Verbrauch von Frischekartoffeln, verbunden mit einem wachsenden Qualitätsbewusstsein bei den Verbrauchern, erfordert mehr denn je eine kontrollierte, offene Produktion und den direkten Weg hin zum Verbraucher.

Nur ausreichende Erlöse sichern das Einkommen von Erzeuger und Vermarkter. Stehen die Vorzeichen auf steigende Preise, müssen Erzeuger und Vermarkter gemeinsam an der Durchsetzung höherer Erlöse für ihre Produkte arbeiten. Es muss nicht zu jedem Preis verkauft werden. In anderen Regionen wie etwa den Niederlanden, wo disziplinierter vermarktet wird, lassen sich schon heute deutlich höhere Erzeugerpreise erzielen und durchsetzen.


 
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