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Klein?

Von Brigitte Stein, Frankfurt a. M.

Scharfe Aufmerksamkeit wird sofort durch Scherzfragen und Wortspiele geweckt, mit denen gute Referenten ihr Publikum bei Laune halten oder Kinder ihre Eltern irritieren. Den Nachrichten aus dem Kartoffelmarkt derzeit sollte die gleiche Aufmerksamkeit gelten: "In den meisten Ländern der EU haben die Landwirte auf die niedrigen Vorjahreserlöse mit einer Flächeneinschränkung reagiert". "Die verfügbare Menge an Kartoffeln dürfte aber ertragsbedingt zusätzlich eingeschränkt sein." "Kleinere Erträge in Belgien". "Kleinere Ernte in Russland". Nahezu beliebig viele Sätze mit ähnlicher Botschaft ließen sich finden.

Panik könnte den unbedarften Leser erfassen: "Wird es zum Weihnachtsbraten wohl noch Kartoffeln geben?" Freude könnte den Ahnungslosen beflügeln, der über ein vermeintlich knappes Gut verfügt: "Möglicherweise werden die gelben Knollen eines schönen Tages im Frühjahr in Gold aufgewogen?"

Doch ist bislang keine der beiden Reaktionen gerechtfertigt. Denn nach einem Jahr 2000 mit einer Spitzenernte wird eben nur eine kleinere Ernte erwartet, nicht aber eine wirklich kleine. Die Erträge in wichtigen Anbauregionen Deutschlands werden sicher kleiner ausfallen als im vorigen Jahr. Doch wird, so ergab eine Umfrage der Kartoffelwirtschaft, vielfach mit Erträgen gerechnet, die noch über dem Durchschnitts liegen. Aus den Überschussgebieten in Bayern und Niedersachsen tönte gar die Botschaft: "Falls es irgendwo an Kartoffeln mangeln sollte, liefern wir gerne."

Sicherlich wird das Preisniveau in dieser Saison über dem der unerfreulichen vergangenen Saison liegen. Doch ziehen höhere Preise immer auch einen sparsameren Umgang mit dem Rohstoff nach sich. Zudem schränken höhere Preise die Exportmöglichkeiten ein und mehr Ware bleibt auf dem heimischen Markt.

Daher erwarten Experten weder wirklichen Mangel noch Spitzenpreise. Es sei denn, die widrigen Witterungsumstände des gesamten Jahres beeinträchtigten auch noch die Ernte derart, dass wieder einmal größere Mengen im Boden bleiben müssten. Basis ernst zu nehmender Prognosen kann eine solche Überlegung aber nicht sein.


 
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