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Meerkatzen

Von Brigitte Stein, Frankfurt am Main

Wenn jemand aus einer kleinen Banalität eine große Geschichte macht, mit der er um Aufmerksamkeit heischt, dann sagt man auch: "Er macht aus einer Mücke einen Elefanten." In aktueller Abwandlung könnte man das geflügelte Wort umdichten zu: "Aus einer Kartoffel einen Kürbis machen." Das große Kartoffelverarbeitungsunternehmen McCain führt in den nächsten Wochen vor, wie das geht.

Dazu sind nicht einmal besonders große Kartoffeln notwendig und es bedarf auch nicht der Gentechnik. Vielmehr wird Kartoffelpüree in die Form von drei verschiedenen Grimassen gepresst, die an die Kürbisgestalten erinnern, die zu Halloween gehören. Dieses Fest, das in den vergangenen Jahren verstärkt aus den USA nach Europa importiert wird, findet immer mehr und auch immer jüngere Anhänger. Ursprünglich stammte der Brauch mit den Kürbisfratzen aus Irland und diente dazu böse Geister abzuschrecken. Heute hat das Fest nichts Okkultes mehr. Denn man darf dazu am 31. Oktober im Dunkeln von Tür zu Tür gehen und Naschereien einfordern mit der schlichten Formel: "Süßes, sonst gibt's Saures". Als herbstlicher Zierrat grinsen hohle Kürbisse an jeder Ecke, sind in nahezu jedem Schaufenster zu finden.

Nun schmecken Kürbisse ja nicht etwa besser als Kartoffeln, aber zu Halloween sind Kürbisse nun mal das richtige Outfit. Daher tun Kartoffeln gar nicht schlecht daran, in Form von Kürbissen aufzutreten und sich unters feiernde Volk zu mischen.

Sicher - für den Verkauf von Frischkartoffeln stellt jede verarbeitete Kartoffel eine Schmälerung des Absatzes dar. Doch, sollte man das wirklich so verbissen sehen? - Wohl jeder hat sich als Kind voll Sympathie über Till Eulenspiegel amüsiert, als dieser seine gebackenen Eulen und Meerkatzen mit hohem Profit verkaufte. Ein hämisches Grinsen galt dem einfallslosen Bäckermeister, der den kreativen Lehrling Till vor die Tür gesetzt hatte, aber in der Geschichte das Nachsehen hat. Ja, der war schlau, der Till Eulenspiegel, so die Moral von der Geschichte. Und der Bäckermeister, konnte der etwas lernen aus dem Erlebnis? Darüber ist wohl nichts berichtet.

Doch zurück zu den kartoffeligen Halloween-Gestalten: Gegen Mitte November ist der Kartoffelspuk aus der Tiefkühltruhe dann wieder vorbei, genau wie die Kürbisse aus den Schaufenstern geräumt werden. McCain wird für den Rest des Jahres Kartoffelpüree zu Hühnchen und Katzen formen, den Walt Disney-Figuren Tweety und Sylvester. Die Saison für Eulen ist noch nicht erfunden. Doch regt gerade dieser Tage die Münchner Werbeagentur Ketchum an, Kartoffelscheiben mit Hilfe von Ausstechförmchen in Herzform zu bringen. Das ist zwar weniger kultig-gruselig, dafür kann diese Methode den Frischkartoffelverbrauch anregen. Auch wenn es bis zum Valentinstag noch ein wenig dauert, für Gerichte mit Herz kann schließlich das ganze Jahr Saison sein.
 
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