1

Geheimnisse

Von Gisela Haas, Berlin

Mit jeder Woche wird die deutsche Kartoffelernte nun zuverlässiger eingeschätzt werden. Mit dem ersten vorläufigen Ergebnis für Niedersachsen, dem Kartoffelanbauland Nummer 1 unter den Bundesländern, ist schon viel Licht in das Dunkel der gewachsenen Erdäpfelerträge gekommen. Fast 16 Prozent weniger Speisekartoffeln als im Vorjahr dürften gerodet werden können - wenn sie denn gerodet werden können. Die vielen und ergiebigen Niederschläge verzögern die Erntearbeiten.

Seit Wochen lebt der Kartoffelhandel "von der Hand in den Mund". Lagerbestände sind eher geschrumpft als aufgebaut worden. Wer roden konnte und lagern will, muss einer präzisen Belüftung höchste Aufmerksamkeit schenken; nicht immer gelingt der Versuch. Stellenweise kommt es zu der kurios anmutenden Situation, dass Bestände in einem nicht zu reichlich versorgten Markt drängend angeboten werden, für die sich wegen ihres erheblichen Umfangs kein Interessent findet. Keiner will "der Dumme" sein, der das Risiko eines qualitätsgefährdeten Bestandes unvorsichtigerweise übernommen hat. Die Qualität als unbekannter Faktor wird die Vermarktung dieser Haupternte noch Wochen, vermutlich sogar Monate spannend verlaufen lassen. Je länger die Knollen in der wassergesättigten Erde auf die Rodung warten müssen, um so größer wird der Anteil der nicht lagerfähigen Kartoffeln sein, die - statt in die Vermarktung als Speisekartoffel - in eine alternative Verwertung fließen.

Auffällig ist, dass bisher wenig Einkellerungskartoffeln an den Straßen und im Lebensmitteleinzelhandel angeboten werden. Dafür gibt es mehrere Gründe: Einerseits steht wenig Ware wegen der häufigen Ernteunterbrechungen zur Verfügung - und die muss nicht schlechtestenfalls zu früheren, unter anderen Erwartungen abgeschlossenen Konditionen "verschleudert" werden. Andererseits zögern auch primär kundenorientierte Anbieter vor einer Einkellerungsaktion in der momentanen Situation zurück. Das Risiko ist zu groß, dass in wenigen Wochen enttäuschte oder sich gar getäuscht fühlende Verbraucher einen suppenden und stinkenden Sack nicht haltbarer Kartoffeln zurück bringen. Die ersten Geheimnisse der Kartoffelsaison 2001/02 sind gelüftet - aber noch längst nicht alle.


 
Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Kommentar ins Gästebuch

Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon am Mittwoch lesen können...
Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST - unabhängig - kritisch - aktuell

Nutzen Sie jetzt die Gelegenheit, die Agrarzeitung ERNÄHRUNGSDIENST kennenzulernen:
Vier Wochen kostenloses Probelesen!


Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats