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Planspiele

Von Sylvia v. Hahn, Mundelsheim

Die baden-württembergische Kartoffelernte ist nun endgültig unter Dach und Fach. Im September führten die hohen Niederschlagsmengen zwar zu einer Verzögerung, doch Dank eines goldenen Oktobers hat es ein versöhnliches Ende gegeben. Die diesjährige Kartoffelsaison ist im Südwesten von Extremen gekennzeichnet gewesen. Schon bei der Auspflanzung machte die Witterung den Landwirten wochenlang einen Strich durch ihre Pläne. Eine länger anhaltende Trockenheit mit hochsommerlichen Temperaturen im August hat zu weiteren Problemen bei der Ernte geführt. Doch nun gehören diese Sorgen vorübergehend der Vergangenheit an und die Landwirte können sich Gedanken über die kommende Saison machen.

Soll der Anbau ausgedehnt werden oder nicht? Diese Frage wird bald im Mittelpunkt der Überlegungen stehen. Im Frühkartoffelanbau ist davon wohl eher abzuraten. In Baden-Württemberg zeigen sich sowohl die Frühkartoffelfläche als auch die Gesamt-Kartoffelanbaufläche seit 1996 rückläufig. Gemessen am Anteil der einzelnen Bundesländer an den jeweiligen Gesamtanbauflächen ist der Südwesten ein Zwerg. Die Anbaufläche im Land betrug im Jahr 2000 nur 2,6 Prozent der bundesdeutschen Anbaufläche und ging nach Angaben des Statistischen Landesamts von 7 800 auf 6 500 ha zurück.

Deshalb ist Baden-Württemberg in nicht unerheblichem Umfang auf Zukaufware angewiesen. So lag im Südwesten im Jahr 2000 der theoretische Zukaufbedarf bei rund 60 Prozent. Diese Zahl lässt sich aus der Einwohnerzahl (10,5 Mio.), der Zahl der Gesamternte abzüglich zehn Prozent Schwund und einem Pro-Kopf-Verzehr pro Jahr von 70 kg errechnen. Auf Grund der niedrigen Erntemenge würde für die laufende Saison sogar ein theoretischer Zukaufbedarf von etwa 70 Prozent bestehen.

Daher gibt es bei den größeren Erfassungsbetrieben durchaus das Bestreben, nach Möglichkeit die professionelle Anbaufläche zu vergrößern, denn warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute so nah liegt. So könnte man zumindest dem einen oder anderen Landwirt ein festes Standbein in seiner Produktion geben und es ließe sich über die Anbauberatung Einfluss auf die Qualität der Produktion nehmen.

Gerade in witterungsbedingt schwierigen Anbaujahren muss besonders Wert auf Qualität gelegt werden, um dem Endverbraucher nicht die Lust an der Knolle zu nehmen. Was zurzeit mancherorts an abgepackten Erdäpfeln in Lebensmittelläden angeboten wird, ist nicht immer das "Gelbe vom Ei". Ziel der Vermarkter kann es schließlich nur sein, den Kunden über die Qualität an der Ware zu halten und ihn nicht mit einem mangelhaften Angebot zu verschrecken. Hat der Endverbraucher erst einmal negative Erfahrungen gemacht und sich von der Kartoffel weg und anderen Nahrungsmitteln zugewandt, ist es mehr als schwer, ihn wieder zurück zu gewinnen.
 
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