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Anbiedern ?

Von Klaus Knippertz, Frankfurt am Main

Kartoffeln wachsen auf den Bäumen. Das glaubt zumindest die Hälfte der sechs- bis neunjährigen Kinder, wie eine Umfrage der Britischen Kartoffelorganisation (BPC) ergeben hat. Dass Kindermund in diesem Fall nicht kundtut, was man sprichwörtlich von ihm erwartet, erfüllt den Kartoffelrat mit Sorge. Vielleicht noch schlimmer für die Vermarktungsorganisation : Viele Kinder glauben, Frühkartoffeln kämen aus heißen Ländern wie Indien und Amerika. Der BPC befürchtet einen sinkenden Verbrauch von inländischen Kartoffeln und damit finanziellen Schaden für die heimische Landwirtschaft und Verarbeitungsindustrie.

Um die Kartoffel doch noch ins Bewusstsein der kleinen Racker zu pflanzen, hat die Vermarktungsorganisation schnell reagiert und eine neue Internetseite ins Netz gestellt. Unter der Adresse www.potato.org.uk/forschools hält die Einstiegsseite vier Kartoffel-Spiele bereit - immerhin nutzen rund 60 Prozent der Sechs- bis Dreizehnjährigen den Computer in ihrer Freizeit, und dann vor allem zum Spielen. Ob die Potato-Games jedoch der Spiele-Konkurrenz im Internet den Rang ablaufen können, ist fraglich. Ein herkömmliches "Computer-Kid" wird sich vermutlich nicht ernsthaft beeindrucken lassen von einer surreal gestalteten Kartoffel, die drei Minuten braucht, um von unsichtbarer Hand in einen stilisierten Acker gesenkt zu werden, und währenddessen auch noch über Fragen zum Kartoffelanbau grübeln ? Oh no, wo bleibt denn da die Action!? Da kehrt man doch lieber zu alten Gewohnheiten zurück und ebnet dem Moorhuhn den Weg ins Geflügel-Paradies.

Für Grundschullehrer gibt es allerdings einige gute Tipps, wie sie das Thema Kartoffel in ihren Unterricht einbauen können. Hinzu kommen Unterrichtsmaterialien, wie etwa eine Anleitung, Kartoffeln einmal selbst anzubauen. So lässt sich der Bezug zum "Produkt" schon besser herstellen. Zu guter Letzt noch das Angebot, mit der Schulklasse einen richtigen Bauernhof, einen Abpacker oder ein Verarbeitungsunternehmen zu besuchen. Leider ist das Interesse an solchen Vorhaben von Seiten der britischen Unternehmer nicht gerade brennend. Nur zwei größere Verarbeiter haben sich als Ansprechpartner für die womöglich unternehmenslustige Lehrerschaft eintragen lassen.

Ein weitaus besseres Bild gibt dagegen die Homepage www.ima-agrar.de des Information, Medien, Agrar e.V. (i.m.a.) in Bonn ab. Dort hat man lobenswerterweise darauf verzichtet, sich mit hausbackenen Spielchen anzubiedern. Unter der Rubrik "Unterricht auf dem Bauernhof" lassen sich insgesamt rund 860 Bauernhöfe in Deutschland finden, darunter auch ein Großteil mit Kartoffelanbau. Der Verein stellt Lehrern zudem ein stufenübergreifendes Lehrmittelpaket von der Elementarstufe bis zur Sekundarstufe II zur Verfügung. Das Angebot kommt an - bisher haben über 67 000 Lehrer die Hilfe des i.m.a. in Anspruch genommen.
 
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