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Hausfrau

Von Dietrich Baumann, Erfurt

Die holde Weiblichkeit war kaum vertreten im Plenum des Europatat-Workshops "Qualität und Qualitätssicherung" im Hilton-Hotel zu Dresden. Aber das ist nun mal so, der Kartoffelhandel und das ganze Drumherum befinden sich recht fest in Männerhand. Freilich bestimmte auch zum Workshop eine Ausnahme die Regel und diese Ausnahme hieß Regine Lange, ihres Zeichens Vorsitzende des Deutschen Hausfrauen-Bundes, Landesverband Rheinland. Lange, Meisterin der Hauswirtschaft, und Bauerntochter aus Niedersachsen, entpuppte sich als exzellente Fachfrau. Sie möchte im Laden saubere, trockene und schalenfeste Kartoffeln der von ihr geliebten Sorten kaufen. Sie legt Wert darauf, dass die Knollen nicht von sonstwoher kommen, sondern von Landwirten aus der Region. Was erlebe man aber immer wieder: Die Ware wird von weither angekarrt. Und noch schlimmer - beschädigte Knollen mit blauen und/oder schwarzen Flecken sind dann keine Seltenheit. Wenn der in der Region angesiedelte Landwirt die Erdäpfel schonend erntet, lagert und transportiert und wenn er bei Dünger und Pflanzenschutzmitteln nur die unbedingt notwendige Prise verwendet, dann stimmt auch die Qualität, glaubt die selbstbewusste Vorsitzende. Nun stand ja über dem Workshop das Thema "Qualitätssicherung". Natürlich müssen Standards eingehalten werden, forderte Frau Lange. Dazu gehörten auch ständige Qualitätskontrollen. Den Verbraucher - vielfach ein Kartoffelgenießer - sieht sie als das letzte, aber entscheidende Glied in der Produktions- und Handelskette. Der wolle schon wissen, wohin der Hase läuft und woher die Knolle kommt. Er will beteiligt sein. Man müsse ihm aber auch klar machen, dass Qualitätssicherungssysteme, dass Zertifizierungen, und modernste Technik, also all die Dinge, die den Wert der Ware Kartoffel steigern, auch Geld kosten. Das Grundrecht des Verbrauchers, ein sicheres Lebensmittel zu erhalten, gebe es nicht zum Nulltarif. Andererseits lebe die ganze Kette vom Geld des Verbrauchers. Werde er nicht durch geprüfte Qualität bei Laune gehalten, dann würden sich die Nudelhersteller die Hände reiben. Also dann doch lieber hier eine Zertifizierung mehr und dazu einen zufriedenen Knollenesser, als dort schrumpfende Anbauflächen und ladenhütende 2,5 kg-Beutel! Und, sagte Lange resümierend, die leckere, gesunde Kartoffel habe sich doch längst vom Grundnahrungsmittel zum Genussmittel aufgeschwungen. Aber, bei allem Genuss: Zu Tode zertifizieren dürfe man sie trotzdem nicht.
 
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