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Einbindung der Einzelfutter

Von Gudula Schulz, Hamm

Der Druck seitens der Abnehmerseite auf Unternehmen, die Einzelfutter herstellen, handeln oder transportieren, nach einem zertifizierten branchenspezifischen Qualitätssystem wächst. So wird derzeit von der QS GmbH intensiv daran gearbeitet, die Einzelfuttermittel, und hier insbesondere die Nebenprodukte der Ernährungswirtschaft, in die Kette der Produktsicherheit für tierisch erzeugte Lebensmittel zu integrieren.

Futtergetreide und andere Feldfrüchte aus der Landwirtschaft machen nur einen Teil der Komponenten von Futtermitteln aus. Allein mit diesen Produkten wäre eine ausgewogene und vollständige Ernährung unserer landwirtschaftlichen Tiere auch nicht möglich. Ein großer Teil der verwendeten Futterkomponenten, also der Einzelfutter, sind Nebenprodukte, die bei der Herstellung von Lebensmitteln oder deren Grundstoffen anfallen. Als Beispiele sind Soja- oder Rapsextraktionsschrote, Kleie, Stärkeprodukte oder Melasseschnitzel zu nennen. Alles in allem machen derzeit die Rohstoffe aus der Ernährungsindustrie einen Anteil von etwa 55 Prozent bei der Mischfutterherstellung in Deutschland aus. Daneben gibt es eine Vielzahl an Nebenprodukten, wie beispielsweise Molke oder Biertreber, die von Landwirten direkt verfüttert werden. Vor diesem Hintergrund wird die Wichtigkeit der Einbindung der Einzelfutter deutlich. Denn Qualität und Sicherheit der Mischfuttermittel hängen von Qualität und Sicherheit der verwendeten Rohwaren ab. Dies hat sich leider auch durch die Futtermittel-Skandale in der Vergangenheit wiederholt gezeigt. Die vollständige Einbindung der Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung wird inzwischen von vielen Seiten gefordert. So haben das Europäische Parlament und der Rat der Europäischen Union kürzlich den Entwurf einer Futtermittelhygiene-Verordnung vorgelegt. Eines der Hauptziele dieser Verordnung ist die Futtermittelsicherheit entlang der gesamten Lebensmittelherstellungskette, angefangen von der Primärproduktion von Futtermitteln bis hin zur Fütterung zu gewährleisten. Hierzu sollen insbesondere Verfahren auf Grundlage des HACCP-Systems und eine gute Hygienepraxis Anwendung finden.

QS greift dieser Entwicklung nur vor. So sind die Fristen, die QS für den Aufbau von HACCP für die Nebenprodukte gesetzt hat, wesentlich kürzer als sie der Gesetzgeber vorsieht. Bis 1. September 2003 müssen alle Einzelfuttermittelhersteller, die ihre Produkte weiterhin an QS-Mischfutterhersteller oder QS-Landwirte liefern wollen, eine QS-Anerkennung vorweisen. Ab dem 1. Januar 2004 müssen diese Einzelfutter-Lieferanten zudem mindestens nach QC-Standard zertifiziert worden sein und ein halbes Jahr später QS-Systemteilnehmer werden. Für Getreidelieferungen von Landwirten befinden sich spezielle Maßnahmenpläne in der Anwendung. Da das HACCP-System in der Lebensmittelbranche weit verbreitet ist, sollte man annehmen, dass die von seiten des Gesetzgebers als auch durch QS gestellten Anforderungen für den Nebenproduktbereich mühelos zu erfüllen sind. Aber das HACCP-System der Lebensmittelindustrie ist auf Produkte für den menschlichen Verzehr ausgerichtet und deckt nicht unbedingt die beim Herstellungsprozess anfallenden Nebenprodukte vollständig ab. Die Risikoanalyse und das Festlegen von Beherrschungs- und Kontrollmaßnahmen wurden bisher vorrangig für die Lebensmittelprodukte durchgeführt. Auch die Analysenpläne wurden bisher meist nur hierauf ausgerichtet. Hinzu kommt, dass ein betriebliches Eigenkontrollsystem auf der Grundlage von HACCP zwar durch die Lebensmittelhygieneverordnung (LMHV) vorgeschrieben ist, aber nicht die vollständige Dokumentation. Zudem verfügen bisher nicht alle Lebensmittelhersteller über ein Zertifikat, das belegt, dass ein funktionsfähiges Qualitätssystem und HACCP implementiert worden ist. Viele Einzelfuttermittelhersteller und Händler stehen dem von QS geforderten branchenspezifischen Zertifikat daher noch skeptisch gegenüber. Es wird jedoch keinen Weg daran vorbei geben. Eine neutrale Überprüfung des QM-Systems und des HACCP-Systems ist auch deshalb sinnvoll, weil dann ein Nachweis vorliegt, dass die Systeme für die jeweiligen Einzelfutter oder Produkte Anwendung finden und sich damit auch der Hersteller absichern kann.

Bei der Integration der Einzelfutter geht es nicht allein um HACCP sondern auch um die Sicherstellung der Rückverfolgbarkeit vom Produzenten zum Verbraucher in allen Produktions-, Verarbeitungs- und Vertriebsstufen, wie es auch in der EG-Verordnung 178/2002 gefordert wird. Daher ist die Einbindung des gesamten Handels für den Fall eines durchzuführenden Rückrufs oder einer Ursachenanalyse zwingend erforderlich. Zur Sicherstellung der Produktsicherheit in der gesamten Kette ist somit die Zusammenarbeit der Industrien und Firmen beider Branchen notwendig.

Der Prozess ist in Gang gesetzt, und in einiger Zeit wird sicherlich das Zertifikat auch im Lebens-- und Futtermittelbereich eine essentielle Grundbedingung sein. Die Automobilindustrie ist da schon wesentlich weiter, denn Lieferanten ohne zertifiziertes branchenspezifisches Qualitätsmanagementsystem werden seit Jahren nicht mehr akzeptiert. Und auch im Automobilbereich geht es vorrangig um den Schutz des Verbrauchers und der Herstellung von sicheren Produkten.

QM-Beratung Dipl.-Ing. Gudula Schulz Martinstrasse 55, D-59067 Hamm Tel. 02381-434096 / 0160-99120592 E-Mail: info@qm-schulz.de www.qm-schulz.de
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