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Europa im weltweiten Wettbewerb
Von Pat Lake, Brüssel
Nach der Verabschiedung der Agenda 2000 ist jetzt die Frage aktuell, inwiefern diese Änderungen der gemeinsamen Agrarpolitik den Forderungen der anderen Mitglieder der Welthandelsorganisation (WTO) im Rahmen einer globalen Agrarreform entsprechen.

Innerhalb der EU ist man vielfach der Meinung, daß die Bestimmungen der Agenda nicht ausreichen werden, um jene zufrieden zu stellen, die eine stärkere Liberalisierung des Welthandels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen befürworten.

Die Fefac als europäische Interessenvertretung der Mischfutterhersteller ist der Ansicht, daß aufgrund des aktuellen Sachstandes im Anschluß an die letzte WTO-Runde die Agenda 2000 für EU-Ausfuhren landwirtschaftlicher Erzeugnisse ohne Erstattungen in entsprechender Höhe keine ausreichende Lösung für den Export von tierischen Erzeugnissen bietet. Die Situation wird möglicherweise noch verschärft durch weitere Verringerungen der subventionierten Exportvolumen im Rahmen der nächsten Verhandlungsrunde. Sollten die Weltmarktpreise für Getreide, die ein Hauptkostenträger der Futterrationen sind, weiterhin das Niveau der EU-Preise unterschreiten, werden maximale Mengengrenzen für subventionierte Tierveredlungserzeugnisse sowohl für die Produzenten als auch für die Mischfutterhersteller problematisch bleiben.

Diese Fragen sowie die Standpunkte der USA, Kanadas, der EU und der Welthandelsorganisation gehören zu den aktuellen Themen, die anläßlich des Fefac-Kongresses in Bern vom 2. bis 4. Juni diskutiert werden. Der Kongreß ist wohl die erste, international besetzte Veranstaltung, die sich nach der Agenda-Übereinkunft mit diesen Fragen befassen wird. Die möglichen Auswirkungen können für die tierische Veredlung und für die Mischfutterbranche und deren Zulieferindustrie innerhalb und außerhalb der EU von großer Bedeutung sein.

Ein weiterer Themenkomplex ist der künftigen Futtermittel- und Lebensmittelproduktion gewidmet, die in hohem Maße von der Entwicklung der Weltbevölkerung und noch entscheidender von der kaufkräftigen Nachfrage der Konsumenten abhängig sein wird. Die Mischfutterhersteller werden auch weiterhin einen wesentlichen Beitrag bei der Produktion tierischer Erzeugnisse leisten müssen, weil die knapper werdenden Ressourcen eine hohe Effizienz bei der Tierernährung erfordern und generell die Ansprüche an Qualität sowie Sicherheit zunehmen werden.

Können sich die europäischen Mischfutterhersteller auch weiterhin im weltweiten Wettbewerb behaupten? Bei dieser Frage sind die Spielregeln von hoher Bedeutung. WTO ist bereits angesprochen worden, darüber hinaus sind vor allem die gesetzlichen Produktionsbedingungen für die gesamte Veredlungskette von besonderer Relevanz. Aktuelle Stichworte sind die Harmonisierung der Einsatzmöglichkeiten antibiotischer Leistungsförderer oder Hormone. Die Daten zum internationalen Handel mit tierischen Produkten lassen eindeutig erkennen, daß die EU-Importe bei Schweinefleisch und Geflügelprodukten aus Drittländern zugenommen haben. Auch vor diesem Hintergrund erwartet die Fefac mit großem Interesse den Bericht der EU-Kommission zum weltweiten Einsatz von Leistungsförderern in der Tierproduktion. Von Bedeutung ist in diesem Zusammenhang auch, daß die Fefac einen Beobachterstatus im FAO/Codex Alimentarius erhalten hat.

Aus dem umfangreichen Kongreßprogramm möchte ich auch die EU-Osterweiterung ansprechen. Durch den Agenda-Beschluß sind die politischen Voraussetzungen für diesen wichtigen Schritt gegeben. Die Fefac hat im März diesen Jahres 31 Delegierte aus den potentiellen Beitrittsländern zu einem Seminar in Rom empfangen können, in dem es zu einem sehr nützlichen Informationsaustausch über zahlreiche Aspekte des Futtermittelsektors kam. Erstmalig konnten unter anderem Daten über die Mischfutterproduktion aus elf mittel- und osteuropäischen Ländern erfaßt werden (Kraftfutter/Feed Magazine berichtet in der nächsten Ausgabe).

Noch viel wichtiger aber sind die aufgenommenen Kontakte zu Personen aus diesen Ländern und die Informationsvermittlung über die Aufgabenstellung und Arbeitsweise von Interessenverbänden in einer Demokratie. Dies konnte durch die Teilnahmemöglichkeit der Delegierten an einer Fefac-Vorstandssitzung anschaulich demonstriert werden.
Das international ausgerichtete Kongreßprogramm, die 2. Europäische Börse und das interessante Rahmenprogramm mit Begegnungsmöglichkeiten für Berufskollegen lassen den XXI. Fefac-Kongreß zu einer attraktiven Veranstaltung werden.
 

 
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