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Realismus statt Aktionismus

Von Hubert Grote , Bonn

Die Dioxin-Belastung von Futter- und Lebensmitteln in Belgien hat vor allem folgendes deutlich gemacht: Die Auswirkungen sind nicht national begrenzbar, sie strahlen auf nahezu alle EU-Mitgliedsstaaten aus und werden sogar in völlig überzogener Weise von zahlreichen Drittländern dazu genutzt, unüberwindbare Handelsbarrieren aufzubauen - Dioxinfreiheit gibt es nicht und kann daher auch nicht seriös bescheinigt werden.

Eine weitere Folge ist ebenso wichtig: Der eingetretene Vertrauensverlust betrifft die gesamte Veredlungskette und nicht nur das Glied, das den Schaden verursacht hat. Sowohl im aktuellen Fall als auch bei BSE und bei Dioxin in brasilianischen Zitruspellets waren es Produkte von Vorlieferanten der Mischfutterhersteller, die für die Skandale verantwortlich sind oder waren. Dennoch, in solchen Fällen unterbleibt - teils aus Unkenntnis, teils gewollt - eine Differenzierung und die gesamte Futtermittel- und Veredlungswirtschaft wird an den Pranger gestellt. Es ist zum Teil haarsträubend, welche Zusammenhänge konstruiert und welche Gegenmaßnahmen vorgeschlagen werden. So müssen zum Beispiel vermeintliche Konzentrationen in der Tierhaltung und in der Futtermittelwirtschaft oder die Recycling-Funktion der Mischfutterhersteller als Ursache herhalten. Verschiedentlich wird in der Verpflichtung zur Deklaration der Mischfutterkomponenten mit Prozentanteilen ein wirksames Gegenmittel gesehen. Da dieser Vorschlag keinen Informationsgewinn in Bezug auf die Qualität der Rohstoffe bringt und somit nicht zielführend ist, muß er als reiner Aktionismus bezeichnet werden.

Die einzig richtige Antwort auf den aktuellen Dioxin-Skandal kann - neben der unbedingt erforderlichen Ursachenaufklärung und gegebenenfalls Bestrafung - nur in der weiteren konsequenten Absicherung der Rohwarenqualität liegen. In der Vergangenheit ist hier schon viel getan und auch erreicht worden. Durch die zentrale Sammlung und Auswertung von Untersuchungsergebnissen zu "Unerwünschten Stoffen" wurden die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß die weltweiten Rohstoffherkünfte nach ihrer Rückstandsbelastung klassifiziert und entsprechend ausgewählt werden konnten. Das Ergebnis dieser Eigeninitiative der Wirtschaft ist insbesondere auch deswegen erfreulich, weil es dadurch gelungen ist, die Belastungen bei solchen unerwünschten Stoffen entscheidend zu reduzieren, die häufig in Verbindung mit Importfuttermitteln genannt wurden (Aflatoxin B1, chlorierte Kohlenwasserstoffe). Derartige Vorsorgemaßnahmen sind zu verstärken.

Der Beirat des Fachverbandes der Futtermittelindustrie hat sich bereits in seiner jüngsten Zusammenkunft mit einem Bündel von Maßnahmen und Ansatzstellen beschäftigt, das nun weiter im Hinblick auf die Realisierungsmöglichkeit und Praktikabilität geprüft wird. Der Bogen reicht von Präzisierung verschiedener Einkaufskontrakte, Erweiterung von Garantieerklärungen, Haftungseinschluß der Vorlieferanten, Nutzung von ISO-Zertifizierungen, bis zur Erweiterung der bestehenden Datenbanken. Das Vorhaben zeugt von unverändertem Verantwortungsbewußtsein und erfordert die Solidarität der gesamten Mischfutterbranche.

Trotz aller unsachlichen Angriffe muß es bei der sinnvollen, da umweltentlastenden Verwertung von Nebenerzeugnissen der Ernährungsindustrie in der Tierernährung bleiben. Daraus resultiert, daß dem Mischfutterhersteller über 300 verschiedene Einzelfuttertypen zur Verfügung stehen. Einsetzbar sind diese Produkte aber nur dann, wenn die Unbedenklichkeit gegeben ist und diese vom Lieferanten garantiert wird. Hierauf ist verstärkt das Augenmerk zu richten, wobei die Bemühungen der Wirtschaft durch eine arbeitsteilige Unterstützung des Staates verstärkt werden könnten.


 
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