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Anstoß

Von Hubert Grote , Bonn

Eine Krise kann Ansporn sein, sie kann als Chance verstanden und genutzt werden. Der Fachverband der Futtermittelindustrie hat mit seinem Symposium "Gesunde Futtermittel - gesunde Nahrungsmittel" Ende Oktober in Osnabrück Gelegenheit zur Information und Meinungsbildung geboten. Die Zielsetzung der Veranstaltung bestand darin, sich der Diskussion um die aktuellen Themen wie Dioxin, Klärschlamm und Tiermehl zu stellen, Informationslücken zu schließen und Konsequenzen aus den Vorkommnissen der letzten Monate zu ziehen. Konkret bedeutet dies, was kann getan werden, um verloren gegangenes Vertrauen in den nachgelagerten Stufen und letztlich bis hin zum Konsumenten zurückzugewinnen und die Wiederholung ähnlicher Fälle zu verhindern.

Die Vorträge und Diskussionen haben verdeutlicht, dass die Mischfutterhersteller in Deutschland sowohl aus ihrem Selbstverständnis als Unternehmer als auch aufgrund der strengen futtermittelrechtlichen Vorschriften einschließlich Kontrolle mehr für die qualitative Absicherung ihrer Produkte tun, als vielfach bekannt ist. Die Futtermittelanalytik, das heißt die chemischen, mikrobiologischen und mikroskopischen Untersuchungen, sind dabei ein unverzichtbares Hilfsmittel. Ebenso wichtig sind aussagefähige Vorwarnsysteme. Durch die vom Fachverband geschaffene Datenbank "Unerwünschte Stoffe" sind gerade im Hinblick auf die gesundheitliche Unbedenklichkeit der Rohstoffe und damit der Mischfutter erhebliche Fortschritte erzielt worden. Diese Eigeninitiative der Wirtschaft wird allseits anerkannt. Zu Recht kann daher behauptet werden - wie in der Unterzeile zum Symposium ausgedrückt -, dass Mischfutter ein Betriebsmittel mit eingebauter Sicherheit ist. Dennoch gibt es auch in Deutschland in der Zulieferstufe einige Schwachstellen, die durch geeignete Maßnahmen, insbesondere im Bereich des Kontraktrechtes, behoben werden müssen. Das Dioxin-Monitoring der Mischfutterverbände wird auch dazu wertvolle Grundlagen liefern.

In der Veranstaltung ist völlig zu Recht die notwendige Absicherung einer Verantwortungskette in der tierischen Produktion angemahnt und der Aufbau und die Organisation eines Informationsverbundes vorgeschlagen worden.

Die Vertreter der nachgelagerten Stufen haben in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen, dass das industriell hergestellte Mischfutter nicht den gesamten Bedarf der Tierhalter abdeckt und ein beträchtlicher Anteil aus zugekauften Einzelkomponenten und aus wirtschaftseigenen Futtermitteln besteht. Dies ist insbesondere bei der Milchviehfütterung und auch - regional deutlich unterschiedlich - im Schweinesektor der Fall. Qualitätssicherung muss die gesamte Kette erfassen, deshalb müssen hier die gleichen Maßnahmen zur Absicherung der gesundheitlichen Unbedenklichkeit ergriffen werden. Dies ist nicht nur eine Frage der Logik, sondern auch Voraussetzung für die Motivation der Mischfutterhersteller, ihre Maßnahmen zur Qualitätsabsicherung weiter zu entwickeln.

Trotz der uneingeschränkten Bejahung der Qualitätssicherung darf dabei die Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit der nationalen Produktion nicht vernachlässigt werden. Übereinstimmung bestand darin, dass zusätzliche Aufwendungen für die Qualitätssicherung nicht vom Verbraucher durch höhere Preise honoriert werden. Insofern ist es naheliegend, vorhandene Maßnahmen und Programme kritisch zu überprüfen. Der Vorschlag, für den Schweinesektor das derzeitige CMA-Prüfsiegel-Programm durch ein allgemeines "Qualitätssicherungsprogramm" zu ersetzen, erscheint aufgrund der damit zu erwartenden Breitenwirkung sinnvoll.

Die "Verbrauchererwartungen" - das ist ein Begriff ohne verbindlichen Inhalt und daher Ausgangspunkt kontroverser Diskussion. Damit im Zusammenhang stehen die Erwartungen verschiedener Gruppierungen unserer Gesellschaft hinsichtlich Gesundheit, Umwelt, Ethik, Transparenz, Rückverfolgbarkeit etc. Bei diesen Themen gewinnt man zunehmend den Eindruck, dass nicht die objektiven Erkenntnisse Orientierung für künftiges Handeln sind, sondern subjektive Vorstellungen, wie auch immer sie erfasst werden. Übertragen auf die entfachte Diskussion um die Deklarationsform bei Mischfutter würde dies bedeuten: Es ist nicht so wichtig, ob die Prozent-Angabe bei den Mischfutterkomponenten tatsächlich einen Informationsgewinn bringt oder nicht, maßgebend ist, was der Kunde glaubt und will. Dass man sich mit solchen Handlungsmaximen in Fachkreisen nicht abfinden kann, ist naheliegend. Die Diskussion hat ferner verdeutlicht, dass bei diesem Thema Unterschiede zwischen Ernährungsindustrie und Futtermittelindustrie bestehen, die nicht so einfach zu erklären sind.

Wenn es der Lebensmittelwirtschaft ausschließlich um die Rückverfolgbarkeit geht, dann ist die Prozent-Angabe der Zusammensetzung nicht erforderlich.

Ein abschließender Aspekt: Alle Bemühungen und Maßnahmen zur Qualitätsabsicherung der Veredlungsprodukte sind unzureichend, wenn sie nicht europaweit ergriffen werden. Das haben die letzten Monate überdeutlich gemacht. Insofern hat das Symposium zwar einen wichtigen, aber noch unzureichenden Anstoß gegeben, der auf den Binnenmarkt ausgedehnt werden muss.


 
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