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Ausblick

Von Hubert Grote , Bonn

Zu Beginn eines neuen Jahres ist es sinnvoll und notwendig, Bilanz zu ziehen und insbesondere den Blick nach vorn zu richten. Dabei ergeben sich zahlreiche Fragen, von denen einige wichtige angesprochen werden: Wie ist die Position der deutschen Mischfutterhersteller im Markt zu beurteilen, wie werden sich die künftigen Rahmenbedingungen auswirken, auf welche Herausforderungen hat sich die Mischfutterbranche besonders einzustellen oder wo ist der Hebel in der Interessenvertretung schwerpunktmäßig anzusetzen?

Die amtlichen Daten über die Mischfutterproduktion in Deutschland zeigen, dass sich die Menge seit der Wende zwischen 18 und 19 Mio. t/Jahr eingestellt hat. Hinter diesem Gesamtergebnis stehen aber recht unterschiedliche und zum Teil auch überraschende Entwicklungen bei den Hauptmischfuttersorten.

Bei Rindermischfutter wurde die größte Nachfrage im Wirtschaftsjahr 1995/96 mit rund 7,9 Mio. t erreicht. Ab dann ging der Bedarf auf gut 6,8 Mio. t im Wirtschaftsjahr 1998/99 zurück. Die Hauptursachen liegen in den Folgen der BSE-Problematik auf dem Rindfleischsektor im rückläufigen Milchkuhbestand (1996: 5,2 Mio., 1999: 4,8 Mio.) und in der überdurchschnittlich guten Versorgungslage der Betriebe mit Grundfutter einschließlich Getreide in den letzten drei Erntejahren. Von Einfluss ist – und wird auch weiterhin sein – der Einsatz von Mischwagen in der Fütterung, der zur verstärkten Verwendung von Einzelfuttermitteln führen kann. In Zukunft wird vermehrt darauf zu achten sein, ob durch die Verwendung von zum Teil zweifelhaften Komponenten das allgemein erreichte Qualitätsniveau in der Milchviehfütterung auch in gesundheitlicher Hinsicht nicht unterlaufen wird. Es muss im Interesse der Milchwirtschaft liegen, diese „offene Flanke“ kritisch zu verfolgen und ggf. zu schließen.

Die Nachfrage nach Schweinemischfutter hat sich nach dem Tiefpunkt 1994/95 positiv entwickelt. Wesentlicher Einflussfaktor ist hier der Schweinebestand, der in Deutschland seit 1997 (24,8 Mio.) wieder auf 25,8 Mio. im Jahre 1999 angestiegen ist. Der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch hat sich dadurch von rund 77 Prozent auf 82 Prozent im Jahre 1999 erhöht. Bei voller Selbstversorgung würde ein Absatzpotential von etwa 1,5 Mio. t Mischfutter erschlossen werden. Es ist zu hoffen, dass die außergewöhnlich ungünstigen Schweinepreise das Durchhaltevermögen der deutschen Halter nicht beeinträchtigen.

Bei Geflügelmischfutter gibt es gegenläufige Trends: Während der Bedarf bei den Sorten für den Legehennenbereich kontinuierlich zurückgegangen ist, steigt andererseits die Nachfrage nach Sorten für den Geflügelmastbereich stetig an. Es ist abzusehen, dass beide Bereiche gleiches Niveau erreichen oder sich die Absatzlinien kreuzen werden. Die Hauptursache für diese gegenläufige Entwicklung liegt im rückläufigen bzw. stagnierenden Eierverbrauch je Kopf der Bevölkerung einerseits und im unverändert ansteigenden Verzehr an Geflügelfleisch auch infolge der hohen Preiswürdigkeit dieser Fleischsorte. Im Jahr 1993 musste ein Industriearbeiter 16,6 Minuten für ein bratfähiges Hähnchen arbeiten, 1998 waren nur noch 14,9 Minuten erforderlich. Auch im Geflügelbereich ist auf das nicht ausgeschöpfte Absatzpotential „vor der Tür“ hinzuweisen. Fast 30 Prozent des deutschen Eierkonsums und 40 Prozent des Verbrauchs an Geflügelfleisch stammen aus Importen. Würde der heimische Standortvorteil in vollem Masse genutzt, läge der Bedarf an Geflügelmischfutter um etwa 2 Mio. t je Jahr höher.

Diese Zusammenhänge verdeutlichen, dass das Interesse der Mischfutterhersteller in starkem Masse auch auf den Erhalt und die Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der tierischen Produktion in Deutschland gerichtet sein muss. Die Aktionsgemeinschaft Deutsches Fleisch (AGF) und künftig die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) sind geeignete Plattformen, um diese Ziele mit vereinten Kräften auch in Zusammenarbeit mit der CMA weiter zu verfolgen. Der nationale Alleingang bei der Verschärfung der Tierschutzbestimmungen ist eine ernsthafte Gefahr für die leicht positive Entwicklung der letzten Jahre und eine besondere Herausforderung. Dennoch lässt sich generell festhalten, dass die Grundvoraussetzungen für die tierische Produktion und damit auch für die Mischfutterbranche aufgrund der vorhandenen Kaufkraft im Lande, der verfügbaren Fläche und des erreichten Qualitätsniveaus nicht ungünstig sind. Hinzu kommt der Standortvorteil bei Exporten im Zuge der EU-Osterweiterung.

In Zukunft sind Maßnahmen zum Abbau von Verunsicherungen der Bevölkerung beim Konsum tierischer Nahrungsmittel notwendig. Der Futtermittelsektor kann dazu einen wesentlichen Beitrag leisten. Vorfälle um Dioxin und Klärschlamm müssen in allen EU-Ländern der Vergangenheit angehören. Hierzu sind wichtige Schritte auf kontraktrechtlichem Gebiet oder durch Vorsorge vollzogen oder eingeleitet. Die Rückverfolgbarkeit des Rohwareneinsatzes im Mischfutter, auch im Zusammenhang mit Qualitätssicherungssystemen, wird einen hohen Stellenwert erhalten. Alle Maßnahmen müssen darauf gerichtet sein, dass sich die Mischfutterbranche als zuverlässiges Glied in der Wertschöpfungskette zur Lebensmittelproduktion erweist. Das gilt auch für den Bereich der Gentechnik. Derzeit ist die EU-Rechtssetzung unbefriedigend und trägt zur Verunsicherung der Verbraucher bei.

Ein breites Betätigungsfeld wird sich bei der Gestaltung des EU-Futtermittelrechtes ergeben. Das angekündigte Weißbuch der EU-Kommission, das voraussichtlich Mitte Januar 2000 erscheint, wird entsprechende Vorschläge enthalten. Damit ist auch ein Schwerpunkt der Interessenvertretung für die Mischfutterbranche angesprochen. Nicht in Bonn oder Berlin werden die Rahmenbedingungen für die Futtermittelbranche gesetzt, sondern in Brüssel und Straßburg. Um die sich hieraus und insgesamt für die nationale Verbandsarbeit ergebenden Aufgaben erfüllen zu können, müssen die vorhandenen Ressourcen noch besser als bisher genutzt werden. Auch dies gehört in den Ausblick auf das neue Jahr.
 

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