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FNL: Neue Chancen

Von Hubert Grote , Bonn

Mitte Mai diesen Jahres ist die förmliche Verschmelzung der Aktionsgemeinschaft Deutsches Fleisch (AGF) und der Fördergemeinschaft integrierter Pflanzenbau (FIP) zur Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) beschlossen worden. Die Mitgliederversammlungen beider Organisationen gaben zu diesem Schritt jeweils ein einstimmiges Votum ab, so dass bereits hieraus positive Erwartungen abgeleitet werden können. Immerhin sind jetzt in der FNL etwa 40 Mitglieder - und darunter alles Spitzenverbände der deutschen Agrarwirtschaft - zusammengeschlossen.

Versucht man die satzungsgemäße Aufgabenstellung der FNL zusammenzufassen, so geht es im Kern um die Förderung einer nachhaltigen Entwicklung sowohl in der pflanzlichen als auch in der tierischen Produktion, wobei die ökonomischen, ökologischen und soziologischen Wirkungen zu berücksichtigen sind und darüber die Öffentlichkeit ständig und fundiert zu unterrichten ist. Diese Komprimierung macht vor allem deutlich, dass nunmehr ein ganzheitlicher Ansatz für die Landwirtschaft insgesamt geschaffen ist und die Ziele sowohl nach innen als auch nach außen gerichtet sind. "Nachhaltigkeit" bedeutet in Kurzform, dass die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt werden, ohne dadurch die Möglichkeiten künftiger Generationen zu gefährden. Die FNL will dafür ein kompetenter und zentraler Ansprechpartner sein, der auch sicherstellen soll, dass künftig bei dem wichtiger werdenden Prinzip und dem politischen Ziel der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft (Agenda 21) mit einer Stimme gesprochen wird. Dies ist gerade für den Bereich der tierischen Produktion und für die gesamte Veredlungskette von großer Bedeutung, denn unverändert sind hier die Akzeptanzprobleme in der Bevölkerung überdurchschnittlich hoch.

Die breitere Basis der FNL, die effizientere Nutzung der verfügbaren Ressourcen bzw. die Vermeidung von Doppelarbeit, die Verhinderung unterschiedlicher Aussagen zu gleichen Fragestellungen kann nur von Vorteil sein. Wichtige Voraussetzung ist allerdings, dass sich alle Trägerverbände einbinden lassen. Der breitere Ansatz beinhaltet auch die engere Zusammenarbeit und Abstimmung mit anderen Organisationen, insbesondere mit der CMA oder auch AID. Die vorgesehene Einbindung der IMA (Information Medien Agrar) ist ebenfalls notwendig und konsequent.

Die quantitative Ausweitung der FNL-Arbeit setzt voraus, dass alle Sektoren mitmachen und Unterstützung liefern. Im Bereich der Veredlungswirtschaft fehlt derzeit der Milchsektor, der sich unter anderem aufgrund der Bedeutung, der eher zunehmenden Berührungspunkte mit anderen Bereichen und aus Umweltgesichtspunkten anschließen sollte. Auch in der Fleischwirtschaft sind noch Lücken zu schließen.

Aus der Sicht der Futtermittelwirtschaft erscheint es sinnvoll, bei dem jetzigen Neubeginn die Motive in Erinnerung zu rufen, die Mitte 1994 bei Gründung der AGF gegolten haben. Zentraler Ansatz waren seinerzeit Maßnahmen zur Stärkung der deutschen Veredlungswirtschaft, das heißt Verbesserung der Rahmenbedingungen, insbesondere für wachstumswillige Betriebe, damit die kaufkräftige Nachfrage vor der Tür in stärkerem Maße von heimischen Produzenten und den vor- und nachgelagerten Bereichen befriedigt werden kann. Insbesondere im Bau- und Steuerrecht sind grundlegende Fortschritte erzielt worden. Darüber hinaus hat sich bei den zahlreichen Maßnahmen und Aktionen ein "Wir-Gefühl" unter den Trägerverbänden entwickelt, das nicht zu unterschätzen ist. Da der "Fachausschuss Tier" auch in der FNL fortbesteht, ist Kontinuität gesichert.

In der FNL-Satzung ist verankert, dass auch künftig die Wettbewerbsfähigkeit der tierischen Produktion in der Veredlungskette gefördert werden soll. Diese breitere Sicht ist richtig, wie unter anderem das Weißbuch der EU-Kommission verdeutlicht. Im Zusammenhang mit der "Expo 2000" bietet das geförderte Projekt "Ruthe" in diesem Zusammenhang Möglichkeiten, um eine "nachhaltige Tierproduktion" mit zehn Themenbereichen, wie zum Beispiel Fütterung, Haltung, Tiergesundheit, Qualitätsmanagement zu demonstrieren und zu vermitteln. Ein anderes Beispiel ist die Mykotoxin-Problematik, die Pflanze und Tier betrifft und dringend auch im Bereich der Lobby-Arbeit angegangen werden muss.

Fazit: Der neue, bessere Rahmen ist in Form der FNL geschaffen; das Bild, das heißt der Nutzen der Zusammenführung, wird sich erst zeigen müssen. Er wird in hohem Maße davon abhängig sein, wie kreativ, zielgerichtet und wirkungsvoll in den verschiedenen Gremien des Haupt- und Ehrenamtes zusammengearbeitet wird. Eine neue Chance ist dazu gegeben.
 

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