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Mehr Einfluss

Von Bernd Springer, Frankfurt a.M.

Die plumpsenden Steine waren fast zu hören, als sie den Protagonisten der Verbandsfusion vom Herzen fielen. Sowohl die Mitgliederversammlung des Fachverbandes der Futtermittelindustrie als auch die außerordentlich einberufene Mitgliederversammlung des Bundesverbandes der Mischfutterindustrie votierten einstimmig für die Zusammenlegung beider Verbände zum Deutschen Verband Tiernahrung (DVT). Dies ist das Verdienst einer gründlichen Vorbereitung und sensibler Hintergrundgespräche nach der Einsicht über den Nutzen und die Notwendigkeit dieses Schrittes.

Schon über Jahre waren sowohl aus dem Ehrenamt, den Mitgliedekreisen als auch aus den Geschäftsstellen Äußerungen hörbar und Signale sichtbar, dass eine Mehrgleisigkeit im Verbandswesen der Mischfutterindustrie auf Dauer nicht die optimale Effizienz haben könne. Nur ließ sich ein gezieltes Vorgehen und ein definierter Zeitplan lange Zeit nicht erkennen. Bedenken, ob die Mitgliederschaft bereit ist, diesen Schritt zu gehen, herrschten vor, so dass zunächst vorsichtige Annäherung betrieben wurde. Gute Abstimmung in der Sacharbeit und auch gemeinsames Vorgehen sowie gleichgerichtete Argumentation in den Krisen, in welche die Branche geriet, zeigten, dass eine gemeinsame Basis vorhanden war. Als erste Sondierungsgespräche Anfang dieses Jahres "erstaunlich viele Übereinstimmungen" offenbarten, war klar, dass es an der Zeit ist, die Neuordnung des Verbandswesens gezielt und ernsthaft in Angriff zu nehmen. Beschleunigend wirkte, dass es die Übereinstimmungen nicht nur im Arbeitsgebiet und in den Zielsetzungen gab, sondern beispielsweise auch in der Mitgliederstruktur, was vorher nicht ausreichend bekannt war.

Mit der rückwirkenden Fusion zum 1. Juli dieses Jahres wurde nun ein Schlussstrich unter eine Verbandsstruktur gezogen, die sich durch die Entwicklung der Branche überlebt hat. Die Interessen aller Mischfutterhersteller liegen so dicht beieinander, dass nur die Vertretung durch einen Verband die höchste Effizienz erreichen kann. Auch wenn diese Aussage ebenfalls für die genossenschaftlichen Mischfutterhersteller zutrifft, ist es noch nicht gelungen, diese in vollem Maße zu integrieren. Aufgrund der engen Verzahnung mehrerer Hauptgenossenschaften mit der Raiffeisenorganisation sollte über intelligente Lösungen für eine Integration in den DVT nachgedacht werden.

Die Anforderungen an die Branchenkommunikation sind in vieler Hinsicht gewachsen. Ein Verband, der die überwiegende Zahl der Mischfutterhersteller vertritt, ist in der Argumentation glaubwürdig. So wird der DVT seine Lobbyarbeit in Brüssel mit mehr Nachdruck betreiben können. Dies ist wichtig, wenn die Vorschläge des Weißbuches für Lebensmittelsicherheit in geltendes Recht umgesetzt werden wird. Auf EU-Ebene kommt erschwerend hinzu, dass nicht mehr die Generaldirektion Landwirtschaft für das Futtermittelrecht verantwortlich ist, sondern die Generaldirektion Gesundheit und Verbraucherschutz. Deren Entscheidungsträger sind nicht gerade von den Interessen der Mischfutterindustrie geprägt.

Die zurückliegenden - aber noch nicht überwundenen - Krisen wie BSE und Dioxin machen klar, dass die gesamte Mischfutterindustrie einerseits ihrer Verantwortung innerhalb der Lebensmittelkette gerecht werden, dies aber andererseits auch kommunizieren muss. Mit einer gemeinsamen Informationspolitik kann es gelingen, die Branche aus der Schusslinie unqualifizierter Angriffe zu manövrieren. Mit der Verbandsfusion wird also mehr erreicht als eine Kosten- und Ressourceneinsparung. Hier ist ein Verband entstanden, der in der Politik und in der Öffentlichkeit seinen Einfluss geltend machen kann. Hieran, und nicht nur am wirtschaflichen Umgang mit den Mitgliedsbeiträgen, wird sein Erfolg zu messen sein.
 
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