1

Erfahrungsaustausch nicht delegieren

Von Bernd Springer, Frankfurt a.M.

Schon längst muss die Herstellung von Mischfutter nicht nur in regionalen oder nationalen Zusammenhängen gesehen werden. Vielmehr ist in den zurückliegenden Jahren die internationale und dabei insbesondere die europäische Komponente immer wichtiger geworden. Nicht nur, dass die Futtermittelgesetzgebung weitgehend harmonisiert ist und von europäischen Gremien bestimmt wird - darüber sollten auch die gerade in jüngster Vergangenheit sich häufenden "nationalen Alleingänge" und Sonderwege nicht hinwegtäuschen. Eine Renationalisierung kann und wird es nicht geben, weil gerade dieses den Interessen des Verbraucherschutzes zuwider laufen würde.

Die europäische Mischfutterindustrie wird in Brüssel überaus aktiv durch die Fefac, die Vereinigung der Europäischen Mischfutterindustrie, vertreten. Den Auftrag hierzu erhält die Fefac von den 15 nationalen Mitgliedsverbänden aus 14 EU-Ländern, der Schweiz, der Tschechischen Republik, Polen und Bulgarien. Richtungsentscheidungen, die von Ausschüssen im Auftrag des Präsidiums vorbereitet werden, billigt die jährliche Mitgliederversammlung. Eine besondere Plattform der Begegnung sowie des Meinungs- und Erfahrungsaustausches sind die Fefac-Kongresse, die im zweijährigen Rhythmus im Rahmen der Mitgliederversammlung von wechselnden nationalen Verbänden ausgerichtet werden und allen Mitgliedsunternehmen der nationalen Verbände offen stehen.

Die diesjährige Veranstaltung in Helsinki/Finnland bot ein hochinteressantes Vortragsprogramm zu Themen, die für die gesamte Branche in Europa und darüber hinaus hochaktuell sind. Sie erstreckten sich von der Fragestellung, ob Europa auch zukünftig ein guter Standort für Investitionen in die tierische Veredelungswirtschaft bleibt, über die Sichtweise des europäischen Lebensmitteleinzelhandels zur Lebensmittelsicherheit bis zu den Möglichkeiten des Internets für die Futtermittelindustrie. Auch Fragen des Kontraktrechts, insbesondere in Bezug auf GVO-freie Futtermittelrohstoffe, des Angebots an Nicht-GVO-Sojabohnen aus den USA, der Umsetzung von HACCP-Prinzipien in der Futtermittelindustrie sowie von Fütterungsprogrammen ohne antibiotische Futterzusätze wurden anhand fachkundiger Vorträge diskutiert. Abgerundet durch einen Ausblick, welche technischen Konsequenzen die heute im Vordergrund stehenden gestiegenen Qualitätserwartungen für die Ausstattung von Mischfutterwerken hat, dürften alle Teilnehmer reichlich Anregungen für die zukünftige Ausrichtung ihrer Unternehmen mitgenommen haben.

Das wertvollste an solchen internationalen Kongressen sind aber nicht unbedingt die Fachvorträge. Die Diskussionen mit Kollegen und Wettbewerbern aus allen möglichen Regionen Europas im Umfeld der Vorträge und auch abseits bei lockeren Gesprächen helfen ungemein bei der Einschätzung des eigenen Standpunktes und der Bewertung von Prioritäten. Um so bedauerlicher ist der sich seit einigen Jahren abzeichnende Trend, dass immer weniger Delegierte diese Gelegenheit wahrnehmen. Offensichtlich werden die europäischen Dimensionen von vielen Unternehmen nicht hoch genug bewertet. Mit der wirtschaftlich angespannten Lage allein dürfte sich nicht erklären lassen, dass beispielsweise aus Deutschland neben den Amtsträgern aus Fefac und Deutschem Verband Tiernahrung (DVT) nur ein Mischfuttterhersteller angereist war. Gerade in angespannten Zeiten müssen sich Unternehmer aktiv um Standortbestimmung und Orientierung bemühen. Persönliche Gespräche und Kontakte gehören nicht zu den Dingen, die mit einer Verbandsmitgliedschaft delegiert werden können. Es steht zu hoffen, dass die Fefac weiterhin eine glückliche Hand bei der Auswahl der Kongressausrichter hat und dies mit wieder wachsenden Teilnehmerzahlen belohnt wird.
 
Was denken Sie?
Schreiben Sie uns Ihre Meinung zum Kommentar ins Gästebuch

Diesen Kommentar hätten Sie übrigens schon früher in der aktuellen Ausgabe von KRAFTFUTTER/FEED MAGAZINE lesen können...

Interessiert?
Dann sollten Sie KKRAFTFUTTER/FEED MAGAZINE jetzt testen.


Natürlich können Sie uns auch über den üblichen Weg erreichen:

per Fax: 069-7595-1260
per Brief: Deutscher Fachverlag GmbH
60264 Frankfurt am Main
per Email: AgroOnline@dfv.de

stats