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Erfreuliche Interessenbündelung

Von Yves Montecot, Europäischer Verband der Mischfutterindustrie (Fefac), Brüssel

Es ist mir als neu gewählter Fefac-Präsident eine große Freude, dem Deutschen Verband Tiernahrung (DVT) zu seiner ersten Jahrestagung die besten Wünsche zu übermitteln. Unsere Branche steht vor großen Herausforderungen bei der Überwindung der Vertrauenskrise, in der sich wichtige Teile der Futtermittel- und Veredlungswirtschaft befinden. Dazu brauchen wir starke, effiziente nationale Verbandsstrukturen, die wiederum eine zielgerichtete und erfolgreiche Lobbyarbeit der Fefac in Brüssel ermöglichen. Der im vergangenen Jahr erfolgte Zusammenschluss der beiden Mischfutterverbände zum Deutschen Verband Tier nahrung - DVT- ist daher sinnvoll und richtungsweisend zur Bündelung unserer Kräfte auf europäischer Ebene, die es der Fefac als einzigem, unabhängigem Sprachrohr der europäischen Mischfutterhersteller erlaubt, mit Nachdruck klare Stellungnahmen gegenüber den europäischen Institutionen zu beziehen. Die Aufgabe der Interessenvertretung für den Mischfuttersektor ist für Fefac zunehmend wichtiger und vielfältiger geworden. So wird beispielsweise das EU-Futtermittelrecht ausschließlich in Brüssel gestaltet, die Mitbestimmung des Europäischen Parlamentes erfordert zusätzlichen Einsatz und ein gutes Zusammenwirken zwischen nationalen Verbänden und der Fefac.

Vor diesem Hintergrund freue ich mich besonders, dass der DVT nach dem Zusammenschluss vom fünften auf den zweiten Platz innerhalb der Fefac vorgerückt ist und damit einen der Leistungsfähigkeit der deutschen Mischfutterwirtschaft entsprechenden Platz einnimmt. Ich wünsche mir, dass sich dieses stärkere Gewicht auch in einer stärkeren Präsenz der deutschen Wirtschaftsvertreter in den einzelnen Fefac-Gremien widerspiegelt. Die Beiträge aus den Ausschüssen bilden bekanntlich die eigentliche Grundlage für eine gemeinsame erfolgreiche Verbandsarbeit.

Nach der BSE-Krise müssen sich DVT und Fefac mit den Zukunftsaufgaben unserer Branche befassen.

o Wie können wir das Vertrauen unserer Rindermäster und Kälberhalter wiedergewinnen?
o Wie können wir unsere Vorlieferanten noch stärker als bisher in die Verantwortung für sichere Futtermittel einbinden?
o Wie schaffen wir es gemeinsam mit den 15 Fefac-Trägerverbänden, dass die EU-Entscheidungsträger besser über das Aufgabenfeld der Mischfutterbrache unterrichtet werden?
o Wie erreichen wir bei allen Verantwortlichen für die Gesetzgebung und die Kontrolle eine Gesamtsicht für den Futtermittelsektor, das heisst unabhängig von den verschiedenen Fütterungssystemen, denn nur ein einheitliches Sicherheitsniveau ist zielführend.
o Wie überwindet der Futtermittelsektor insgesamt die Vorbehalte der Verbraucher zur Gentechnik und damit zu gentechnisch veränderten Futtermitteln?
o Wie kann die EU ihre verschärfte, restriktive Gesetzgebung für die eigene Herstellung von Lebensund Futtermitteln gegenüber einem dynamischen Weltmarkt durchsetzen?

Vorausschauend handeln - das ist eine Notwendigkeit für uns alle. Es ist sicher eine Folge der Krisen, dass ein solches Verhalten heute stärker als früher von uns verlangt wird. Ich will nur eines herausstellen: Die Entwicklung von Leitfäden guter Herstellungspraxis ist sinnvoll, da sie sich mit vorbeugenden Maßnahmen der Begrenzung von Risikofaktoren auf allen Stufen befasst. Das reduziert in erheblichen Maße auch das Unfallrisiko, obwohl man dies nie ganz verhindern kann. Darum ist es wichtig, ein Maßnahmenbündel zu schnüren im Rahmen eines umfassenden Qualitätssicherungssystems. Hier muss unser Augenmerk insbesondere auf ein Überwachungsprogramm der Futtermittelausgangsstoffe gerichtet sein als notwendige Ergänzung unserer guten Herstellungspraktiken. Wir brauchen die Zusammenarbeit aller Wirtschaftsteilnehmer, damit Schadstoffanalysen durchgeführt und die Ergebnisse für eine europaweite Datenbank bereitgestellt werden.

Die Umsetzung guter Herstellungspraktiken auf jeder Stufe der tierischen Veredlungskette bietet auch die Basis, um auf die entscheidende Frage nach der Rückverfolgbarkeit der tierischen Erzeugnisse antworten zu können. Ob es dabei um Gentechnisch Modifizierte Organismen (GMO), Tierernährung, Tierrassen oder Haltungsformen und weiteres geht - alles ist eine Frage der Rückverfolgbarkeit. Rückverfolgbarkeit in diesem Sinne heißt, dass für ein Produkt, seien es Kotelett, Eierverpackung oder Joghurtbecher, alle Informationen von Verarbeitungsstufe zu Verarbeitungsstufe gesammelt und eingesehen werden können. Diese Produktinformationen müssen in geeigneter Weise festgehalten werden und dürfen sich nicht im Herstellungsprozess verlieren. Wir müssen uns daher unverzüglich mit dem Aufbau eines harmonisierten Systems zur Informationssammlung beschäftigen nach der Maßgabe "vom Hof auf den Tisch". Bei Mischfutter können wir bereits auf erhebliche Fortschritte verweisen. Wir werden auch in Zukunft bei allen Entscheidungen und Maßnahmen konstruktiv mitwirken, die tatsächlich Fortschritte hinsichtlich Sicherheit und Rückverfolgbarkeit bringen.

Ein Wort noch zu den GMO! Die derzeit im Anbau befindliche Generation der GMO-Pflanzen bringt der Tierernährung keine Vorteile. Wir können aber diese neue Technologie deswegen nicht verurteilen, da sie -im geeigneten gesetzlichen Umfeld -ein großes Zukunftspotenzial verspricht. Als Zulieferer für den Markt von Erzeugnissen tierischer Herkunft müssen wir aber auf die Nachfrage reagieren. Die Verbraucher in der EU verlangen eine freie Wahlmöglichkeit. Dies setzt zunächst objektive, überprüfbare Informationen über die Produkte voraus. Darauf müssen wir antworten. Eine unmittelbare Folge der Verbraucherwünsche ist es, dass die Sojakette beginnt, sich zu segmentieren. Die Unternehmen haben die Herausforderung angenommen und entsprechende Rückverfolgbarkeitssysteme entwickelt. Es muss jedoch auch bedacht werden, dass den Wünschen der Verbraucher nicht in allen Belangen zu 100 Prozent entsprochen werden kann. Eine Segmentierung von Warenströmen ist nie absolut, so dass der Frage von Toleranzen und Methoden große Aufmerksamkeit geschenkt werden muss. Schließlich muss über die verfügbaren Mengen und die erforderlichen finanziellen Aufwendungen Klarheit herrschen.

Die vor uns liegenden Aufgaben sind vielfältig und fordernd. Nur gemeinsam können wir sie bewältigen. In diesem Sinne wünsche ich den Mitgliedern des DVT eine erfolgreiche Jahrestagung in Bonn und freue mich auf eine aktive Zusammenarbeit innerhalb der Fefac.
 
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