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Orientierungen

Von Hubert Grote, Bonn

Die Mischfutternachfrage ist im Jahre 1998 fast exakt auf Vorjahresniveau geblieben. Das ist vor dem Hintergrund der bestehenden Marktbedingungen ein beachtliches Ergebnis. Trotz gewisser Hoffnungszeichen hält die grundsätzliche Wettbewerbsschwäche der tierischen Produktion in Deutschland an, denn die Konsumenten versorgen sich bei Veredlungsprodukten in hohem Maße aus Importen. Bei Geflügelfleisch sind es knapp 40 Prozent, bei Eiern ungefähr 30 Prozent und bei Schweinefleisch rund 20 Prozent. Die jüngsten Daten lassen erfreulicherweise darauf schließen, daß insbesondere die Schweine- und Geflügelfleischproduzenten etwas an Boden gewonnen haben.

Die gesamte Mischfutterherstellung belief sich im vergangenen Jahr auf rund 18,8 Mio. t. Der Blick zurück auf die letzten fünf Jahre zeigt, daß das Gesamtniveau vergleichsweise stabil geblieben ist . Der fünfjährige Jahresdurchschnitt der deutschen Mischfutterproduktion lag bei 19,0 Mio. t.

Analysiert man das Zustandekommen der Gesamtmenge, so zeigen sich - auch im Vergleich zu den Vorjahren - interessante Gesichtspunkte.



Bei den Mischfuttersorten gab es auch im vergangenen Jahr erhebliche Verschiebungen. Als Folge der Wiederaufstockung der Schweinebestände um sechs Prozent und eines gewachsenen Mastgeflügelbestandes entwickelte sich hier die Mischfutternachfrage deutlich positiv. Die Herstellungsmenge an Schweinemischfutter stieg um knapp 400.000 t oder um 6,3 Prozent an, bei Mischfutter für Mastgeflügel waren es plus 145.000 t oder 7,3 Prozent. Diese positiven Entwicklungen korrelieren auch mit der Zunahme des Pro-Kopf-Verzehrs bei den entsprechenden Veredlungsprodukten. Im Jahr 1998 ist der Konsum an Schweinefleisch - offenbar auch preisbedingt - um 1,9 kg bzw. 4,9 Prozent angestiegen, bei Geflügelfleisch betrug die Zunahme 0,2 kg oder 2,3 Prozent.

Betrachtet man die längerfristige Entwicklung, so ist bei Mischfutter für Mastgeflügel eindeutig von einer Fortsetzung des positiven Trends zu sprechen, bei Schweinemischfutter ist die Weiterentwicklung noch nicht so eindeutig. Entscheidend wird sein, ob hier der Verdrängungswettbewerb weiterhin zugunsten der heimischen Schweineproduktion entschieden werden kann. Im vergangen Jahr ist der Selbstversorgungsgrad bei Schweinefleisch nach vorläufigen Angaben von gut 80 Prozent auf 81,7 Prozent angestiegen.

Die Bedeutung von Rinder- und Kälbermischfutter ging auch im vergangenen Jahr nochmals zurück. Die wesentlichen Ursachen liegen im rückläufigen Tierbestand, insbesondere bei Milchkühen mit minus 3,7 Prozent, in der reichlichen Grundfutterversorgung und im weiterhin BSE-bedingten Stagnieren des Rindfleischverzehrs. In früheren Jahren ist der Rückgang der Rinder- und Milchkuhbestände durch einen verstärkten Mischfuttereinsatz je Tier ausgeglichen oder sogar überkompensiert worden. Dies hat sich offenbar auch durch den stärkeren Eingang neuer Fütterungstechniken geändert. Aufschlußreich ist, daß die gleiche Entwicklung in nahezu allen EU-Mitgliedsländern festgestellt werden kann.

Regional hat der norddeutsche Raum weiter an Bedeutung gewonnen. In den Bundesländern Schleswig-Holstein, Hamburg, Niedersachsen, Bremen und Nordrhein-Westfalen werden inzwischen knapp 2/3 der deutschen Mischfuttermenge produziert. An Bedeutung verloren hat dagegen insbesondere der süddeutsche Raum. Die Hersteller in den neuen Bundesländern haben im Vergleich dazu ihre Position besser behaupten können. Die Ursache für diese Verschiebung liegt in erster Linie beim Schweinemischfutter. Während die Hersteller im norddeutschen Raum und in den neuen Bundesländern Zuwächse von 7,4 Prozent bzw. 5,1 Prozent erzielen konnten, blieb die zusammengefaßte Produktionsmenge für die Region "Süd" (HE, RP, BW, BY, SL) um 0,8 Prozent unter der Vorjahresmarke. In diesen Ergebnissen spiegeln sich die Tierbestandsveränderungen wieder.

Die künftige Entwicklung wird sicherlich auch von den Beschlüssen zur Agenda 2000 beeinflußt werden. Voraussichtlich ist davon auszugehen, daß hierdurch die Bedingungen für Rindermischfutter, die fast ausschließlich vom Milchmarkt bestimmt werden, nicht vor dem Wirtschaftsjahr 2003/2004 eingeengt werden. Bezogen auf Schweine- und Geflügelmischfutter sind tendenziell die gleichen Auswirkungen zu erwarten, wie sie sich aus der Agrarreform vom Jahre 1992 ergeben haben: Druck auf die Getreidepreise und geringere Vermarktungsbereitschaft, da unter anderem die Anhebung der Ausgleichszahlung aus subjektiven Gründen unberücksichtigt bleibt. Von entscheidendem Einfluß aber wird die künftige Entwicklung an den Weltmärkten für Getreide und Ölsaaten sein. Eine Verknappungstendenz dürfte fast alle derzeit angestellten Prognosen über den Haufen werfen.
 

 
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