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Damals

Von Dietrich Baumann, Erfurt

Auf langen Tafeln, die mit weißem Zeug bedeckt sind, ruhen in niedlichen Körbchen die zahlreichen Kartoffelsorten. Säulen, von grünen Girlanden umwunden, tragen hohe Bogen von Immergrün des Waldes und die Wappen der vertretenen Länder mit den entsprechenden Fahnen in den Landesfarben. So steht es im "Wochenblatt für Schmölln" vom 16.Oktober 1875. Orte des Geschehens waren das neue Schützenhaus und die städtische Turnhalle von Altenburg. Das Ereignis dauerte 10 Tage und trug den Titel "Die Kartoffel und ihre Kultur". Verbunden war es mit einer einmalig großen Ausstellung von Kartoffeln und all dem Gerät, welches damals dem Kartoffelbau diente. Zu den ersten Gästen der Ausstellung (14. bis 24. Oktober 1875) zählten seine Hoheit, der regierende Herzog Ernst zu Sachsen-Altenburg, sowie die Frau Herzogin samt Prinz und Prinzessin. Sage und schreibe 5.597 Sorten konnte sich der Besucher anschauen. Sie waren unterteilt in die Gruppen "altbewährte", "neue", "neueste" und "Stämme", würde man heute sagen. Die ungewöhnlich große Zahl der Sorten hatte natürlich ihren besonderen Grund. Sie kamen aus 10 preußischen Provinzen von Pommern bis Schleswig-Holstein und 20 weiteren Ländern. Das waren z.B. Sachsen (Königreich), Schwarzburg-Sondershausen,Mecklenburg-Schwerin, Hessen-Darmstadt, Württemberg, die Schweiz und Oesterreich-Ungarn. Kritisch vermerkt der amtliche Bericht das Fehlen u.a. von Lippe-Schaumburg und Elsaß-Lothringen. In die Ausstellungsvorbereitung waren die bekanntesten wissenschaftlichen Kapazitäten ihrer Zeit einbezogen worden. Zu ihnen zählten die Professoren Dr.Nobbe, Tharand, Dr.Oehmichen, Jena, und Dr.Pietrusky, Eldena. Die Besucherliste gleicht einem Spiegelbild der Hautevolee von Acker- und Pflanzenbauern aus dem ganzen Deutschen Reich und dem europäischen Ausland. Im Ergebnis des Pflanzgutmarktes erzielten u.a. "Kopsels frühe Rosen", "BlaueSechswochen" und "Lercheneier" die besten Preise. Der Kartoffeltag am 16.Oktober enthielt Vorträge zu Krankheiten, zur Marktsituation und zur Einrichtung von Sorten-Prüfstationen. Natürlich wurde auf dieser großen deutschen Kartoffeltagung nicht nur gefachsimpelt, sondern auch gefeiert. Glanzlichter waren dabei laut Protokoll das Kartoffel-Bankett und der Kartoffel-Commers. Sie wurden durch humoristische Vorträge, Festgedichte und Produktionen aller Art gewürzt! Nach 125 Jahren wird sich nun am 28.September 2000 in Altenburg wieder alles um die Kartoffel und ihre Kultur drehen. Veranstalter sind dieKartoffelverbände von Sachsen und Thüringen und der Landrat des Altenburger Landes. Experten werden zur deutschen und europäischen Kartoffelmarktsituation sprechen, es geht um die Züchtung, den Anbau und um Vermarktungsstrategien. Von einem Kartoffel-Commers ist allerdings nicht die Rede.
 
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