Report Smart Farming Pflanzenbau

Kompatibilität der Maschinen ist ein Schwachpunkt

Alles im Blick: Die Mähdrescher auf Gut Derenburg sind mit modernster Technik ausgestattet.
-- , Foto: Münchhoff
Alles im Blick: Die Mähdrescher auf Gut Derenburg sind mit modernster Technik ausgestattet.

„Unter Smart Farming verstehe ich die optimale Vernetzung der Maschinen auf einem Ackerschlag im Laufe eines Jahres – von der Aussaat bis zur Ernte. Dabei werden die vorhandenen Daten der Vorjahre in die aktuellen Wachstums- und Wetterbedingungen integriert“, so Münchhoff.

In den Jahren ab 2000 waren die Getreidepreise „extrem niedrig“ und die Düngekosten „nicht unerheblich“ gestiegen; Zeit für ihn, betriebswirtschaftlich angemessen darauf zu reagieren. Zudem habe auch der ökologische Gedanke der Einsparung von Ressourcen mittels Smart-Farming-Lösungen in seinem Betrieb eine wichtige Rolle gespielt.


Betriebsspiegel Gut Derenburg
Lage in Sachsen-Anhalt:
10 km westlich von Halberstadt und 10 km östlich von Wernigerode, Ausläufer der Magdeburger Börde

Böden:
vorwiegend Lößböden, auch Sandböden

Höhenlage: 134 bis 210 m über NN

Niederschlag: 10-jähriger Durchschnitt 575 mm

Bodenzahl: durchschnittlich 78 Bodenpunkte

Gesamtfläche: 1068 ha, davon 972 ha Ackerland, 20 ha Grünland

Innere Verkehrslage: mittlere Hof-Feld-Entfernung beträgt 4,6 km, 36 aktiv bewirtschaftete Ackerschläge

Anbau zur Ernte 2016:
Winterweizen (475 ha), Winterraps (295 ha), Wintergerste (116 ha), Erbsen (50 ha) sowie Greening (36 ha)

N-Sensor war der Anfang

Besonders in trockenen Jahren präsentierten sich auf den Flächen sehr unterschiedliche Bestände hinsichtlich der Abreife des Getreides. Messbar wurden diese Unterschiede mit dem Kauf der Mähdrescher im Jahr 2000, die eine Ertragskartierung ermöglichten. Abweichungen von zum Teil 5 bis 14 t/ha bei Getreide innerhalb eines Ackerschlags wurden deutlich. „Es stellte sich die Frage, woran das liegen könnte“, erinnert sich Münchhoff.

Als Erstes wurde im Jahr 2002 der N-Sensor angeschafft. Seitdem wird die Sensortechnik zur N-Düngung im Getreide, später auch im Raps online eingesetzt. Seit 2012 wird der Sensor auch für die teilflächenspezifische Ausbringung von Wachstumsregulatoren genutzt sowie zum Abscannen der Rapsbestände im Herbst, vor Beginn der Winterruhe. Daraus werden je Ackerschlag die N-Streukarten für die erste Gabe im Frühjahr des Folgejahres generiert. Dies bringt beispielsweise eine Reduzierung des N-Überschusses von etwa 20 kg/ha und Jahr im Raps.

Parallel zum Erwerb des N-Sensors wurde in den Jahren 2002 bis 2004 der Bodenscanner (EM 38) eingesetzt, um mögliche Bodenunterschiede sichtbar zu machen und Ertragsunterschiede einer Klärung näherzubringen. Auf der Basis der Scannerdaten wurden die Ackerschläge in Teilflächen von etwa 3 ha unterteilt, in diesen Teilflächen jeweils gesondert Bodenproben genommen und danach die notwendigen Düngemaßnahmen und Düngemengen ausgebracht.

Nachdem auch die Bodenschätzung des Jahres 1935 digital zur Verfügung stand und eine Verrechnung der Biomassekarten über Jahre sowohl aus den Daten des Sensors als auch aus Satellitendaten vorlag, wurde ab dem Jahr 2012 eine Hofbodenkarte entwickelt.

„Sie hat uns noch näher an die tatsächlichen Gegebenheiten innerhalb eines Ackerschlags gebracht“, sagt Münchhoff. Die Bodenproben werden seit 2013 mit eigenem Gerät und Real Time Kinematik (RTK)-Genauigkeit zur Dokumentation und zum Wiederfinden der ursprünglichen Beganglinien durchgeführt. Das oben definierte Ziel von Smart Farming hat Münchhoff laut eigenem Bekunden auf seinem Betrieb bis heute nicht erreicht. Immer noch wird mit Insellösungen einzelner Anbieter gearbeitet. So sind viele Maschinen oder deren Steuerung nicht kompatibel. „Dies führt dazu, dass zum Beispiel mehrere Terminals auf den einzelnen Traktoren verbaut werden müssen“, moniert er.

Auch ist es nur unter schwierigen Bedingungen, teilweise auch gar nicht, möglich, Daten aus verschiedenen Arbeiten auf dem Acker in die Bürosoftware einzulesen. Bereits vorhandene Daten in der Bürosoftware können kaum miteinander verrechnet werden, sodass daraus keine Schlussfolgerungen für die Bewirtschaftung des Folgejahres möglich sind. Der Einsatz modernster Technik verlangt auch entsprechende Investitionen. „Auf Gut Derenburg haben wir in kleinen Schritten in die damals sehr neue Technik investiert; immer unter dem Gesichtspunkt, dass sich jede Investition auch rechnet“, unterstreicht Münchhoff. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich die Anschaffung moderner Technik sehr schnell rechnet. Bereits nach ein bis zwei Jahren hatten sich die Geldausgaben amortisiert. Beispielsweise hat sich die Anschaffung von RTK bereits innerhalb eines Jahres gerechnet.

Defizite werden ausgeglichen

Durch weniger Überlappungen beim Grubbern oder bei der Aussaat würden sich insgesamt etwa 15 €/ha und Jahr einsparen lassen. „Zudem wissen wir sehr genau, was auf der Teilfläche eines Ackerschlags dem Boden und den Pflanzen an Nährstoffen fehlt und können gezielt reagieren“, fügt Münchhoff hinzu. Dadurch könnten die Kosten erheblich gesenkt werden, ohne Ernteverluste hinnehmen zu müssen. Die Ersparnis – weniger Saatgut, Dünger, Pflanzenschutz und Treckerstunden – belaufe sich über alle Maßnahmen gerechnet auf mehr als 100 €/ha und Jahr.

„Heute zu sagen, was vielleicht in fünf bis zehn Jahren im Segment der Sensortechnologie möglich sein wird, halte ich für ausgesprochen schwierig“, so der leidenschaftliche Landwirt. Der Einsatz von immer mehr, aber auch von immer intelligenteren Lösungen auf den Maschinen und im Büro ist für ihn jedenfalls nicht aufzuhalten. (Sz)
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