Report Milchstandort Deutschland

Konsolidierung wird fortschreiten

Von Tilgungsaussetzung und -streckung bis zur Vergabe neuer Kredite lauten die Rezepte der OLB in der Milchkrise. Vielen Betrieben ist es gelungen, ihre Produktionskosten zu optimieren.
-- , Fotos: OLB
Von Tilgungsaussetzung und -streckung bis zur Vergabe neuer Kredite lauten die Rezepte der OLB in der Milchkrise. Vielen Betrieben ist es gelungen, ihre Produktionskosten zu optimieren.

Milch ist gesund – viele Betriebe aber hat die Milch zuletzt wirtschaftlich krank gemacht. Ein Jahresdurchschnittspreis von 32 Cent, besagt die Faustregel, lässt den Milchbauern Luft zum Atmen, ab 35 Cent wird die Luft auch sauerstoffreicher. Im Sommer 2016 lag der Preis für ein Kilogramm Milch ab Hof jedoch bei weniger als 25 Cent. Zwei Jahre früher konnten noch 38 Cent erzielt werden. So hart war der Preissturz – und so dünn wurde die Luft.

Preise leicht erholt

Nicht allein die Tiefpreise, auch die enormen Preisschwankungen trieben den Bauern die Sorgenfalten ins Gesicht. Für einen Betrieb mit 200 Kühen und einer Produktion von 2 Mio. kg Milch beispielsweise liegt der Unterschied zwischen einem Milchpreis von 25 oder von 38 Cent im sechsstelligen Bereich. Erst seit etwa Herbst 2016 entwickeln sich die Preise wieder Richtung Kostendeckung. Trotz der leichten Erholung ist die Zeit für ein Aufatmen allerdings noch nicht gekommen.

Auch für die Oldenburgische Landesbank AG (OLB) ist die Situation der Milchbauern sehr wichtig. Die technisch und auch betriebswirtschaftlich zunehmend komplexe Bewirtschaftung der Höfe führt zu einem immer höheren Beratungsbedarf. Im Regelfall existiert heute die gemütliche Bauernhofidylle mit einer Handvoll Kühen, freilaufenden Hühnern und Katzen, die durch die Scheune tollen, ebenso wenig mehr wie die alte Gleichung „Bankkredit gegen Grundschuld“. Für eine kreditgebende Bank ist vor allem die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes wichtig. Dies gilt insbesondere für schwierige Zeiten wie die Phase niedriger Milchpreise.


Jan Bergmann hat Landwirtschaft studiert und auf einem Milchviehbetrieb gelernt. Er steht den Kundenbetreuern der Bank mit seiner Expertise zur Seite.
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Jan Bergmann hat Landwirtschaft studiert und auf einem Milchviehbetrieb gelernt. Er steht den Kundenbetreuern der Bank mit seiner Expertise zur Seite.

Kompetenzteam Milch gegründet

In der Milchkrise hat die OLB im Frühjahr 2016 ein Kompetenzteam Milch aufgestellt, personell besetzt mit hauseigenen Agraringenieuren, die im Tagesgeschäft den Kundenbetreuern vor Ort als landwirtschaftliche Fachberater zur Seite stehen – insgesamt neun Experten aus verschiedenen Bereichen. Zur Differenzierung des landwirtschaftlichen Engagements und zur gezielten Unterstützung der Milchbauern entwickelte die OLB ein spezielles Analysetool, mit dem alle mittel- und großvolumigen Engagements in diesem Bereich unter die Lupe genommen wurden.

Die Analyse zeigt individuell auf, welchen Grundpreis die Molkerei an den Landwirt auszahlen müsste, damit dieser seinen aktuellen Zahlungsverpflichtungen nachkommen könnte. Dazu wurden unter Berücksichtigung von Sonderfaktoren wie zum Beispiel der Superabgabe oder einmaliger Kosten die Abschlüsse der vergangenen Jahre untersucht – so ergab sich ein detailliertes Bild von der finanziellen Situation. Bedarfsweise wurden daraufhin innerhalb des Kompetenzteams Maßnahmen zur Stabilisierung des Betriebes ausgearbeitet. Die Break-even-Analyse ergab eine große Bandbreite von unter 30 Cent bis deutlich über 35 Cent. Ein Zusammenhang zwischen der Höhe des Break-even-Preises und der Größe des Betriebes ließ sich nicht herstellen.

Ein Drittel der Agrarkredite für Milch
Die OLB ist mit einer Bilanzsumme von 14 Mrd. €, rund 2150 Mitarbeitern und einem Netz aus etwa 200 Standorten laut eigenen Angaben die größte private Regionalbank Deutschlands. Der Anteil des Finanzierungsvolumens für Milchvieh beläuft sich auf ein Drittel des Landwirtschaftlichen Kreditvolumens in Höhe von mehr als 1 Mrd. €. Das Geschäftsgebiet erstreckt sich über den Nordwesten: Die Landwirtschaft bildet hier einen bedeutenden wirtschaftlichen Faktor. Die Milchwirtschaft ist traditionell vor allem in Ostfriesland, Wesermarsch und Ammerland angesiedelt. az
Ihr Ergebnis besprachen die Spezialisten der Bank mit dem jeweiligen Landwirt und seinem Steuerberater oder Unternehmensberater. Aus der gemeinsamen Diskussion wurde das weitere Vorgehen abgeleitet. Wann immer möglich lautete die klare Priorität in der schwierigen Phase, mithilfe der OLB die Milchkrise durchzustehen. Meistens gelang dies gut. Zu den genutzten Instrumenten zählten die Tilgungsaussetzung oder -streckung bestehender Verbindlichkeiten ebenso wie die Vergabe neuer Liquiditätskredite. Das Jahr 2017 ist für die Milchbauern mit besseren Preisen gestartet.

Aktuelle Auswertungen belegen, dass es etlichen Betrieben im vergangenen Wirtschaftsjahr gelungen ist, ihre Produktionskosten zu optimieren. Der Konsolidierungskurs wird sich dennoch weiter fortsetzen. Denn wegen offener Positionen beim Landhandel oder zurückgestellter Aufwendungen müssen viele Landwirte neue Ausgaben vornehmen. Reparaturen beispielsweise, die im vergangenen Jahr nicht ausgeführt wurden, gelangen wieder auf die Tagesordnung. Und die Frühjahrsfeldbestellung steht zwar jährlich an, doch in diesem Jahr kommt der Termin nach dem schweren Vorjahr aus finanzieller Sicht für einige gefühlt zu früh.

Die Bereitschaft zu größeren Anschaffungen und Zukäufen mittels Finanzierungen ist weiterhin nicht ausgeprägt. Es gibt zwar Landwirte, die jetzt antizyklisch investieren. Insgesamt aber ist die Investitionslaune verhalten.

Vorzeichen 2017 sind solide

Somit waren für die Milchbauern die Jahre 2015 und 2016 geprägt von weltweit steigender Produktion bei schwächerer Nachfrage und fallenden Preisen. Das Jahr 2017 ist mit solideren Vorzeichen gestartet. Der Fokus für die kommenden Monate ist klar: Eine gesunde Liquidität des Betriebes ist die wesentliche Basis für die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit der Bank und den Erfolg des Landwirts. Damit die Milch es wieder macht.


Jan Bergmann, Fachberater Agrarwirtschaft bei der Oldenburgischen Landesbank AG
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