Kooperationen erhöhen Wertschöpfung


Der Strukturwandel im Landhandel setzt sich fort, wenn auch verhaltener als noch vor einigen Jahren. Kooperationen können Marktpositionen stärken.

"Der Agrarhandel ist das Bindeglied zwischen Landwirten und der übrigen Wirtschaft", erläuterte Prof. Michael Schmitz von der Universität Gießen in dieser Woche hessischen Landhändlern. Diese Form der Dienstleistung bezeichnet der Wissenschaftler als hoch produktiv. Durch die Handelstätigkeit werden lokale und internationale Räume erschlossen und die Zeit dazwischen durch Lagerhaltung überbrückt. Allerdings dürfte die Lagerhaltung vor allem in Norddeutschland an Bedeutung verlieren, denn viele Großbetriebe übernehmen diese auf ihren Höfen selbst. 

Mittelständischen Landhandelsbetrieben rät Schmitz zu mehr Diversifikation. „Das klassische Agrarhandelsgeschäft wird in den kommenden Jahren zurückgehen", sagte er während der Mitgliederversammlung des Verbandes der Agrargewerblichen Wirtschaft (VdAW) in Lich. Studien zufolge wird der Landhandel in den kommenden Jahren 16 Prozent weniger Getreide erfassen als noch vor drei Jahren. Grund ist die zunehmende Produktion von Biomasse zur Energieerzeugung, an dessen Erfassung der Agrarhandel nicht mehr teilnimmt.

"Nehmen sie den ländlichen Raum als Objekt ins Visier", forderte Schmitz die Ländhändler auf. Alternative Geschäftsbereiche sind für ihn Baustoffe, Energieprodukte sowie Dienstleistungen. "Die reine Kostenführerschaft reicht nicht mehr aus, um die Kunden zufrieden zu stellen", so Schmitz. Vielmehr müsse der Landhandel andere Möglichkeiten der Wertschöpfung im ländlichen Raum aufspüren wie beispielsweise Kooperationen mit anderen Unternehmen.

Einen Trend für eine zunehmende Volatilität der Agrarpreise kann der Wissenschaftler nicht erkennen. Zwar werden die Preise für Agrarprodukte bis zum Jahr 2020 um 20 bis 40 Prozent steigen einschließlich kurzfristiger Einbrüche. Doch könne daraus nicht geschlossen werden, dass die Volatilität weiter zunehmen wird. Diese hänge auch mit dem Standort zusammen. So wurden Landwirte in der EU erst mit Volatilität konfrontiert, nachdem die Marktordnung für Getreide endete. (da)
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