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Große Einheiten im geschlossenen System bringen organisatorische Vorteile

Agrarzeitung Ernährungsdienst 9. April 2009; Von Steffen Bach, Osnabrück

Die Genossenschaft GS agri eG, Schneiderkrug, begleitet die Schweineproduktion in der gesamten Kette von der Zucht über die Ferkelerzeugung bis hin zur Mast. Sie ist an vier Ferkelerzeugungsbetrieben beteiligt, in denen jeweils rund 2.000 Sauen gehalten werden.

Alle neun Wochen geht es auf dem Hof von Hubertus Meyer lebhaft zu. Dann werden innerhalb von 14 Tagen bis zu 1.800 Babyferkel angeliefert und in die Flatdecks eingestallt. Die Tiere bezieht der Landwirt in Bühren im Landkreis Cloppenburg seit über zehn Jahren von der Heide Ferkelerzeugung GmbH, Bühren. Gesellschafter dieses Unternehmens sind neben Meyer drei weitere Landwirte und die Agrargenossenschaft GS agri eG, Schneiderkrug. Vor über zehn Jahren investierten die Partner in eine gemeinsame Sauenanlage mit zunächst 1.500 Tieren. Im Jahr 2004 entstanden zusätzliche Plätze für bis zu 600 Jungsauen. Damit wurde die Herde auf 1.900 produktive Sauen aufgestockt. Von den 170 eigenen Sauen hat sich Meyer 1998 getrennt. Um den eigenen Betrieb zu erweitern, hätte er viel Geld bereitstellen und eine Arbeitskraft beschäftigen müssen, erklärt Meyer im Gespräch mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst (ED). Die tägliche Arbeit in der Ferkelerzeugung wird heute von einem Betriebsleiter und einem Team von drei Mitarbeitern und zwei Auszubildenden erledigt. Meyer kann sich so auf die Bewirtschaftung seines 80-Hektar-Betriebes, die Betreuung von 1.800 Ferkeln und 3.500 Mastschweinen konzentrieren.

Die GS agri ist Mitgesellschafterin in vier Ferkelerzeugungsbetrieben mit insgesamt rund 8.000 Sauen. Durch weitere Beteiligungen an der VZ Visbeker Zuchtschweine GmbH & Co. KG, Visbek, der Genossenschaftlichen Viehvermarktungs GmbH & Co. KG, Garrel, der BMR Schlachthof GmbH, Garrel, sowie der GuB Fleischhandel GmbH, Garrel, ist GS agri in der gesamten Produktionskette von der Genetik bis hin zum zerlegten Teilstück engagiert. Dank der engen Verzahnung könnten genau die Schweine produziert werden, die der Markt fordert, sagt Anton Krömer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der GS agri.

Genetischer Sprung

Die genetische Grundlage für die Integration ist eine Landrasseherde von 3.000 Sauen der VZ Visbeker Zuchtschweine. Seit über 30 Jahren arbeitet das Unternehmen mit der Hülsenberger Zuchtschweine GmbH zusammen, die seit 2004 mit einem französischen Zuchtunternehmen kooperiert. Durch die Verbreiterung des Genpools und das Einkreuzen genetisch weit entfernter Linien könnten niedrig vererbbare Merkmale wie die Fruchtbarkeit und die Nutzungsdauer besser bearbeitet werden, sagt Dr. Gerald Otto, der im Hause GS agri zuständig ist für die Ferkelerzeugung. Seit 2007 habe die Zahl der abgesetzten Ferkel noch einmal deutlich zugenommen, bestätigt Meyer. Im vergangenen Jahr seien bei vierwöchiger Säugezeit pro Sau im Durchschnitt 26,1 Ferkel abgesetzt worden. „Es hat einen genetischen Sprung gegeben“, sagt Meyer. Das aktuelle Leistungsniveau liegt sogar bei 28,1 Ferkeln je Sau und Jahr, ergänzt Otto.

Leistungsvergleiche

Die vier Ferkelbetriebe beziehen ihre Jungsauen von dem Visbeker Zuchtunternehmen. Das Futter liefert GS agri. Eine Praxis übernimmt die tierärztliche Betreuung. Die identischen Voraussetzungen erlauben Leistungsvergleiche der Betriebe. „Wir bekommen regelmäßig Daten, die uns zeigen, wo wir stehen“, sagt Meyer. Mit 860 Gramm täglicher Zunahme und Magerfleischanteilen von 57 Prozent werden in der Mast sehr gute Leistungen erreicht. Die hohen Fleischanteile würden sich bei der Vermarktung positiv auswirken. Die Auszahlungspreise liegen 1,5 bis 2,0 Prozent über dem Durchschnitt. Durch die einheitliche Herkunft und die koordinierte tierärztliche Betreuung seien die Schweine in der Mast pflegeleicht. „Ich weiß, wie gesund ich die Ferkel bekomme und welche Impfungen notwendig sind“, beschreibt Meyer die Vorteile des geschlossenen Systems. Die Ferkel kauft der Landwirt von der Erzeugergemeinschaft zu einem Preis, der sich an den Produktionskosten orientiert. Er habe sich deshalb in den vergangenen Jahren kaum verändert. Zuletzt hätte er die Ferkel auf dem freien Markt zwar günstiger kaufen können, doch langfristig habe sich diese Art der Abrechnung als sinnvoll erwiesen.

Alle profitieren

Die GS agri sieht in den vier Ferkelerzeugergemeinschaften ein Erfolgsmodell. „Wir könnten uns vorstellen, weitere Projekte zu begleiten“, sagt GS-agri-Chef Krömer. Ein weiterer Vorteil der Gesellschaften sei es, dass sie große einheitliche Ferkelpartien liefern können, die die zukunftsorientierten Mastbetriebe nachfragen. Durch die Verzahnung von Ferkelerzeugung und Mast sei das unternehmerische Risiko deutlich kleiner als in einem spezialisierten Sauenbetrieb. Mittel- und langfristig könnte die Zusammenarbeit in der gesamten Kette bei der Vermarktung des Fleisches gezielt beworben werden. „Der Handel fordert die schnelle Rückverfolgbarkeit. Wir können das in unserem Verbund auf einzigartige Weise garantieren“, versichert Krömer. Die GS agri sieht deshalb die Chance, die Produktion in der Kette zu einem Qualitätsfleischprogramm mit regionalem Herkunftsnachweis auszubauen.



GS Agri eG

Die GS agri eG, Schneiderkrug, gehört mit einer Jahresproduktion von 700. 000 t zu den zehn größten Mischfutterherstellern in Deutschland. Weitere Geschäftsfelder sind der der Handel mit Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemitteln, Baustoffen und Energie. In der Schweineproduktion ist die Genossenschaft über zahlreiche Beteiligungen und Tochterunternehmen von der Zucht bis zur Fleischvermarktung engagiert. Die Genossenschaft ist einer der größten Bio-Mischfutterhersteller und vermarktet über eine Tochtergesellschaft Bio-Geflügelfleisch. Die Genossenschaft hat 2.600 Mitglieder.
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