Report Düngemittel

Kräftige Wurzeln spüren Phosphat auf


Die Herbstbehandlungen von Raps laufen bei der Marktfrucht GbR Hoher Hagen im Hessischen auf Hochtouren.
-- , Foto: privat
Die Herbstbehandlungen von Raps laufen bei der Marktfrucht GbR Hoher Hagen im Hessischen auf Hochtouren.

Der Ackerbau zwischen dem Werratal und den Kasseler Bergen hat seine eigenen Gesetze. Die Höhenunterschiede reichen in der Region Hannoversch Münden von 150 bis 300 m. Die Bodenpunkte schwanken von 25 bis 80. Zusammen bewirtschaften die Landwirte in dieser Region 900ha. Mit der vor vielen Jahren erfolgten Flächenarrondierung sind die Schlaggrößen von bis zu 10 und 20 ha eine große Erleichterung. Weizen wird auf rund 400 ha auf verschiedenen Standorten im Umkreis von 35 km angebaut.

Etwa 140 ha sind für den Raps vorgesehen, die Aussaatarbeiten endeten Anfang September.Angesicht der bevorstehenden Neuerungen durch die geplante Düngeverordnung haben sich die Gesellschafter in diesem Herbst viele Gedanken über die Rapsdüngung unter veränderten Vorzeichen gemacht. Vor allem die niedrigen Schwellenwerte, die künftig für Überschüsse von Stickstoff (N) und Phosphat (P) gelten sollen, werden in der Planung stärker berücksichtigt. Da schon seit vielen Jahren der N-Sensor zur teilflächenspezifischen Stickstoffdüngung im Einsatz ist, dürften die zulässigen N-Verluste von 60 kgN/ha nicht das Problem sein, sondern eher die Phosphatüberschüsse von nur noch 10 kgP/ha auf allen Böden. Diese Werte einzuhalten, ist nicht einfach. Zum Dünge-Beraterstab der Marktfurcht GbR Hoher Hager gehört Thomas Müller. Er ist Businessmanager für Zentraleuropa des spanischen Düngerherstellers Tradecorp. Auch er investiert viel Zeit in das Studium der geplanten Düngeverordnung. Für ihn steht fest: Die novellierte Fassung, die voraussichtlich im Herbst 2016 in Kraft tritt, beeinflusst das Düngeverhalten. Künftig komme es bei der Aufnahme der Nährstoffe mehr auf ihre Effizienz und Löslichkeit an.

Höhere N-Effizienz erforderlich

Das ist bei der Blattdüngung der Fall. Sie dürfte künftig eine deutlich größere Rolle spielen, ist Müller überzeugt. Der Nährstoff kommt hier direkt am Blatt an und der Anwender benötigt eine geringere Aufwandmenge im Vergleich zu einem Bodendünger. „Fünf Liter Phosphatdünger über das Blatt verabreicht entsprechen mehr als 30 Kilogramm über die Wurzel“, sagt der Pflanzenbauer. „Das bedeutet, dass Sie bei der Blattdüngung eine um bis zu 20-fache höhere Effizienz gegenüber der Bodendüngung erreichen. Konkret entspricht 1kg Phosphat über das Blatt 20kg Phosphat über den Boden.“

Um das Wurzelwachstum anzuregen, gibt es Blattdünger, die Bodenhilfsstoffe enthalten. Je besser die Wurzelmasse ausgebildet ist, umso mehr lassen sich Nährstoffe aus den tieferen Bodenschichten herauslocken. Dazu muss die Pflanze aber zum Phosphat hin wachsen, das im Vergleich zu anderen Nährstoffen recht unbeweglich ist. Denn Phosphat ist in den tieferen Schichten nur zu zehn Prozent pflanzenverfügbar, der Rest ist gebunden. Nun gilt es, über die Blattdüngung einschließlich Bodenhilfsstoffe, zunächst die Wurzeln in einen stabilen Zustand zu bringen, um die gebundenen Phosphatformen zu knacken. Sie können dann das im Boden gebundene Phosphat erschließen und aufnehmen. Die gefürchteten Überschüsse in den Bodenproben können damit verringert werden. Somit ist eine solche Düngergabe auch im Sinne des Gesetzgebers. Denn in der neuen Düngeverordnung soll künftig der Phosphatüberschuss auf 10 kg Phosphat/ha begrenzt werden.

Schutz gegen Kahlfröste
Die Weichen, wie der Raps durch den Winter kommt, werden bereits nach der Aussaat im Herbst gestellt. Tiefe lange und verzweigte Wurzeln geben hierfür eine gewisse Sicherheit.Phosphat und Mikronährstoffe unterstützen das Wurzelwachstum, deshalb ist eine frühe Gabe so wichtig. In dieser stabilen Verfassung überstehen die Pflanzen die Kahlfröste besser als ohne Phosphatgabe, bestätigen Erfahrungsberichte von Landwirten. Die Marktfrucht GbR Hoher Hagen mit Sitz in Friedland-Deiderode setzt Spezialdünger für Raps und Getreide von Tradecorp zur Düngung ein.

Der spanische Produzent mit Sitz in Madrid baut auf seine langjährigen Erfahrungen im heimischen Obst- und Gemüseanbau. In Lettland, Estland und Litauen ist Tradecorp Marktführer und hat in der Landwirtschaft eine große Akzeptanz.

Geschäftsführer der Marktfrucht GbR sind Jörg Riemenschneider, Henning Bunsenthal, Reinhard von Werder, Christian Ilse, Diana Krull, Detlef Zierenberg und Heiko Schäfer. Sie bewirtschaften 910 ha. Davon sind 90 ha Silomais. Hier ist der Betrieb Lieferant für die Biogasanlage im Energiedorf Jühnde. (da)

Vorratsdüngung rückläufig

Die Blattdüngung mit Phosphat ist im Kommen. Denn bisher wird Phosphat in der Regel mit der Grunddüngung ausgebracht. Doch in dieser Form ist es nicht so schnell pflanzenverfügbar. Denn was nützt der beste Phosphatvorrat im Boden, wenn die Pflanze zu schwach ist, an das Phosphat heranzukommen und zu nutzen, fragt Müller. Künftig werden sich pflanzenverfügbare Phosphatkomponenten durchsetzen, die die Pflanze schnell über das Blatt aufnehmen kann. Eine Vorratsdüngung wird tendenziell zurückgehen.

Seit einigen Jahren setzen die Betriebsleiter der Marktfrucht GbR Hoher Hagen Spezialdünger von Tradecorp ein. Um die Wirkungsweise dieser Blattdünger noch besser zu erforschen, haben sie in diesem Herbst für drei Phosphatdünger von Tradecorp Versuchsflächen von insgesamt 2ha zur Verfügung gestellt. Düngerexperte Müller begleitet die Programme. Die Landwirte sind selbst auf die Ergebnisse gespannt.

Kombination mit Pflanzenschutz

Im ersten Versuchsfeld kommt das Rapspaket von Tradecorp zur Anwendung. Dieses Flüssigdünger-System umfasst die drei Einzelprodukte Humifirst, Router AA und Final K. Das flüssige Konzentrat Humifirst enthält Phosphat mit Humin- und Fulvosäuren. Router AA ist ein organisch-mineralischer NPK-Flüssigdünger mit Aminosäuren und Spurenelementen zur Startgabe in Raps und Final K ist ein spezieller Blattkaliumdünger. Die Ausbringung des Rapspakets erfolgt zusammen mit den Vorauflauf- und Nachauflauf-Herbiziden im Herbst. Müller empfiehlt für jedes Mittel eine Aufwandmenge von 2 Litern.

Der zweite Versuch widmet sich dem Mittel Phostrade, das neben Phosphat und Kali auch die Mikronährstoffe Bor und Molybdän enthält. Das flüssige Produkt kann mit der Pflanzenschutzmaßnahme im Vorauflauf oder frühen Nachauflauf im 4- bis 6-Blattstadium ausgebracht werden. Gerade im Herbst benötigt Raps Phosphat und Mikronährstoffe wie Bor. Alle wasserlöslichen Nährstoffe wirken sofort über das Blatt und sind mit Herbiziden sowie Wachstumsregulatoren kombinierbar. Die dritte Variante ist ein Versuch mit dem Mikronährstoffgranulat Speed Sprint H5. Im Gegensatz zu den beiden vorherigen Flüssigvarianten wird das Granulat mit der Rapssaat gemischt und ausgebracht. Der Startdünger mit 43 Prozent Phosphat und Huminsäure generiert eine bessere Keimbildung und einen schnelleren Feldaufgang.

Müller besucht regelmäßig die Flächen und wertet die Aufzeichnungen mit dem Tradecorp-Forschungsteam aus. Für die nächste Zeit plant er Besichtigungen mit interessierten Landwirten, um ihnen die Wirkungsweise der verschiedenen Phosphatdünger in Raps zu demonstrieren. Sicher sei es für Landwirte eine Umstellung, einzelne Produkte selbst zu mischen. Doch zerstreut Müller diese Bedenken und verweist auf den Obst- und Gemüsebau, wo das Selbermischen eine lange Tradition hat. In der Landwirtschaft muss ein Umdenken erfolgen, Düngemittel abgestimmt auf die Pflanzenbedürfnisse einzusetzen. (da)
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