Internet-Betrug

Krebserregende Biokohle im Umlauf

Saarlands Umweltminister Reinhold Jost warnt vor dem Kauf von Pflanzenkohle aus Nordrhein-Westfalen. Im Saarland hatten Interessenten dieses Produkt über das Internet erworben.
Biokohle, hier eine Mikoskopaufnahme, kommt unter anderem zur Bodenverbesserung zum Einsatz
-- , Foto: Uni Halle
Biokohle, hier eine Mikoskopaufnahme, kommt unter anderem zur Bodenverbesserung zum Einsatz
 Die Käufer wurden von Mitarbeitern des Landesamtes für Umwelt- und Arbeitsschutz (LUA) bereits aufgesucht, die die Ware sichergestellen konnten.

Inzwischen ist die Quelle identifiziert. Es handelt sich um eine Biokraftstoffanlage aus Warburg in Nordrhein-Westfalen. Die Bezirksregierung in Detmold bestätigt dies gegenüber agrarzeitung.de. Die Kohle „sei nicht ganz unproblematisch“, heißt es. Erste Analysen im Rahmen der Düngemittelüberwachung ergaben, dass die Ware als krebserregend einzustufen ist. 

Bessere Böden
Pflanzenkohle ist in einigen Ländern (u.a. Österreich, Schweiz) in der Landwirtschaft als Bodenverbesserer und Trägerstoff für Düngemittel sowie als Hilfsstoff für die Kompostierung und Nährstofffixierung von Gülle zugelassen. Sie wird durch Pyrolyse von organischem Material unter Sauerstoffmangel gebildet. 

Bio- oder Pflanzenkohle wird auch als Futtermittelzusatz und Nahrungsergänzungsmittel verwendet. In den vergangenen Jahren wurde die Herstellung von Pflanzenkohle intensiviert. Ihr wird unter anderem ein großes Potential als Mittel zur Kompensation der Kohlendioxid-Emissionen zugeschrieben. (kbo)

Es wurde unverzüglich ein Verkaufsstopp der vermeintlichen „Pflanzenkohle“ veranlasst. Angeblich soll es sich um rund 140 t Material handeln, von dem bereits 130 t verkauft worden sind. 


Die Internetseite pflanzenkohle.de, über die das Produkt unter anderem vermarktet wurde, ist inzwischen abgestellt. Aus informierten Kreisen ist zu hören, dass der beschuldigte Unternehmer anwaltlich gegen das Land Nordrhein-Westfalen wegen der Verbreitung unwahrer Behauptungen vorgeht.

Derweil ist das saarländische Umweltministerium um Entspannung bemüht. Es handele sich um einen Einzelfall. Grundsätzlich bestehe kein Risiko beim Einsatz von Pflanzenkohle im Garten oder in der Landwirtschaft, gibt der Umweltminister Entwarnung. (kbo)
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