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"Wir hätten uns von Bundesminister Horst Seehofer mehr Realismus gewünscht und die Einsicht dass Deutschland nicht nur aus Bayern besteht", kommentiert Ulrich Goullon vom Bauernverband Schleswig-Holstein den Milchgipfel vom vergangenen Dienstag in Berlin. Während viele kleine Landwirte in Süddeutschland für eine Begrenzung der Milchmenge sind, wollen die größeren Betriebe im Norden eher mehr als weniger Milch erzeugen. Teile von Seehofers Papier seien daher kontraproduktiv. Waldemar Westermayer vom Bauernverband Allgäu-Oberschwaben beklagt, dass Seehofer lediglich angekündigt habe, etwas prüfen zu wollen. Auch herrsche in der deutschen Landwirtschaft keine einheitliche Auffassung beim Thema Saldierung und Umrechnungsfaktor. Der Vizepräsident des Rheinischen Landwirtschaftsverbandes (RLV), Wilhelm Neu, wird mit den Worten zitiert: "Viel konkretes ist beim Milchgipfel tatsächlich nicht herausgekommen."

"Horst Seehofer habe die Milch zur Chefsache gemacht, da es ihm vor allem um die Beruhigung der Bauern vor der bayerischen Landtagswahl geht", erklärte ein CSU-Landtagsabgeordneter auf Anfrage von ernährungsdienst.de. Nach der Wahl würden die Töne wieder realistischer. Prof. Hannes Weindlmaier vom Zentralinstitut für Ernährung und Lebensmittelforschung an der TU München, erwartete von Anfang an nicht viel von dem Gipfeltreffen. Während hierzulande noch darüber gestritten wird, ob die Bauern 10 Cent mehr pro Liter erhalten sollen, stünden ausländische Konzerne längst bereit , stärker auf dem deutschen Markt mitzumischen, betont Weindlmaier. (HH)

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