Die Schmackhaftigkeit von Gras hängt mit dem Kohlenhydratgehalt zusammen.
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Die Schmackhaftigkeit von Gras hängt mit dem Kohlenhydratgehalt zusammen.

Besonders in Regionen mit knapper Grünlandfläche und steigenden Flächenkosten sollte das Grünland intensiv geführt werden. Allerdings ist nicht nur der Ertrag entscheidend. Der gesamte Nährwert von Gras muss berücksichtigt werden. Dieser setzt sich aus mehreren Faktoren zusammen:

Die Verdaulichkeit hängt vom Wachstumsstadium und dem Nährstoffgehalt des Grases ab – der Aufwuchs von jungen und blattreichen Wiesen ist besser verdaulich und hat höhere Nährwerte als ältere Bestände mit hohem Rohfasergehalt.

Der Proteingehalt hängt vom Wachstumsstadium des Grases ab. Der Gehalt steigt zu Beginn des Frühjahrs an. Die Proteinbildung hängt von der Fähigkeit der Pflanzen ab, Stickstoff aus dem Boden aufzunehmen – sie kann daher durch die Stickstoffversorgung beeinflusst werden. Aber auch der Kalium- und Schwefelgehalt sowie der pH-Wert des Bodens spielen dabei eine Rolle.

Der Trockenmasse-Gehalt kann stark variieren und ist schwer zu kontrollieren. Eine geringe Trockenmasse ist häufig die Folge von feuchtem Wetter und schlechten Wachstumsbedingungen. Dies verringert die Qualität und führt zu einer geringeren täglichen Futteraufnahme. Ein zu hoher (über 40 Prozent) oder zu geringer (unter 30 Prozent) Trockenmasse-Anteil in der Silage verringert ebenfalls die Qualität.

Die Schmackhaftigkeit hängt vom Gehalt an Kohlenhydraten (Zucker) ab und beeinflusst die Futteraufnahme. Ein Mindestmaß von 37 Gramm an löslichen Kohlenhydraten je Kilogramm Trockenmasse wird zudem bei der Gärung benötigt, um eine gute Silage-Qualität zu erzielen.

Tiergesundheit und Spurennährstoffe sollten außerdem berücksichtigt werden. Weidetiere benötigen dabei andere Spurenelemente als die Gräser selbst, etwa Selen.

Eine Nitratkonzentration von 0,1 Prozent im Schnittgut stabilisiert die Milchsäuregärung und unterdrückt die störende Buttersäurebildung. Dadurch verbessert sich auch die Silage-Qualität.

Anorganische Kontamination durch Boden, Mist und Staub wirkt sich negativ auf die Verdauung der Tiere und die Silogärung aus. Anorganische Bestandteile sollten weniger als 10 Prozent der Trockenmasse ausmachen.

Natrium erhöht die Schmackhaftigkeit von Gras und die Futteraufnahme sowie die Magnesiumaufnahme der Tiere.

Eine ausgewogene Verfügbarkeit von Nährstoffen sorgt dafür, dass die Tiere gesund bleiben, und ist daher im Grünland besonders wichtig.

Der zu erwartende Ertrag der Grünlandfläche und der Proteingehalt bestimmen den Stickstoffbedarf (siehe Übersicht 1). Daraus können die Nährstoffentzüge berechnet und der Düngebedarf abgeleitet werden. Je höher der angestrebte Rohproteingehalt, desto mehr Stickstoff muss zugeführt werden. Neben Stickstoff und Phosphor, Kalium und Magnesium spielt auch Schwefel eine wichtige Rolle in der Grünlanddüngung.

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Zwei Nährstoffe – ein Produkt

Schwefel dient in erster Linie zur Bildung von Proteinen und ist damit vor allem für die Qualität des Grünlandaufwuchses wichtig. Trotzdem beeinflusst Schwefel auch die Ertragsbildung, da Stickstoff bei Schwefelmangel nicht mehr vollständig im pflanzlichen Stoffwechsel verwertet werden kann. Der jährliche Schwefelbedarf liegt je nach Nutzung bei rund 20 bis 40 kg/ha (siehe Übersicht 2). Der Schwefel in Wirtschaftsdüngern ist organisch gebunden und wird erst bei höheren Temperaturen mineralisiert. Damit steht speziell für die ertragreichen ersten Aufwüchse aus Wirtschaftsdüngern noch nicht genügend Schwefel zur Verfügung. Die Schwefelversorgung sollte daher über eine mineralische Düngung sichergestellt werden. Stickstoff und Schwefel werden von den Pflanzen gleichzeitig aufgenommen und ergänzen sich in ihrer Wirkung. Daher ist die gleichzeitige Düngung beider Nährstoffe – möglichst in einem Produkt – die einfachste Lösung. In Versuchen erhöhte eine Schwefeldüngung den Ertrag je Hektar deutlich. Besonders vorteilhaft war die Aufteilung des Schwefels auf mehrere Gaben.

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Mastitis-Risiko steigt

Auf vielen Grünlandstandorten in Deutschland herrscht Selenmangel. Eine landesweite Untersuchung von 83 Grünlandaufwüchsen zeigte, dass bis auf eine Probe alle die für Fleischrinder geforderte Selenkonzentration von 100 Mikrogramm/kg Futter-Trockenmasse unterschritten. Für Milchkühe wird sogar ein Mindestgehalt von 200 Mikrogramm/kg empfohlen. Selenmangel hat bei Rindern dramatische Folgen. Muskelerkrankungen, Kalbeprobleme, Wachstums- und Fruchtbarkeitsstörungen sowie erhöhtes Risiko einer Mastitis-Erkrankung sind oftmals die negativen Konsequenzen.

Durch den Einsatz eines selenhaltigen Grünlanddüngers wie zum Beispiel YaraBela Weide-Sulfan mit 10 ppm kann der Selenbedarf von Rindern und anderen Weidetieren sinnvoll ergänzt werden. Vor allem dann, wenn eine Zufütterung mit selenhaltigem Mineralfutter im Stall nicht oder nur eingeschränkt möglich ist. Auch Lecksteine gewährleisten nicht immer, dass alle Tiere entsprechend ihrer Leistung mit Selen versorgt werden. Dieses Angebot wird oftmals nicht regelmäßig von allen Rindern genutzt. Wichtig ist auch die Selen-Form. Beispielsweise wird gedüngtes Natrium-Selenat von den Pflanzen in die organische Substanz eingebaut und ist somit viel besser für die Tiere verfügbar als anorganisches Selen.

Sarah Lütke Börding,
Yara GmbH & Co. KG, Dülmen
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