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Bestellung zur Ernte 2008: Kalkulation auf hohem Preisniveau

Agrarzeitung Ernährungsdienst 28. Juli 2007; Von Dagmar Behme, Frankfurt a.M.

Zur bevorstehenden Aussaat steht die gesamte Fruchtfolge auf dem Prüfstand. Völlig neue Preisrelationen zwischen den Ackerkulturen, der Wegfall der Flächenstilllegung zur Ernte 2008 und grundlegende Fruchtfolgeerwägungen treffen aufeinander. Einige Kulturarten sind besonders betroffen.

Bei der Wahl der Kulturen zur Ernte 2008 haben Landwirte weitgehende Freiheit. Ohne Flächenstilllegungsverpflichtung entfallen Nonfood-Verträge, die in den zurückliegenden Jahren nur für eine begrenzte Zahl von Kulturen zur Verfügung standen. Außerdem kann angesichts der hohen Preise neu kalkuliert werden, ob bisher brachliegende Flächen nicht doch interessante Deckungsbeiträge bieten.

Winterweizen: Verschiebungen im Sortenspektrum

Winterweizen ist wahrscheinlich die Kultur, die zur Ernte 2008 den geringsten Veränderungen ausgesetzt sein wird. Die Anbaufläche hat sich in den vergangenen Jahren in einer Größenordnung von 3 Mio. ha eingependelt. Das entspricht etwa einem Viertel der deutschen Ackerfläche. Verschiebungen wird es wohl im Sortenspektrum geben. Der Trend zu A-Sorten ist ungebrochen, wie bereits die Vermehrungsflächen und der Zuchtfortschritt in den Qualitätsgruppen zeigen. Hinzu kommt sicherlich regional eine Orientierung an stärkereichen Sorten für die Ethanolfabriken. Insgesamt wird Winterweizen jedoch seine Bedeutung behalten und etwa die Fläche einnehmen wie bisher.

Wintergerste attraktiver

Wintergerste ist die zweitwichtigste Getreideart auf deutschen Äckern. Für den Anbau sprechen zahlreiche Gründe. Die Preisrelation zu Weizen ist attraktiv, die Intervention ist schon lange kein Thema mehr. Als frühräumende Kultur erlaubt sie Flexibilität in der Fruchtfolge. Die massiven Virusprobleme in diesem Jahr dürften in ihrer Größenordnung eine Ausnahmeerscheinung gewesen sein, denn ein solch milder Winter muss sich nicht automatisch wiederholen, Klimawandel hin oder her. Deswegen wird die Wintergerste tendenziell ihre Anbaubedeutung vorerst behalten und vielleicht sogar leicht ausbauen können.

Auftrieb für Roggen und Triticale

Unter den weiteren Wintergetreidearten könnten Roggen und Triticale Flächen gewinnen. Auftrieb erhalten sie als geeignete Getreideart für Bioethanolanlagen, regional auch als Ganzpflanzensilage für Biogas. Als Futtergetreide lassen sie sich ohnehin problemlos vermarkten. Und Brotroggen könnte angesichts der qualitativ nicht sehr erfreulichen Ernte 2007 auch im kommenden Jahr eine gefragte Getreideart sein, freilich in der auf die Mühlenverwendung begrenzten Menge von etwa 800.000 t.

Winterraps zwischen Stop and Go

Spannend wird die Frage nach der künftigen Anbaufläche von Winterraps. Mit bundesweit 1,5 Mio. ha hat er bereits eine hohe Anbaufläche erreicht. Eine weitere Ausdehnung stößt in den Ackerbauregionen zuweilen an Fruchtfolgegrenzen. In Veredelungsregionen könnten Landwirte dagegen ohne Flächenstilllegungsverpflichtung auf andere Kulturen als den ackerbaulich anspruchsvollen Raps ausweichen. Andererseits hat Raps unbestrittene Fruchtfolgevorteile und das Preisniveau ist zurzeit höchst attraktiv. Ein weiterer Vorteil ist, dass sich die hohen Rapspreise über Vorverkäufe problemlos schon jetzt zur Ernte 2008 sichern lassen.

Maisanbau große Unbekannte

Unter den Sommerkulturen ist der künftige Maisanbau eine große Unbekannte. Körnermais hat sich auf die süddeutschen Gunstlagen konzentriert, eine Ausdehnung ist unwahrscheinlich. Unkalkulierbar ist dagegen der Silomais, der zunehmend für Biogasanlagen verwendet wird. Die zahlreichen neuen Anlagen ziehen Masse an. Ob jedoch alle „Betonkühe“ angesichts der hohen Rohstoffpreise die nächsten Monate wirtschaftlich überstehen, steht in den Sternen. Hinzu kommt, dass Änderungen im Erneuerbare-Energien-Gesetz anstehen, die möglicherweise die eine oder andere Kalkulation in Frage stellen. Grundsätzlich könnte angesichts der Markt- und Preisentwicklung für Nahrungsmittel die Euphorie für Bioenergie nachlassen. Bis ins Jahr 2008 wird sie aber wohl noch tragen, jedoch mit heftigen Kostenbelastungen für die Anlagenbetreiber.

Sommergerste auf der Sonnenseite

Sommergerste könnte eine der großen Gewinnerinnen der aktuellen Marktlage werden. In Regionen mit Zuckerrüben- oder Kartoffelanbau wird mancher Landwirt froh sein, auf den zuletzt stillgelegten Flächen eine Alternative zum Nonfood-Anbau von Raps oder Biogasmais zu haben. Angesichts der aktuellen Braugerstenpreise, die sich bei entsprechendem Zugang zu Vermarktern in Vorverträgen zur Ernte 2008 sichern lassen, könnte die Kultur lukrativer denn je werden.
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