Report Düngemittel

Kursverlauf bestimmt den Einkauf


Markus Bamberger schaut sich seine Bestände genau an und ermittelt anschließend den Nährstoffbedarf.
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Markus Bamberger schaut sich seine Bestände genau an und ermittelt anschließend den Nährstoffbedarf.

Bereits Anfang Januar dieses Jahres hat Markus Bamberger für 2017 seinen kompletten Bedarf an Harnstoff gedeckt. Das Preisniveau hat ihn überzeugt. Natürlich registriert er, dass die Kurse in der Zwischenzeit noch einmal nachgegeben haben. „Den niedrigsten Preis bekommt man nie“, ist er überzeugt. Aber mit 0,55 €/kg Stickstoff ist er hochzufrieden.

Den Harnstoff für die Ausbringung in diesem Jahr hat er im Oktober vergangenen Jahres gekauft. Da musste er noch 0,68 bis 0,70 €/kg N investieren. Ob er Kalkammonsalpeter (KAS) oder Harnstoff einsetzt, darauf legt sich der Steinhardter erst fest, wenn er den Preis für den Dünger kennt – und entscheidet jedes Jahr neu. Die Bedingungen müssen in die Betriebskosten passen. Wenn der Preis in Ordnung ist, kauft er einmal im Jahr ein. Ein kontinuierliches Beobachten der Kurse ist dafür unabdingbar. Je nach Verkäufer lagert er die Ware selber ein oder lässt sie lagern.

Ordern nach der Ernte

Schwefelhaltige Dünger deckt er meistens nach der Ernte ein. „Dann sind diese Produkte in der Regel am günstigsten, weil der Bedarf nicht vorhanden ist“, so seine Erfahrung. Ammoniumnitrat-Harnstoff-Lösung (AHL) ordert er ebenfalls – je nachdem, wie der Preis ausfällt. An einen festen Partner ist der Landwirtschaftsmeister bei seinen Geschäften nicht gebunden. Das bessere Angebot wird akzeptiert. Die Kosten für seinen Betrieb hat der 53-Jährige fest im Griff. „Ich strebe nicht nach dem höchsten Gewinn. Der Betrieb muss abgesichert sein und rentabel arbeiten“, so sein Credo.

So hat er auch bereits Weizen der kommenden Ernte für 160 bis 170 €/t frei Erfassungslager ex Ernte vorverkauft. Sommergerste aus der Ernte 2017 ist ebenfalls seit 2015 für 200 €/t im Oktober ab Hof vorverkauft. „Wichtig ist es, die Liquidität des Betriebs zu sichern“, so der vorausschauende Landwirt. Dazu kennt er seine Kosten ganz genau. „Nur so weiß ich, wann ich Getreide verkaufen und Dünger kaufen sollte“, ist er überzeugt. Das komplette Getreide aus 2015 hat er allerdings noch nicht vermarktet. 25 Prozent müssen noch untergebracht werden. Überlagern will er die Ware aber nicht.

Seine Bestände und den Düngermarkt schaut er sich in jedem Jahr neu an und entscheidet nach den aktuellen Verhältnissen. Sein Winterweizen bekommt in diesem Frühjahr je nach Höhe des Nmin-Werts eine Grunddüngung mit Harnstoff, eventuell bereits mit Ammonium-Schwefel-Sulfat (ASS) kombiniert. Die 2. Gabe Stickstoff fällt auf KAS oder AHL, abhängig vom Preis. Etwa 70 kg Stickstoff/ha bringt er im Zwei-knotenstadium der Pflanzen aus. Bisher war KAS in dieser Saison für den spitz rechnenden Landwirtschaftsmeister zu teuer. „Fallende Energiepreise und die niedrigen Getreidekurse finden sich im Moment in den KAS-Preisen nicht wieder“, moniert er.

Die 3. Gabe teilt er in „3a“ mit 60 kg N und „3b“ mit 30 kg N auf. Mitte Februar muss die Entscheidung für den entsprechenden Dünger noch fallen. „Voraussichtlich wird es doch KAS. Ich gehe davon aus, dass die Preise für diesen schnell wirkenden Dünger noch nachgeben werden“, ist er überzeugt.


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AHL kombiniert mit Insektiziden

Die Rapsbestände des Rheinland-Pfälzers werden in diesem Jahr Anfang März zunächst mit einer 90-kg-Gabe Stickstoff in Form von Harnstoff versorgt. Dann folgt der Rest des Bedarfs in flüssiger Form: Zweimal 25 kg N mit Ammoniumnitrat-Schwefel-Lösung (ASL) mit 8 Prozent N und 9 Prozent S und AHL. Zur Bekämpfung von Stängelrüssler und Rapsglanzkäfer kombiniert Bamberger diese Gabe auch gern mit Herbiziden und spritzt die Mischung vor der Blüte. 20 kg N folgen dann noch in der Blüte. „Gute Erträge sind das Ergebnis“, ist er zufrieden. Im vergangenen Jahr hat er auf seinen sehr unterschiedlichen Böden Erträge zwischen 3 und 6 t/ha eingefahren. Die höheren Erträge stammen allerdings von den 90er Böden.

So gibt es keine Einheitslösung für die Düngerstrategie in Steinhardt. Jede Fläche wird aufgrund der unterschiedlichen Bodenqualitäten speziell befahren. Sie reichen von Sand über Lehm bis zu Ton – 20 bis 90 Bodenpunkte mit wenigen Niederschlägen. 530 mm fallen im Schnitt in der Nähe von Bad Sobernheim. Eine weitere Herausforderung stellt die Flächengröße dar. Der Durchschnitt im Betrieb liegt bei 2 ha – eine spezielle Aufgabe in klein strukturierten Gebieten.

Kaligabe für Sommergerste

Für die Versorgung der Böden und der Pflanzen mit Kali wendet der experimentierfreudige Landwirt die „Schaukeldüngung“ an: Pro Fruchtfolge gibt es eine Grunddüngergabe. Kornkali kommt zusätzlich im Mai in die Sommergerste. Hier sind arbeitswirtschaftliche Gründe ausschlaggebend: Jetzt hat Bamberger Zeit. Die Sommerfrucht benötigt den Kali nicht – er wird für den nachfolgenden Raps „aufgehoben“. Raps benötigt mehr von diesem Mineral. Die Ölfrucht lagert den Kalidünger im Stroh ein. Das bleibt zum Verrotten und Einarbeiten nach der Ernte liegen und steht dann für den Winterweizen zur Verfügung. So reicht eine Düngung für zwei Nachfolgekulturen. (dg)
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