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Gärrückstände aus Biogasanlagen ersetzen teilweise Düngemittel

Agrarzeitung Ernährungsdienst 25. Januar 2008; Von Daphne Huber-Wagner, Frankfurt a.M.

Die Zahl der Biogasanlagen in Deutschland erreicht mit mehr als 3.700 einen neuen Höchststand. Das führt dazu, dass die Produktion von Gärresten, die als Dünger eingesetzt werden können, steigt. Die Abnahme von Gärresten aus der Produktion von Biogas versuchen Anlagenbetreiber durch längerfristige Abnahmeverträge mit den Landwirten sicherzustellen. In den meisten Fällen erfolgt die Abgabe von Gärrückständen kostenfrei.

Gesicherte Rücknahme

Auf Grund der steigenden Rohstoffkosten zum einen für Mais oder für andere nachwachsende Rohstoffe zur Biogaserzeugung und andererseits für Düngemittel können verschiedene Berechnungen für einen wirtschaftlichen Einsatz von Gärresten als Dünger herangezogen werden. Ulrich Keymer, Institut für Agrarökonomie in München, erkennt Einsparungen, wenn der Rohstofflieferant die Gärreste zurücknimmt und als Dünger einsetzt. „Ob es sich rechnet, mit Gärrest zu düngen, hängt vom Düngerwert des Gärrestes und dem Ausbringungsverfahren ab“, erklärt Keymer im Gespräch mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst (ED). „Bei weniger schlagkräftigen kontinuierlichen Verfahren kann es sich schon nicht mehr lohnen, wenn 10 bis 15 Kilometer zum Feld transportiert werden müssen.“ Schlagkräftige Verfahren lassen deutlich weitere Transportentfernungen zu. Bei kurzen Wegen können Düngerkosten von bis zu 4 €/m³ Gärrest eingespart werden.

Enges Zeitfenster

Da sich die Düngung landwirtschaftlicher Kulturen in einem engen Zeitfenster im Frühjahr und im Herbst abspielt, rät Keymer den Biogasbetreibern zu großen Lagerkapazitäten. Die üblicherweise angesetzte Lagerkapazität für 180 Tage reicht nicht immer aus. Da die Ausbringung der Dünger sehr von der Witterung abhängt, hält Keymer eine Aufbewahrungszeit von mehr als 200 Tagen für besser.

Infokasten: Nährstoffgrenzen einhalten

Die Düngung mit Gärresten aus Biogasanlagen muss den Vorschriften der Düngeverordnung entsprechen, da mit ihnen meistens wesentliche Nährstoffmengen (mehr als 50 kg/ha Stickstoff oder 30 kg Phosphat/ha) ausgebracht werden. Dazu zählen unter anderem die Berücksichtigung des Bodenzustandes wie wassergesättigt, gefroren oder schneebedeckt, die Abstandsregelungen von oberirdischen Gewässern und die Einhaltung der Sperrfristen. Die Obergrenze für Stickstoff aus Wirtschaftsdüngern tierischer Herkunft von 170 kg/ha/Jahr gilt nur für den Anteil an tierischen Wirtschaftsdüngern im Gärrest, nicht für den Anteil an pflanzlichem Stickstoff. Die Gärreste müssen auch bei der Erstellung des Nährstoffvergleichs berücksichtigt werden. Dazu sind substratspezifische Untersuchungen auf Gesamtstickstoff, Ammoniumstickstoff und Phosphat notwendig. Die von der Düngeverordnung vorgegebenen Grenzen für den Bilanzüberschuss bei Phosphat und Stickstoff sind auch beim Einsatz von Gärresten einzuhalten.

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