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Dänische Braugerstensorten europaweit erfolgreich – Straffe Strukturen notwendig

Agrarzeitung Ernährungsdienst 4. November 2006; Von Dagmar Hofnagel, Bad Kreuznach

Die Wege sind kurz zwischen Züchter und Verarbeiter in Dänemark. Das erleichtert die Einführung neuer Sorten. Diese Erfahrung hat jedenfalls Kurt Hjortsholm, Geschäftsführer der Sejet Planteforaedling im jütländischen Sejet, mit seinen beiden Braugerstensorten Sebastian und Power gemacht.

Das Unternehmen Sejet gehört zu 75 Prozent zur Dansk Landbrugs Grovvareselskab B. a. m. b. a. (DLG) – der größten landwirtschaftlichen Genossenschaft – und zu 25 Prozent zu Carlsberg, einem der größten Brauereikonzerne Europas. Das erleichtert Innovationen bei der Sorteneinführung. Hinzu kommt, dass es eine wirkliche Konkurrenz in Sachen Braugerstenzüchtung in Dänemark derzeit nicht gibt. Dennoch müssen sich die Sorten auch auf dem internationalen Parkett bewähren. Hilfreich für die rasche Entscheidung für die Einführung einer neuen Sorte ist aber auch die Vorgehensweise bei den Prüfungen. Während in Deutschland drei Jahre für die Wertprüfung angesetzt sind, bis eine Sorte zugelassen wird, sind es in Dänemark nur zwei Jahre. Bereits im zweiten Jahr wird parallel zu diesen Untersuchungen auf fünf Standorten mit den Landessortenversuchen begonnen. In Deutschland beginnen die Prüfungen auf Länderebene erst nach Abschluss der Wertprüfung. Abhängig von den Bundesländern wird in Deutschland dann erst bestimmt, welche Sorten weiter geprüft werden sollen. „In der Regel haben wir einen sehr engen Kontakt zur Industrie, um zu erfahren, welche Qualitäten sie für ihre Produktion benötigen. Die Transparenz ist sehr groß. Vor allem müssen wir wissen, was die ausländischen Konsumenten benötigen. Dänemark ist zu klein, als dass wir von der Produktion hier allein leben können“, so der promovierte Pflanzenzüchter.

Um erfolgreich sein zu können, kooperiert er auch mit anderen Unternehmen. „Wir sind die Züchter, das Verkaufen unserer Sorten können andere besser“, so seine Maxime. In Dänemark werden seine Sorten von der DLG vertrieben. In anderen Ländern kooperiert er mit Züchterhäusern, die seine Sorten verkaufen. Für Sebastian und Power ist in Deutschland die bayerische IG-Pflanzenzucht zuständig. Darüber hinaus sind diese Sorten im Anbau in Schweden, Tschechien, Frankreich, Irland, Polen, Russland und Griechenland zu finden. Dort werden sie auch vermehrt. Die Sorte Christina – auch aus Sejet – vermarktet die schwedische Svalöf Weibull (SW) Seed.

30 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sind in dem jütländischen Zuchtunternehmen beschäftigt. Auf 180 ha können die Versuche durchgeführt werden. Die Arbeiten leitet Birger Eriksen. Er ist seit 1988 bei Sejet beschäftigt. Auch bei der reinen Züchtungsarbeit wird aufs Tempo gedrückt. Während der Wintermonate in Europa beispielsweise arbeitet er in Neuseeland mit den Sorten weiter, um keine Zeit zu verlieren und die Sommersorten weiter prüfen zu können. Dies ist bei Wettbewerbern allerdings auch üblich.

Ertrag steht im Vordergrund

Darüber hinaus prüfen die Dänen ihre Sorten nicht wie in Deutschland auf verschiedenen Standorten, um ihr Potenzial unter unterschiedlichen natürlichen Bedingungen zu testen. Sie wählen den besten Standort und wollen auf diesem Weg das höchste Ertragspotenzial erfahren. „Der höchste Ertrag für die Landwirte und der größte Extrakt für die Mälzer sind die wichtigsten Parameter einer guten Sorte“, so die Überzeugung des Züchters. In dem jütländischen Unternehmen wurde in den vergangenen Jahren auch viel investiert – vor allem in eine Kleinmälzungsanlage.

Bisher lag der Schwerpunkt der erfolgreicheren Züchtungen bei Sejet eher bei den Wintergerstensorten. Gerste generell wird in Dänemark auf einem knappen Viertel der Fläche von etwa 2,7 Mio. ha angebaut. Davon waren es 2006 knapp 520.000 ha Sommer- und 158.000 ha Wintergerste. Schließlich müssen 24 Mio. Schweine im Land gefüttert werden. Dies geschieht sowohl mit Sommer- wie Wintergerstensorten. 73 Prozent der Getreideproduktion in Dänemark gelangen in die Futterherstellung. Lediglich 27 Prozent der Herstellung produzieren die Landwirte für den Ernährungssektor. Rund 1,1 Mio. t Sommergerste für die Malzproduktion werden jährlich in Dänemark produziert. Die eigene Malzindustrie benötigt davon lediglich 300.000 t. Der Rest wird exportiert.

Kurzer Weg zur Mälzerei

So stringent und überschaubar wie die Züchtungsarbeit sind auch die Strukturen von der Züchtung einer Sorte bis zur Verarbeitung. Die größte Mälzerei im Land, Danish Malting Group (DMG), gehört zu 100 Prozent zu Carlsberg. So haben Informationen bereits aus diesem Grund kurze Wege. Auch der Umgang mit der Braugerste innerhalb der einzelnen Unternehmen ist klar vorgegeben. Die DLG beispielsweise akzeptiert Braugerste nur aus zertifiziertem Saatgut. Anderenfalls hat der Landwirt nachzuweisen, welche Sorte er geliefert hat. So hat der Saatgutwechsel in Dänemark einen weit höheren Stellenwert als in Deutschland. In unserem Nachbarland liegt er bei 90 Prozent, in Deutschland bei lediglich 45 Prozent. In der Mälzerei werden darüber hinaus nur sortenreine Partien einer gewissen Größe akzeptiert. Sie dürfen auch nur über den Handel geliefert werden. Nur mit schlanken Strukturen und der Konzentration auf die eigentliche Aufgabe ist die Zukunft zu gestalten – lautet die Auffassung aller Beteiligten an dieser dänischen Produktionskette.
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