Internationale bayerische Warenbörse

Kurzfristig keine Trendwende

Von einer bevorstehenden Trendwende an den Ölsaaten- und Getreidemärkten war bei den rund 500 Besuchern der 23. Internationalen Bayerischen Warenbörse in München nichts zu hören oder zu spüren. Vielmehr sehen etliche Agrarhändler aufgrund der guten Getreideernte in der EU sowie den relativ reichlichen Überhängen aus dem Vorjahr kurzfristig bei den Notierungen nur wenig Luft nach oben.

Einzelne Börsenbesucher kritisierten das Wirtschafsembargo gegen Russsland. Die Landwirtschaft werde davon besonders betroffen, so der Tenor. Die Vertreter der Verabreitungsindustrie versicherten überwiegend eine komfortable  Rohstoffversorgung für die kommende Wochen und teilweise auch Monaten. Ob die niedrigeren Maiserträge hierzulande tatsächlich zu höheren Erlöse führen, müsse abgewartet werden. Zunächst wird erst einmal ein gewisser Erntedruck erwartet, trotz schwächerer Erträge. Dannach seien allerdings gewisse Aufschläge durchaus möglich.

Speziell beim Weizen wurden dagegen weitere leichte Notizverluste nicht ganz ausgeschlossen. Dazu tragen auch die Prognosen für die weltweite Weizenernte bei. Sie liegen mittlerweile bei 727 Mio. t; im Vorjahr wurden 720 Mio. t Weizen weltweit geerntet. In der EU, insbesondere im Baltikum aber auch in der Schwarzmeerregion haben die schwächeren Preise zu vergleichsweise geringen Umsätzen geführt. Nach Ansicht von Börsenteilnehmern wird in diesem Jahr der EU-Export in Drittländer deutlich niedriger ausfallen als im Vorjahr.

Aus Wettbewerbsgründen dürfte vor allem Deutschland deutliche Einbußen bei diesem Geschäft hinnehmen, hieß es. Auffallend war, dass im Vergleich zu früheren Jahren, diesmal weniger Handelspartner aus Italien auf der Börse in München vertreten waren. Als Begründung hieß es, dass Italien für deutsche Verkäufer ein sehr schwieriger Markt geworden sein. Als größtes Problem werden dabei Liquiditätsschwierigkeiten italienischer Handels- und Verarbeitungsunternehmen genannt. Andererseits wären ohnehin Getreideanbieter aus Ungarn und Rumänien sowie teilweise auch Österreich, wettbewerbsfähiger. (HH)
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