Report Zukunftsperspektive Tierhaltung

LEH wetteifert um Tierschutz

Zurzeit dürfen Mastschweine noch gentechnisch verändertes Sojaschrot fressen.
-- , Foto: Karin Wobig/pixelio.de
Zurzeit dürfen Mastschweine noch gentechnisch verändertes Sojaschrot fressen.

Jüngst erregte ein Milchforderungskatalog der Edeka-Gruppe Aufsehen in der Branche. Denn einige Vorstellungen des Lebensmitteleinzelhandels können viele Praktiker kaum umsetzen. Umso stärker würden diese einen Strukturwandel beschleunigen. Auch in der Schweinebranche wird vermutet, dass demnächst mit einem Forderungskatalog vonseiten des Lebensmitteleinzelhandels zu rechnen ist. Erste Schritte wurden bereits gemacht: Aldi kündigte an, ab 2017 Fleisch von kastrierten Schweinen ganz aus dem Sortiment zu nehmen. Auch die Rewe-Gruppe will bei ihren Eigenmarken kein Frischfleisch mehr verkaufen, das von betäubungslos kastrierten Schweinen stammt. Für den Handel ist Tierschutz ein Wettbewerbsfaktor.

Für den Praktiker hingegen passen Ebermast und Tierschutz nicht so recht zusammen. Er muss aggressivere Tiere halten, folglich haben diese mehr Macken und leiden deswegen unter Schmerzen. Hinzu kommt, dass der Schweinehalter nur noch eingeschränkt Schlachtbetriebe für seine Schlachtkörper auswählen kann. Denn nicht jeder Schlachthof kann Eberfleisch verarbeiten. Kleine Schlachthöfe sind gegenüber den großen benachteiligt, denn die großen besitzen häufig die technischen Voraussetzungen, um eine breite Produktpalette anzubieten. In Verarbeitungsware wie Wurstprodukten lässt sich geruchsauffälliges Eberfleisch leicht untermischen. Kleine Schlachtbetriebe haben meist keine Möglichkeit, auf Verarbeitungsware auszuweichen. So wird auch der Landwirt abhängiger von wenigen Abnehmern.

Als Nächstes könnte die GVO-freie Fütterung von Schweinen auf dem Plan stehen, vermuten Branchenkenner. Die Futterkosten dürfte dies drastisch erhöhen. Denn GVO-freies Sojaschrot kostet 20 €/dt mehr, berichten Schweinehalter. Aus Übersee muss es weiterhin importiert werden, denn die heimische Sojaernte reicht nur für einen Bruchteil der Tierhalter. Einen Vorstoß für GVO-freie Milchprodukte haben Lidl und Kaufland bereits gewagt. Sie vertreiben Ware mit dem Label „Ohne Gentechnik“.

Umso mehr ist neben der Kommunikation mit dem Verbraucher auch der Dialog mit den Händlern wichtig, damit dessen Entscheidungen praxisnah fallen. Solange der Lebensmitteleinzelhandel an einer gesicherten Rohstoffbasis aus Deutschland interessiert ist, wird dieser Dialog Früchte tragen. (has)
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