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Die Zeiten der extremen Niedrigwasserstände am Rhein scheinen nach den jüngsten Regenfällen zu Ende zu gehen. Dennoch werden auch in der nächsten Zeit noch Kleinwasserzuschläge die Frachten für die Unternehmen verteuern. Der Landweg als Alternative ist zu teuer. Am Niederrhein bereitet es zunehmend Schwierigkeiten, Schiffe zu finden, die bei einem Frachtvolumen zwischen 25 und 30 Prozent bereit sind, noch Aufträge anzunehmen. Besonders rheinaufwärts lassen sich kaum Frachten finden, da Rückfrachten rheinabwärts fehlen. Bei Schiffsfrachten von durchschnittlich 5,- EUR/t von Rotterdam nach Düsseldorf und einem Kleinwasserzuschlag (KWZ) von 7,50 EUR/t in der vergangenen Woche rechnen sich die Wasserfrachten immer noch besser als Lkw-Lieferungen mit rund 20,- EUR/t. Die Mischfutterindustrie erhebt für die höheren Frachtkosten von der Landwirtschaft Aufgelder, die in der vergangenen Woche für Hühner- und Schweinefutter 0,25 EUR/100 kg und für die Rinderfutter 0,50 EUR/100 kg betrugen. Bei den Neusser Ölmühlen schlugen sich die höheren Frachtkosten in Aufschlägen von 0,30 EUR/100 kg für Rapsschrot und von 0,41 EUR/100 kg für Sojaschrot nieder. Größere Schwierigkeiten zeichnen sich beim Düngemittelgeschäft ab, denn viele Produzenten nehmen infolge des KWZ keine Neuaufträge mehr an oder verladen nicht mehr.

Die Kleinwasserzuschläge haben auch die Kosten für die Unternehmen im Südwesten in den vergangenen Wochen in die Höhe getrieben. In den Tagen der niedrigsten Wasserstände lagen sie zum Beispiel beim Sojaschrot bei 15,- EUR/t, sind aber in dieser Woche auf 3,85 EUR/t reduziert worden. Ölmühlen oder Mischfutterhersteller können diese Kosten an ihre Kunden weitergeben. Sie spüren allerdings eine deutliche Kaufzurückhaltung ihrer Kunden. Einzelne Sojaschrotkonsumenten im Südwesten haben zu Zeiten der höchsten Zuschläge bei passender Rückfracht ihre Ware sogar aus Hamburg geholt. Andere Unternehmen können diese Kosten nicht weitergeben. So fließen beispielsweise Getreide oder Ölsaaten nicht in dem geplanten Umfang ab und produzieren Lagerkosten. Fehlende Erlöse und höhere Frachten belasten die Rechnung der Unternehmen. Auch wird versucht, Geschäfte auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben.

Die bayerische Agrarwirtschaft ist durch das Niedrigwasser nur in relativ begrenztem Umfang betroffen. Es müssen auf Grund des verhaltenen Angebotes keine sehr großen Getreidemengen überregional vermarktet werden. Allerdings kam es zu Behinderungen von Maislieferungen aus Ungarn. Dadurch erhielten die hiesigen Maispreise einen zusätzlichen Auftrieb. Durch die reichlichen Niederschläge der vergangenen Tage zeichnet sich mittlerweile eine leichte Entspannung ab, berichtet die Agrarzeitung Ernährungsdienst in ihrer heutigen Ausgabe. (ED)

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