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Denn die Bevölkerung wächst und will versorgt werden. Daher ist Ägypten einer der größten Importeure von landwirtschaftlichen Gütern weltweit. Zudem wird die Landwirtschaft, aber auch die Lebensmittelversorgung, im Land staatlich massiv subventioniert. Darüber hinaus ist der Modernisierungsbedarf in der Agrarwirtschaft hoch. Jedoch erschweren die zersplitterten Flächen die Mechanisierung. Politisch wird das Land autoritär geführt. Die Hoffnungen nach dem Arabischen Frühling im Jahr 2011 auf eine liberale und demokratische Ausrichtung sind zerstoben – die Blütenträume von damals verwelkt.


In Ägypten spielt Landwirtschaft zwar eine große Rolle, die Agrarfläche ist jedoch sehr begrenzt. Etwa 96 Prozent der Landesfläche bestehen aus Wüste, nur 4 Prozent können landwirtschaftlich genutzt werden. Hinzu kommt eine sehr klein strukturierte Agrarwirtschaft. Von den rund 4,5 Mio. Betrieben sind die meisten Subsistenzwirtschaften. Die durchschnittliche Flächenausstattung liegt bei 1,7 ha. Lediglich 12000 Betriebe mit mehr als 100 ha sind in der Hand von Großgrundbesitzern. Ein Grund für die kleinbäuerlichen Strukturen ist auch das islamische Erbrecht, das eine gleichmäßige Verteilung zwischen den Erben vorsieht.

Aufgrund der geringen landwirtschaftlichen Nutzfläche kann sich das Land nicht selbst versorgen und ist auf Importe angewiesen – auch wenn die Fläche durch Bewässerungsmaßnahmen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Hinzu kommt, dass die Bevölkerung enorm wächst und sich seit den 1980er Jahren verdoppelt hat. So subventioniert die ägyptische Regierung Lebensmittel in erheblichem Maße. Über die staatliche Einkaufsagentur GASC wird etwa Weizen zu Weltmarktpreisen gekauft und zu günstigen Preisen im Inland abgegeben. Zudem werden Dünger, Saatgut und Pflanzenschutzmittel subventioniert. Auch das für die Bewässerung genutzte Wasser muss von den Landwirten nicht bezahlt werden.

Der Nil ist die Pulsader des Landes, entlang des Flussverlaufs als auch im Nildelta liegen die fruchtbaren Regionen Ägyptens. 90 Prozent der ägyptischen Wasserversorgung stammen aus dem Nil. So ist der Assuan-Staudamm, der die Zufuhr regelt, von großer Bedeutung für die Landwirtschaft. Dadurch ist eine ganzjährige Bewirtschaftung der Flächen möglich geworden. Allerdings wird der fruchtbare Nilschlamm nicht mehr auf die Felder geschwemmt wie in früheren Zeiten, was die Bodenqualität beeinträchtigt. Eine Versalzung des Bodens und die Zufuhr von mineralischem Dünger sind die Folgen. Wertmäßig zählt ägyptische Baumwolle zu den wichtigsten Agrargütern, auch wenn die qualitativ sehr hochwertige Erzeugung gering ist. Zudem ist Ägypten der größte Reisproduzent im Nahen Osten.

Tierhaltung wird hauptsächlich zusammen mit Ackerbau auf klein strukturierten Höfen betrieben. Dauergrünland ist Mangelware und die Viehhaltung auf Futtermittelanbau angewiesen. Rinder und Büffel dienen als Last- und Arbeitstiere sowie zur Fleisch- und vor allem zur Milchgewinnung. An Milch erzeugt Ägypten rund 5,9 Mio. t, bei Büffelmilch ist das Land der viertgrößte Produzent der Welt. Geflügelfleisch ist beliebt und zudem preisgünstig. So hat die Geflügelhaltung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen. Die Schweinefleischproduktion hingegen spielt keine Rolle, da 90 Prozent der Bevölkerung dem Islam angehören. (AW)


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