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Deutlich weniger Aufträge aus Russland – Wichtigster Markt außerhalb der EU

Agrarzeitung Ernährungsdienst 17. April 2009; Von Dietrich Holler, Frankfurt a.M.

Nach Jahren satten Wachstums muss die Landtechnikindustrie mit einer neuen Situation klarkommen. Den deutschen Herstellern bricht das Geschäft im Osten weg.

„Die Wirtschafts- und Finanzkrise hat die dynamische Entwicklung in den osteuropäischen Ländern und der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten regelrecht abgewürgt“, bekennt Alexander Haus vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Haus analysiert im VDMA für die Fachgruppe Landtechnik die Märkte in den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten sowie deren östlichen Nachbarn, beispielsweise Russland.

VDMA hofft auf Wende

Das Land ist mit rund 715 Mio. € Umsatz (2008) zum zweitgrößten Importeur deutscher Landtechnik aufgestiegen. Nur Frankreich kauft noch mehr: Im vergangenen Jahr exportierte Deutschland für mehr als 1,2 Mrd. € Landtechnik nach Frankreich. Außerhalb der Europäischen Union ist der russische Markt das wichtigste Absatzgebiet für Agrartechnik „Made in Germany“. Zumindest war es bislang so. Für das laufende Jahr rechnet der VDMA jedoch mit 30 Prozent weniger Ausfuhren nach Russland. In anderen osteuropäischen Ländern verläuft der Trend ähnlich. Lediglich Rumänien und Bulgarien könnten ihre Importe 2009 um 10 Prozent steigern – allerdings auf vergleichsweise niedrigem Niveau: Bulgarien importierte 2008 deutsche Agrartechnik im Wert von 81 Mio. €, Rumänien für 63 Mio. €.

VDMA-Experte Haus gibt sich aber positiv gestimmt. Regierungen in Osteuropa, so Haus, hätten Exportbeschränkungen für Getreide und Ölsaaten aufgehoben, Russland subventioniere sogar den Bahntransport zum Hafen: „Die Rekordernte 2008 ist zum guten Teil verkauft. Die Ernteerwartungen für den Herbst 2009 sind optimistisch.“

Kurzarbeit und Umsatzplus

Das gilt aber offenkundig nicht für die Absatzerwartungen aller Hersteller. So schickt John Deere, nach eigenen Angaben führend am deutschen Landtechnikmarkt, die etwa 3.000 Mitarbeiter seines Mannheimer Werkes in Kurzarbeit: Im April, Mai und Juni stehen die Montagebänder an insgesamt 21 Tagen still.

Wettbewerber Agco/Fendt ist laut Peter-Josef Paffen „der Start im Jahr 2009 überraschend gut gelungen“. Als Vice President und Sprecher der Geschäftsführung berichtet Paffen von Absatz- und Umsatzzahlen des 1. Quartals 2009, die „über den guten Vorjahreswerten liegen“. Den ursprünglich für 2009 geplanten Baustart einer neuen Montagelinie im Werk Marktoberdorf verschiebt Fendt dennoch in das kommende Jahr. Das habe nichts mit der Marktlage in Osteuropa zu tun, versicherte Fendt-Manager Paffen vergangene Woche gegenüber der in Kempten erscheinenden „Allgäuer Zeitung“. Vielmehr sollten zwei Projekte entzerrt werden. So wolle Fendt zunächst plangemäß zum Sommer 2009 den bereits im Herbst 2008 begonnenen Bau der neuen Fertigungshalle in Marktoberdorf abschließen. Danach lasse sich das um ein Jahr verschobene Projekt der neuen Montagelinie „logistisch besser managen“.
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