Report Pflanzenschutz in der Saison

Landwirt möchte den gesamten Baukasten nutzen

Wilhelm Heine (l.) und Bernhard Bundschuh testen Untersaaten in Raps.
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Wilhelm Heine (l.) und Bernhard Bundschuh testen Untersaaten in Raps.

Der Betrieb von Wilhelm und Petra Heine in Bad Waldsee ist einer von 27 deutschen Ackerbaubetrieben, die sich am Modellvorhaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums beteiligen. Darin entwickeln und prüfen Landwirte mit intensiver Unterstützung der Beratung Innovationen im integrierten Pflanzenschutz. Für Bernhard Bundschuh vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum (LTZ) Augustenberg in Karlsruhe, der die drei in Baden-Württemberg teilnehmenden Ackerbauern betreut, repräsentiert der oberschwäbische Hof einen Großteil der süddeutschen Agrarstruktur. „Damit können wir zeigen, dass integrierter Pflanzenschutz auch in unseren Betriebsstrukturen machbar ist“, freut sich der Agrarberater über die Zusammenarbeit.

Seit 2014 ist Wilhelm Heine im Modellvorhaben dabei. Für den Betriebsleiter, selbst ausgebildeter Landwirtschaftsmeister und Landmaschinenmechaniker, ist es selbstverständlich, sich ständig neues Wissen anzueignen, aber auch weiterzugeben. Im Fachausschuss Bildung im Vorstand des Landesbauernverbandes engagiert er sich ebenso wie als Nebenlehrer an der Berufsschule in Ravensburg oder als Ausbilder auf dem eigenen Hof. Gerade im Pflanzenschutz hält er es für den richtigen Weg, dass Landwirte auf ihren eigenen Betrieben die Einsparmöglichkeiten suchen und umsetzen. „Wir müssen es selber machen", ist Heine überzeugt.

Landwirt Heine und Berater Bundschuh suchen ständig weiter nach Innovationen, die der Praxis langfristig dienen. Ein neueres Projekt ist der Test von Untersaaten in Winterraps. Nach dem Wegfall von wichtigen Beizmitteln stand die Frage im Raum, wie die tierischen Schaderreger überhaupt noch ausgeschaltet werden können. Seit 2014 bringt Heine zur Rapsaussaat das Wicken-Klee-Gemenge „Rapspro“ der Rudloff-Saaten in den Boden. Die Untersaat verringert nach den bisherigen Erfahrungen im Herbst den Befall mit Erdflöhen und im Frühjahr mit Stängelrüsslern. Darüber hinaus liefern die Leguminosen Stickstoff nach. Allerdings ist das Verfahren mit hohen Saatgutkosten und einem zusätzlichen Arbeitsgang zur Aussaat verbunden. Außerdem frieren in milden Wintern Wicken und Klee nicht immer ausreichend ab. Heine hatte bereits zur Ernte 2015 leichte Behinderungen im Drusch. Für Berater Bundschuh gilt das Verfahren dennoch als Musterbeispiel, was im integrierten Pflanzenschutz möglich ist, wenn das System weiter gefasst wird. Er berichtet, dass alle drei Modellbetriebe in Baden-Württemberg mit den Untersaaten im Raps ein bis zwei Insektizid-Spritzungen und außerdem Herbizidmaßnahmen im Herbst einsparen konnten.

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Heines Expertise wird weit über die Region hinaus geschätzt. Das LTZ Augustenberg hat auf einem seiner Äcker in Hofnähe eine offizielle Wetterstation installiert, deren Daten direkt für Prognosen genutzt werden. Einer der zahlreichen Nutznießer ist der Verein Informationssystem Integrierte Pflanzenproduktion (Isip). Die Prognosen auf der Isip-Online-Plattform finden in mehreren Bundesländern regen Zuspruch in Praxis und Beratung. „Die standortspezifische Prognose hilft dabei, dass jede tatsächliche notwendige Behandlung möglichst in der Nähe des Infektionsereignisses stattfindet“, beschreibt Bundschuh das Prinzip. Dadurch könne der Landwirt die Wirkung der Mittel voll ausschöpfen und in vielen Fällen auch Mittel einsparen. Für die Agrarberatung sei es im Gegenzug essenziell, mithilfe von echten Daten, wie sie Heine liefert, die Modelle zu validieren. „Damit werden die Berechnungen immer aussagekräftiger und verlässlicher“, erläutert Bundschuh die Wechselwirkung.

Der oberschwäbische Landwirt ist aber nicht nur im Ackerbau, sondern auch in Sachen Weiterentwicklung der betrieblichen Gerätetechnik ganz vorne mit dabei. So lassen beispielsweise Wissenschaftler des Braunschweiger Instituts für Anwendungstechnik im Rahmen eines weiteren bundesweiten Projekts im Pflanzenschutz neue Düsen auf dem Marschall-Heine-Hof testen. Dort müssen sie beweisen, dass sie robust genug sind, um Eigenschaften wie die Senkung von Abdrift auch zu gewährleisten.

Drei Generationen
Aktuell führen Wilhelm und Petra Heine den oberschwäbischen Landwirtschaftsbetrieb, der sich seit 1911 im Familienbesitz befindet. Unterstützung leisten Petra Heines Eltern – Josef und Senta Marschall. Mit der Hofnachfolge hat es noch viele Jahre Zeit, denn Wilhelm Heine sprüht mit 52 Jahren voller Energie und Ideen. Tochter Franziska, die in Weihenstephan Agrarwissenschaften studiert, kann in Ruhe ihre Vorstellungen entwickeln. (db)
Der integrierte Pflanzenschutz mithilfe von Prognosemodellen hat sowohl am LTZ Augustenberg als auch auf dem Marschall-Heine-Hof höchste Priorität. Heine und Bundschuh setzen damit in die Praxis um, was die Theorie will: „So wenig wie möglich, so gezielt wie möglich und nur so viel wie unbedingt nötig.“ Wenn Behandlungen erforderlich werden, müssten jedoch wirksame Mittel zur Verfügung stehen. Es dürfe nicht sein, dass durch Verbote oder strenge Auflagen das Angebot ständig ausgedünnt werde. „Ich brauche einen Baukasten, aus dem ich Sorten, Untersaaten, Zwischenfrüchte, gezielte Düngergaben oder eben bei Befall auch wirksame Pflanzenschutzmittel wählen kann“, nennt Heine als Voraussetzung für den integrierten Ansatz. Der Berater pflichtet ihm bei: „Wenn Landwirte selber entscheiden können – unterstützt durch gezielte und intensive Beratung –, lässt sich ungeheuer viel in Richtung Einsparung von Pflanzenschutzmitteln bewegen“, lautet Bundschuhs Erfahrung. (db)
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