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Umfrage: Gewinn für die Agrarwirtschaft – Viel Fremdkapital nötig

Agrarzeitung Ernährungsdienst 10. März 2007; Von Dr. Angela Werner, Frankfurt a.M.

Landwirte sehen gute Perspektiven für die Erzeugung von Bioenergie als ein weiteres Standbein. Diejenigen, die schon eingestiegen sind, haben sich diesen Schritt genau überlegt. Andere wiederum warten noch ab, wie eine Umfrage unter Landwirten der KleffmannGruppe, Lüdinghausen, in Zusammenarbeit mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst ergeben hat.

Bioenergie bewegt die Agrarbranche auf vielfältige Weise. Auch die Landwirte stehen vor einer Entscheidung: einsteigen oder abwarten. 226 Landwirte wurden nach ihren Investitionsplänen und Erfahrungen gefragt. Hinsichtlich der Zukunftsperspektiven überwiegt bei den Landwirten der Optimismus. Gut 70 Prozent der Befragten sehen die Zukunft für Bioenergie als gut oder sehr gut ein. Ein weiteres Viertel schätzt diese als verhältnismäßig gut ein. Für 57 Prozent bedeutet dieser Wirtschaftszweig einen Gewinn für die Landwirtschaft. Rund ein Drittel der Befragten sieht darin sowohl einen Gewinn als auch eine Konkurrenz zur Lebensmittelproduktion.

In die Bioenergieerzeugung eingestiegen sind bereits ein Drittel der Befragten, 65 Prozent wollen es zukünftig noch tun. Dabei sind die innovationsfreudigsten Landwirte vor allem in Nord- und Westdeutschland zu finden.

Förderung und Zuschüsse entscheidend

Die meisten Landwirte gehen die Sache aber mit Bedacht an. 39 Prozent der Befragten wollen erst innerhalb von zwei bis drei Jahren einsteigen, 17 Prozent innerhalb von vier bis fünf Jahren und nur 11 Prozent innerhalb eines Jahres. Die wichtigsten Kriterien für einen Einstieg sind für die Hälfte der Befragten Förderungen und Zuschüsse sowie der Preisschub fossiler Energien. Wichtig ist für die Landwirte auch, dass auf dem Betrieb die Faktorausstattung und die notwendigen Ressourcen vorhanden sind. Ferner muss der Einstieg auch Umsatz gewährleisten und zur Einkommenssicherung beitragen. Auf den hinteren Rängen stehen der Preis für die Biomasse und das Erneuerbare-Energien-Gesetz

Landwirte, die bereits Bioenergie erzeugen, machen dies überwiegend im Eigenbetrieb. Nur 17 Prozent sind Vertragsanbauer. Auch für die Landwirte, die den Einstieg planen, ist der Eigenbetrieb die bevorzugte Wirtschaftsweise. Sofern ein Vertragsanbau besteht oder angestrebt wird, sind die Befragten bereit, rund ein Viertel ihrer Fläche im Vertragsanbau zu bewirtschaften.

Mais wichtigster Rohstoff

Am meisten wird Biomethan hergestellt, gefolgt von Biodiesel und Pflanzenölen. Für die Erzeugung von Bioenergie setzen daher mit 36 Prozent die meisten Befragten Mais ein, gefolgt von Gülle mit 23 Prozent und Grassilage mit 11 Prozent. Diese drei Komponenten machen zusammen bereits 70 Prozent des Energiemixes aus. Weitere Komponenten sind Getreide, Holz, Raps, Stroh und industrielle Reststoffe wie beispielsweise kommunale Bioabfälle.

Die Einspeisung von Biogas in das öffentliche Netz sehen knapp 80 Prozent der Befragten als die beste Absatzmöglichkeit. Rund ein Drittel der derzeitigen Betreiber nutzt Bioenergie für den eigenen Betrieb. Biosprit zu erzeugen sehen aber nur wenige der befragten Landwirte als Option an. Die anfallenden Nebenprodukte werden überwiegend im Betrieb genutzt. Knapp 80 Prozent der Landwirte verwenden sie in erster Linie als Dünger. Sie werden aber auch energetisch genutzt.

Einstieg mit hohen Kosten verbunden

Der Einstieg in die Bioenergieerzeugung kostet darüber hinaus viel Geld. Je nach Größe der Anlage variieren die Kosten. Sowohl Betreiber als auch zukünftige Investoren rechnen laut der Umfrage im Durchschnitt mit 500.000 €. 20 Prozent der Befragten haben sogar bereits zwischen 500.000 € und 1 Million € investiert. Diese Aufwändungen sind allein aus Eigenkapital nicht zu bestreiten. Der Fremdkapitalanteil liegt bei Investitionen für Bioenergieanlagen im Schnitt zwischen 55 und 60 Prozent. Eigenkapital macht gut ein Drittel aus, Subventionen weniger als 10 Prozent, so das Ergebnis der Umfrage.

Wer so viel Geld investieren will, muss sich vorher gut informieren. Die meisten Landwirte holen sich die Informationen überwiegend auf Messen und über Fachberater. Aber auch Ämter, Landwirtschaftskammern und Hersteller sind Ansprechpartner bei Fragen rund um die Bioenergieerzeugung.

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