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Messdaten ermitteln Bedarf der Pflanzen – Anschaffung lohnt ab 100 ha Fläche

Agrarzeitung Ernährungsdienst 20. März 2009; Von Daphne Huber-Wagner, Frankfurt a.M.

Seit zehn Jahren wird Precision Farming in der Landwirtschaft eingesetzt. Der Nährstoffbedarf der Pflanzen wird zeitlich und räumlich genau gemessen, um den optimalen Aufwand zu ermitteln.

Die Produktion landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist vielfältig. Längst reicht es nicht mehr, den Einsatz von Betriebsmitteln zu steigern, um höchste Erträge zu erzielen.Eine pauschale Erhöhung der Betriebsmittel kann sich negativ auswirken: Wer zuviel Stickstoff gedüngt, riskiert Lager, Pilzkrankheiten oder einen schlechten Mähdrusch. Landwirten können sich Mindererträge in Zukunft nicht leisten.
Da sich in den vergangenen Jahren die Gesamtkosten der Bewirtschaftung je Hektar erhöht haben, kostet jeder Produktionsfehlt sehr viel mehr Geld als noch vor zehn Jahren. Hinzu kommen Umweltauflagen. Ertragssteierungen dürfen nich zu Lasten der Ökologie gehen.

Deutschland ist Sensorland

In Deutschland nutzen seit zehn Jahren rund 500 Landwirte Precision Farming. Am weitesten verbreitet ist die Stickstoff-Düngung mit Online-Sensoren. Davon sind etwa 400 Yara N-Sensoren in der Praxis. Neben der Stickstoff-Düngung in Getreide, Raps, Kartoffeln und Mais wird das System auch für die variable Wachstumsreglerapplikation und Krautabtötung genutzt.

N-Düngung in drei Schritten

Der Düngebedarf leitet sich ab von der Nährstoff-Nachlieferung des Bodens und der aktuellen N-Aufnahme der Pflanzen. Die optimale Düngeempfehlung ist dabei nie von Jahr zu Jahr gleich, sondern kann in Abhängigkeit von Witterung und Boden auf jedem Standort erheblich schwanken. Die N-Düngung mit der Sensortechnik erfolgt in den drei Schritten Messen, Rechnen, Regeln:
Messen: Der auf dem Traktordach angebrachte N-Sensor ermittelt bei der Fahrt über das Feld durch Reflexionsmessung teilflächenspezifisch die aktuelle Stickstoff-Aufnahme des Pflanzenbestandes. Der N-Sensor erfasst in der Bewegung zirka ein Drittel der gesamten Fläche für die Düngeempfehlung. Er misst den Bestand rechts und links der Maschine in einem vier Meter breiten Band.
Rechnen: Die Berechnung der N-Düngermenge erfolgt mit der Software der Precision Farming Box. Hier werden die Sensormesswerte mit mit Hilfe einer agronomischen Kalibrierung in eine bestimmte Stickstoffmenge übersetzt.
Regeln: Im Sekundentakt gibt die Precision Farming Box die errechneten Werte an den Düngerstreuer weiter. Hier werden die Mengengaben entsprechend nach oben oder unten geregelt. Das Sensorsystem ist kompatibel mit nahezu allen elektronisch regelbaren Streuern und Spritzen. Die Ansteuerung erfolgt über einen seriellen Anschluss oder Isobus-Adapter.

Mehrertrag bestätigt

Während der Precision Farming Tagung in Alsfeld zieht Jens Symanneck, Fachberater der Agricon GmbH in Hessen und Thüringen Bilanz: „Landwirte, die mit dem Sensor variabel Stickstoff düngen, erwirtschaften zwischen drei und sieben Prozent Mehrertrag. Die jährliche Einsparung von N-Düngern beträgt bis zu 14 Prozent Stickstoff.“ Lager werde vermieden, durch den Homogenisierungseffekt in den Bestände verbessere sich der Mähdrusch, die Rohproteingehalte steigen.

Investionen nehmen zu

Mit Beginn der Hausse bei Betriebsmitteln und Agrarrohstoffen stellt Symanneck bei den Landwirten eine höhere Investitionsbereitschaft für teilflächenspezifischen Verfahren. Der Fachberater bestätigt: „Jede sinnvolle Einsparung an Betriebsmitteln und jeder Mehrertrag sind heute sehr viel mehr wert wie vor drei Jahren. Die Kosten für Precision Farming Verfahren indes gleich geblieben. Der Einsatz eines N-Sensors rechnet sich bereits ab 100 Hektar Fläche. Betriebe mit mehr als 200 Hektar dürften bereits im ersten Einsatzjahr mit sicheren Gewinnen rechnen.

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