Report Pflanzenschutz in der Saison

„Landwirte spüren heute schon den Engpass“


Die deutsche Pflanzenschutzorganisation von DuPont steht seit Jahresbeginn unter neuer Leitung. Die Herausforderungen am Markt und in der Politik benennen Geschäftsführerin Carin-Martina Tröltzsch und Marketing-Manager Axel Odörfer im Gespräch mit der agrarzeitung (az).


Carin-Martina Tröltzsch und Axel Odörfer, DuPont Pflanzenschutz, Neu-Isenburg
-- , Foto: DuPont
Carin-Martina Tröltzsch und Axel Odörfer, DuPont Pflanzenschutz, Neu-Isenburg

agrarzeitung: Welche Erwartungen haben Sie an die Saison?

Tröltzsch: Alle Anbieter hatten 2015 ein schwieriges Jahr – und der Handel hat Bestände aufgebaut. Das drückt die Erwartungen. Wir rechnen 2016 mit einem Gesamtmarkt wie im Vorjahr. DuPont wird aber wie im Vorjahr wieder leicht über dem Markt wachsen können.

Worauf gründet diese Zuversicht?

Odörfer: Wir nutzen den Schwung der Markteinführungen der vergangenen beiden Jahre. Alle Produkte sind noch ausbaufähig. Außerdem können wir in diesem Jahr mit voller Kraft unser neues Frühjahrsherbizid Pointer Plus vermarkten – die Zulassung kam vor einem Jahr zu spät, um das Potenzial auszuschöpfen.

Wie sieht es grundsätzlich mit Zulassungen aus? Hält der Stau an?

Tröltzsch: Leider ja. Dies ist ein genereller Trend und trifft alle Hersteller. Zur schleppenden Registrierung in der EU kommen in Deutschland Sonderanforderungen im Zulassungsverfahren hinzu. Es fehlt die nötige Planungssicherheit sowohl bei Neuzulassungen von Pflanzenschutzmitteln als auch bei Re-Registrierungen von Wirkstoffen.

Frau Tröltzsch, Sie waren viele Jahre in anderen europäischen Ländern. Wie empfinden Sie die Diskussion um Pflanzenschutz in Deutschland?


Tröltzsch:
Ich sehe Deutschland in einer Situation, in der die gesellschaftliche Diskussion um den Pflanzenschutz die sachlich- wissenschaftliche Ebene verlassen hat und zunehmend als Politikum instrumentalisiert wird. Dies führt zu Fehlinformationen, begleitet von enormer Verunsicherung bei Verbrauchern.

Was schlagen Sie vor, um Verbraucher sachlicher über Pflanzenschutz aufzuklären?

Tröltzsch: Vom Verbraucher kann man doch nicht verlangen, dass er alle Details und Zusammenhänge in solch hoch komplexen Verfahren versteht. Entscheidend ist, dass wir Behörden haben, deren Sachkunde und Neutralität allgemein anerkannt ist. Wenn die Behörde anhand von wissenschaftlich basierten Ergebnissen feststellt, dass ein Pflanzenschutzmittel oder Wirkstoff sicher ist, dann muss das die Grundlage sein, auf der über die Zulassung des Pflanzenschutzmittels oder des Wirkstoffs entschieden wird. Darauf muss ich mich auch als Verbraucher verlassen können. Wir müssen dringend zur Sachlichkeit im Thema Pflanzenschutz zurückkehren.


Großer Umbau
DuPont befindet sich mitten in der Umstrukturierung. Zum einen ist zu Jahresbeginn die europäische Pflanzenschutzorganisation neu aufgestellt worden. Zum anderen ist ein Zusammenschluss mit Dow Chemicals geplant, der allerdings erst in der 2. Jahreshälfte 2016 vollzogen werden soll. In Deutschland hat Dr. Carin-Martina Tröltzsch Anfang 2016 die Geschäftsleitung der DuPont Crop Protection für Deutschland und Österreich mit gut 60 Mitarbeitern übernommen. Dr. Axel Odörfer ist seit Jahresbeginn Marketing-Manager für die Region Zentraleuropa. (db)

Wie gehen Sie als Unternehmen mit diesem Umfeld um?

Tröltzsch: DuPont ist ein globales Unternehmen mit einer starken Forschung. Unsere Strategie ist nachhaltig ausgerichtet. Wir hoffen, dass wir mit beständigen Innovationen überzeugen können.

Was ist konkret für deutsche Landwirte in der Pipeline?

Odörfer: Wir bereiten die Markteinführung von Insektiziden mit dem Wirkstoff Cyazypyr vor. Dann folgt ein neuer fungizider Wirkstoff. Mittelfristig stehen neue Herbizide sowie ein weiterer Fungizid- und Insektizidwirkstoff in Aussicht.

Und wenn der Zulassungsstau in der EU und speziell in Deutschland weiter anhält?

Tröltzsch: Dann werden zukunftsweisende Technologien behindert. Und deutsche Landwirte verlieren langfristig ihre Wettbewerbsfähigkeit, wenn neue Technologien nur noch außerhalb Deutschlands beziehungsweise außerhalb der EU eingeführt werden können. Einige Landwirte spüren heute schon den Engpass, wenn sie kleinere Kulturen anbauen, für die im Pflanzenschutz keine Lückenindikationen bestehen. Dann gibt es gar keine Lösung für die Probleme.

Können Sie Beispiele nennen?

Odörfer: Nehmen Sie den eigentlich vom Markt gewünschten Sojaanbau in Deutschland. Kein Herbizidanbieter wird sich aber für die wenigen Hunderttausend Hektar in der EU auf das teure, langwierige und nicht kalkulierbare Zulassungsverfahren einlassen. Und die Landwirte werden mit ihren Problemen alleingelassen. Dabei ist Soja eine Kultur, die in vielen Teilen der Welt wächst und für die es Lösungen im Pflanzenschutz gibt, von denen auch europäische Erzeuger profitieren könnten.

Wie beurteilen Sie die Entscheidung, dass DuPont mit Dow zusammengehen wird?

Tröltzsch: Ich halte das für eine sehr gute Möglichkeit, unsere Forschungsanstrengungen zu bündeln, um schnellere und umfassendere Forschungsergebnisse zu erzielen. Wir schaffen damit die Voraussetzung, in unseren Kernsegmenten schneller und nachhaltiger zu wachsen.

Was ist Ihnen für die weitere Entwicklung von DuPont in Deutschland wichtig?

Tröltzsch: Die globale Landwirtschaft steht vor der Aufgabe, künftig neun oder sogar elf Milliarden Menschen ausreichend zu ernähren. Wir haben hier in Deutschland beste Voraussetzungen, mit Innovationen die Qualität und den Output auf den vorhandenen Flächen zu steigern. Das ist auch unsere Verantwortung. Dazu brauchen wir forschende Unternehmen wie DuPont. Für diesen Fortschritt einzustehen, ist mir auch persönlich ein großes Anliegen.

Das Gespräch führte Dagmar Behme
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