Tierwohl

Landwirte wollen keine staatliche Förderung


Dass Konsumenten für mehr Tierwohl höhere Preise bezahlen, hält Prof. Harald Grethe von der Uni Hohenheim für realistisch. Allerdings erreiche man allenfalls 20 bis 30 Prozent der Bevölkerung, sagte er während der Herbsttagung der Verbindungsstelle Landwirtschaft-Industrie heute in Montabaur. Um jedoch merh Tierwohl zu finanzieren, würden andere Finanzierungsströme benötigt. Denn Freiwilligkeit wie in der Brancheninitiative Tierwohl sei zwar in Ordnung, aber es reiche nicht. Grethe, der auch dem Wissenschaftlichen Beirat für Agrarpolitik, Ernährung und Verbraucherschutz (WBAE) vorsitzt, bekräftigte erneut, dass Steuerabgaben oder staatliche Förderung probate Mittel seien.

Dem widersprach Philip Schulze Esking, selbst Schweinehalter und DLG-Vizepräsident, entschieden. "Landwirte wollen keine staatliche Unterstützung. Wir wollen unser Geld am Markt verdienen." Ansprüche und andere Rahmenbedingungen in der Tierhaltung dürften aber nicht im Hauruck-Verfahren eingeführt werden, sonst werde es bald keine Tierhaltung mehr in Deutschland geben. "Eine Transformation muss behutsam umgesetzt werden", sagte Schulze Esking.

Prof. Peter Kunzmann von der Tierärztlichen Hochschule in Hannover (TiHo) appellierte an die Landwirte, noch viel deutlicher der Öffentlichkeit klar zu machen, was alles für mehr Tierwohl gemacht werde. Bislang nähmen die Verbraucher Veränderungen kaum wahr. Es gehe vor allem darum, dass "Tiere flächendeckend in Deutschland" vernünftig gehalten werden. Dafür müssen sich die Verbände stark machen, damit nicht einzelne schwarze Schafe, die von Tierschützern oder Tierrechtlern aufgedeckt werden, alle Tierhalter in Misskredit bringen. (AW)
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