Milchmarkt

Leise Hoffnung auf bessere Preise


Die Milchanlieferungen in Deutschland liegen trotz Quotenende auf dem Niveau des Vorjahres.
-- , Foto: MIV
Die Milchanlieferungen in Deutschland liegen trotz Quotenende auf dem Niveau des Vorjahres.

Der Milchindustrieverband (MIV) sieht erste Anzeichen für eine Trendwende am Milchmarkt. Eine Vorhersage für die zukünftigen Erzeugerpreise wollte Hans Holtorf, stellvertretender Vorsitzender des MIV, beim heute Branchentreffen in Leipzig aber nicht abgeben. Die derzeitige Marktsituation sei geprägt von Unsicherheiten, die eine Prognose erschweren. Unabhängige Analysten würden eine wirkliche Erholung der Märkte nicht vor dem zweiten Quartal 2016 sehen, so Holtdorf beim Jahreskongress des Verbandes.

Milchmengen
Niederlande und Irland legen zu

Das Milchaufkommen in der EU sei saisonal bedingt weiter rückläufig, bewege sich aber seit Mai über der Vorjahreslinie, stellt der MIV fest. Seit Jahresbeginn ist in der EU 1,0 Prozent mehr Milch produziert worden. Betrachtet man den Zeitraum seit Ende der Milchquote, so wurden in der EU 2,3 Prozent mehr Milch erzeugt als im Vorjahr. Besonders große Steigerungen sind für Irland (+12,3 Prozent), die Niederlande (+7,8 Prozent) und Polen (+3,6 Prozent) festzustellen, während die deutsche Produktion auf dem Vorjahresniveau liegt.

Neuseeland bremst ab

Die Milchproduktion in wichtigen Exportländern liege über dem Vorjahresniveau, das Wachstum lasse aber zum Beispiel in den USA nach. Seit August produziere Neuseeland weniger Milch als in den jeweiligen Vorjahresmonaten. Deutliche Steigerungen gebe es dagegen in Australien. (SB)

Weltweit hohes Angebot

Die aktuelle Marktsituation habe keinen direkten Bezug zur Abschaffung der Milchquote in der Europäischen Union, betonte Holtdorf. Die aus einem hohen Angebot resultierenden Preisrückgänge für Milch und Milchprodukte seien keine nationale Besonderheit, sondern müssten im Kontext internationaler Märkte gesehen werden. Insgesamt würden viele Indizien für eine Verlangsamung des Wachstums der Milchproduktion sprechen, erklärte MIV-Vize. So seien die Zahlen an Schlachtkühen in der EU in den ersten sieben Monaten um 3,5 Prozent gestiegen. Auch die Auswirkungen der Klimaerscheinung El-Niño auf der Südhalbkugel könnten die Milchproduktion nachhaltig beeinflussen.

Weltmarktpreise erholen sich

Die Weltmarktpreise hätten sich im September von ihrem sehr niedrigen Niveau der Vormonate erholt und weiter gefestigt. Auch am EU-Binnenmarkt seien festere Tendenzen bei Butter und Milchpulver festzustellen und es konnten erste Preiserhöhungen bei Schnittkäse durchgesetzt werden. Internationale Notierungen wie GDT (Global Dairy Trade) geben ebenfalls erste Indizien für eine leicht positivere Grundstimmung am Markt. So seien die Ausfuhren von Milch und Milchprodukten aus Deutschland und der EU trotz des Embargos Russlands und der schwächeren Nachfrage aus China insgesamt recht positiv verlaufen. Getragen werde diese Entwicklung nicht zuletzt durch das für den Export günstige Währungsverhältnis des Euros. (SB)
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