Lieferboykott bayerischer Milchbauern

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"Jetzt reicht’s" ist das Motto eines dreitägigen Lieferboykotts bayerischer Milchbauern. Sie protestieren gegen sinkende Molkereiauszahlungspreise. Mit ihrer Aktion möchten Landwirte die Molkereien zwingen, sich mit ihnen zu verbünden und gemeinsam von den Ketten des Lebensmittelhandels höhere Preise zu verlangen. Allerdings halten sich die meisten Molkereien eher bedeckt. "Wir müssen im Wettbewerb bestehen und können nicht unsere Kunden auf der Abnehmerseite verprellen", erklärte dazu der Geschäftsführer einer südbayerischen Molkerei. Bereits seit vorigem Oktober beziehe zum Beispiel Aldi bestimmte Molkereiprodukte von einer tschechischen Großmolkerei. Auch habe der wichtige Abnehmer Italien in jüngster Zeit weniger Milch aus Bayern geordert. Im Vorfeld des Streiks habe es vereinzelt Drohungen von Molkereien gegeben, Landwirte wegen nicht erfüllter Lieferverträge in Regress zu nehmen. Die Streikbereitschaft ist regional unterschiedlich. In Nordbayern besteht die geringste Neigung. Großes Interesse besteht dagegen in Südbayern. Man müsse den Lieferstreik auch vor dem Hintergrund der Quotenüberschreitung sehen und die sei im Norden gering, im Süden jedoch hoch.

Die Aktion sei mit bedacht für das Ende des Milchwirtschaftsjahres geplant worden, heißt es im Bayerischen Bauernverband. "Ob wir die überschüssige Milch in den Gully kippen oder ob wir mit hohen Preisabzügen bestraft werden, das bleibt sich unterm Strich gleich", versicherte ein größerer Milcherzeuger aus Oberbayern. Als eigentliche Ursache für den Preisdruck am Milchmarkt kritisieren Landwirte das hohe Angebot. "Eigentlich müssten wir gegen uns selbst demonstrieren, weil wir mehr Milch erzeugen als nachgefragt wird". Ein anderer sieht im Einkaufsverhalten des Lebensmittelhandels Parallelen zu den Ausschreibungen der Landwirte beim Bezug von Betriebsmitteln. "Auch wir versuchen durch derartige Aktionen möglichst billig an Dünge- und Pflanzenschutzmittel oder Saatgut zu kommen". (HH)

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