Finanzierung:

Liquiditätsprobleme nehmen zu


Eine ernüchternde Einkommenssituation in der Landwirtschaft konstatierte Franz-Josef Möllers, Ehrenpräsident des ‚Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbands‘, auf dem Arbeitskreis Agrar der Westdeutschen Genossenschafts Zentralbank (WGZ-Bank AG) am Freitag in Düsseldorf. Im vergangenen Wirtschaftsjahr hätten die landwirtschaftlichen Betriebe Einkommenseinbußen von im Schnitt 50 Prozent hinnehmen müssen. Besonders die Veredlungswirtschaft sei extrem betroffen.

Dennoch dürfe man nicht in alte Muster und ordnungspolitische Maßnahmen verfallen. Die Landwirtschaft dürfe nicht wieder in die Abhängigkeit der Politik geraten und die Devise ‚weniger Staat und mehr Markt‘ sei richtig. Problembetriebe müssten jedoch solide in Finanzierungsfragen begleitet werden. Früher sei die Substanz beliehen worden, heute würde die Bilanz beliehen.

Werner Schwarz, Präsident des Bauernverbandes Schleswig Holstein wies in der Diskussion auf die sehr starke Disparität in der Landwirtschaft hin, vor allem beim Ackerbau und in der Schweinemast. So würden im Norden die Deckungsbeiträge der Betriebe in der Schweinemast zwischen -5,00 € und +40,00 €/Schwein liegen. Die großen Unterschiede führten zwangsläufig zu verstärktem Strukturwandel, denn marktwirtschaftliche Regeln ließen sich für die Landwirtschaft nicht aushebeln. Die Betriebe, die nun Probleme mit der Tilgung hätten, benötigten dringend den 'Regenschirm der Banken'.

Klaus Peters, Vorstand der Raiffeisenbank Westeifel, zeigte sich sehr besorgt über die Probleme der Milchviehbetriebe in Rheinland-Pfalz. Die Betriebsentwicklungspläne seien bei Investitionen von Milchpreisen von 30 bis 32 Cent/l ausgegangen, heute erzielten die Landwirte aber nur noch 26 bis 27 Cent. Die problematische Situation auf den Höfen erfordere möglicherweise doch politische Eingriffe und ein gemeinsames Vorgehen von Politik, Verbänden, Molkereien und dem Lebensmitteleinzelhandel. In Rheinland-Pfalz sei der Strukturbruch schon da und etwa zwei Drittel der landwirtschaftlichen Betriebe hätten Probleme bei der Finanzierung. Nach seinen Beobachtungen stünden teilweise noch Darlehen aus 2010 offen und neue Bürgschaften müssten daher skeptisch gesehen werden. (St)
stats