Report Düngemittel

Logistik fordert Nervenstärke

Seit Monaten führt der Rhein – hier bei Ludwigshafen – Niedrigwasser. Schiffe können nur einen Bruchteil der üblichen Düngemittelladung aufnehmen.
-- , FOTO: ICL
Seit Monaten führt der Rhein – hier bei Ludwigshafen – Niedrigwasser. Schiffe können nur einen Bruchteil der üblichen Düngemittelladung aufnehmen.

Die pflanzenverfügbaren Stickstoff- und Schwefelmengen dürften zu Vegetationsbeginn im Frühjahr 2017 auf Grund des sparsamen N-Düngereinsatzes im Vorjahr, der stetigen Nährstoffaufnahme im Herbst und der eingeschränkten Mineralisierung im Winter gering sein. So lauten einhellig die Einschätzungen von Pflanzenbauern zur bevorstehenden Düngesaison 2017.

Geringe Einlagerungsquote

Ob die Hersteller die Ware auch termingerecht liefern können, steht auf einem anderen Blatt. Denn die Einlagerungsquote von Stickstoffdünger zur Jahreswende 2016/17 liegt mit 65 Prozent bei Kalkammonsalpeter (KAS) zwar 5 Prozentpunkte über Vorjahr. Jedoch rechnet der Großhandel noch mit einem großen Sofortbedarf, bis die 3. Gabe im April ausgebracht ist. Die Landwirtschaft hat zu mehr als 95 Prozent die 1. Stickstoffgabe abgedeckt. Etwas besser sieht es bei Harnstoff aus. Hier liegt die durchschnittliche Einlagerungsquote bis Ende Dezember 2016 bei 70 Prozent. Harnstoff war günstig, bis im November Produktionsstopps in China die Kurse nach oben schnellen ließen. Derzeit müssen Käufer ab norddeutschem Landhandel fast 300 €/t für granulierten Harnstoff anlegen.

Allerdings liegen alle Mengen schon vor Ort in den Lägern. Denn Niedrigwasser und vereiste Kanäle führen derzeit zu Lieferausfällen und Verspätungen von vereinbarten Düngerkontrakten. Nach dem monatelangen Niedrigwasser legt seit Januar Dauerfrost die Kanäle lahm und Eisschollen behindern die Schifffahrt auf den Flüssen zusätzlich. Seit Wochenanfang ist der Rhein-Main-Donau-Kanal für unbestimmte Zeit wegen einer dicken Eisschicht für die Schifffahrt gesperrt. Auch um Berlin sind alle Kanäle zugefroren. Für den Agrarhandel, Futtermittelwerke und Düngemittelhersteller steigen die Frachtkosten immens an. Denn seit September sind die Wasserstände auf dem Rhein und an der Donau extrem niedrig. Wegen des geringen Tiefgangs werden Kleinwasserzuschläge erhoben. Der Kauber Pegel am Rhein steht bei 60 cm. Die Schiffe können nicht ihre volle Kapazität laden. Deshalb muss die Ware auf mehrere kleinere Schiffe verteilt werden. Die Produzenten von Düngemitteln bemühen sich um Abhilfe. Wenn beispielsweise Komponenten für die Düngermischanlagen bei Agrarhandelsunternehmen in Süddeutschland fehlen, werden Kali- und Phosphatdünger per Lkw geliefert, um die Standzeiten so gering wie möglich zu halten.

Markteinführung geplatzt

Überdies sind nicht alle Stickstoffdünger wie geplant zum Frühjahr vorrätig. So kommt Nitrosulf, ein KAS-Dünger mit Schwefel, den die Raiffeisen Waren-Zentrale Rhein-Main eG (RWZ) vertreibt, wegen gesetzlicher Rahmenbedingungen nicht wie geplant im Frühjahr auf den Markt. Die RWZ arbeite weiter an adäquaten Lösungen, teilte eine Sprecherin gegenüber der agrarzeitung (az) mit. (da)
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