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Ausbau des Sektors Bioenergie fordert Agrarhandel heraus

Agrarzeitung Ernährungsdienst 4. April 2007; Von Jan Peters, Hamburg

Auf den Boom bei Biogas hierzulande muss der Agrarhandel reagieren. Struktur und Ausrichtung der Unternehmen kommen auf den Prüfstand. Der Hermann Otte Landhandel im niedersächsischen Eversen/Bergen hat diesen Schritt bereits hinter sich, beschreibt Geschäftsführer Frank Hermann Otte im Gespräch mit der Agrarzeitung Ernährungsdienst.

Ernährungsdienst: Welchen Einfluss hat der Ausbau der Bioenergie auf Ihr Geschäftsgebiet?

Otte: In Niedersachsen sind erhebliche Getreideflächen für den Maisanbau umgewandelt haben. Für unser Unternehmen bestand und besteht die Notwendigkeit, unseren Einzugsbereich weiter auszubauen und Rationalisierungsmaßnahmen durchzuführen, bezogen auf Standorte und Niederlassungen. Die bereits errichteten Bioethanolwerke und die noch in Planung befindlichen zusätzlichen Kapazitäten werden einen erheblichen Bedarf an Getreide aus allen Regionen bedeuten, speziell aus unserem Einzugsgebiet Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Die Marktströme des Getreides werden sich dadurch verändern. Durch unsere schlanke Unternehmensstruktur sind wir jetzt in der Lage, die Entwicklung in den Bereichen Bioenergie und Biogas zu kompensieren.

Wie wirkt sich dies auf den Anbau von Braugerste aus?

Otte: Der Anbau von Braugerste ist speziell auf Grund der entstandenen Maisflächen in der Region stark rückläufig. Allein im Anbaujahr 2005 zu 2006 haben wir eine Flächeneinschränkung von 25 bis 30 Prozent erfahren müssen. Leider hat sich die Marktsituation der Braugerste aus der Ernte 2006 zu spät entwickelt, sodass die Aussaat des Wintergetreides im Herbst bereits erfolgt war. Trotz des Preisanstiegs bei Braugerste wird sich die Anbaufläche zur diesjährigen Ernte weiter verringern.

Welche Schwerpunkte Ihres Unternehmens werden ausgebaut?

Otte: Aufgabe für den Landhandel wird zukünftig eine Position des Marktbeobachters sein. Als Bindeglied zwischen Erzeugern und der Vermarktungsstufe wird er an Bedeutung gewinnen. Die Landwirte werden uns in der Zusammenarbeit die Verantwortung zur Beobachtung der Märkte übertragen. Wir werden die Dienstleistung der Lagerung, Aufbereitung und Vermarktung übernehmen und der Landwirtschaft die Möglichkeit bieten, an den sich relativ schnell verändernden Märkten teilzunehmen.

Als weiteren Punkt sehen wir die sehr enge Zusammenarbeit mit unserer Kundschaft im Bereich der Beratung, beginnend vom Saat- und Pflanzgut über Anbau, Pflanzenschutz bis hin zur Vereinbarung von Lieferverträgen. Die Kompetenz unserer Mitarbeiter ist der wichtigste Faktor, um in Zukunft kompetenter Gesprächspartner und Bindeglied zu sein.

Sind Sie mit Ihrem Unternehmen zertifiziert?

Otte: Unser Unternehmen ist seit Jahren nach den Grundlagen HACCP, GMP+B2 und GMP+B4.1 (ehemals GMP 13 und 07) zertifiziert. Die Zertifizierung bezieht sich auf den Handel, Transport und die Lagerung von Getreide und Kartoffeln. Als nächste Zertifizierung steht die QS-Zertifizierung für den Bereich Kartoffeln, speziell Speisekartoffeln an.

Welche Standortvorteile und -nachteile gibt es hinsichtlich der Infrastruktur?

Otte: Die Standortauswahl in unserem Betrieb ist richtig und nach einigen Veränderungen der Marktsituation angepasst worden. Für unsere zukünftige Aufgabe der Vermarktung landwirtschaftlicher Erzeugnisse sind wir in einer Position, die es uns ermöglicht, dem wachsenden Anteil des Streckengeschäfts in der Landwirtschaft Rechnung zu tragen. In der Vermarktung der hiesigen Braugerste arbeiten wir mit starken Partnern im Malz- und Brauereisektor zusammen und haben über die Arbeitsgemeinschaft Braugerste in Niedersachsen trotz stark rückläufiger Flächen eine gefestigte Position erarbeitet. Für den Markt der Kartoffeln liegen wir mitten im Einzugsbereich des größten Anbaugebiets in Deutschland. Wir vermarkten mit unserem verbundenen Unternehmen Kartoffel Deyerling Dollbergen in Uetze-Dollbergen Speisekartoffeln, Biospeisekartoffeln, Speisezwiebeln und Biospeisezwiebeln direkt an den Lebensmitteleinzelhandel.

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