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Kosten werden weitergegeben - Höhere Mehl- und Mischfutterpreise erwartet

26. Juli 2003; Von Olaf Schultz, Agrarzeitung Ernährungsdienst, Frankfurt a. M.

Die Einführung der Lkw-Maut zum 31. August* in Deutschland verteuert auch den Transport agrarischer Güter. Das Speditionsgewerbe wird die neue Kostenbelastung im Allgemeinen in die Kalkulation einbeziehen und an die Kunden weitergeben. In der Folge werden höhere Preise erwartet, beispielsweise im Mühlen- und Mischfuttersektor.

Nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Mühlen (VDM), Bonn, wird die Lkw-Maut eine Verteuerung der Frachtkosten von allgemein 12 bis 18 Prozent nach sich ziehen. Beim Produkt Mehl, das in Deutschland fast ausschließlich per Lkw transportiert wird, kalkuliert der VDM eine zusätzliche Kostenbelastung für die Kunden von 1 bis 3 Prozent, bezogen auf die bestehenden Mehlpreise.

Deutlich höher dürften die Preisaufschläge für Mühlennachprodukte ausfallen, erwartet der Verband. Allerdings dürften diese Kalkulationen nicht verallgemeinert werden, sondern seien auf einzelbetrieblicher Basis festzulegen. Insgesamt wird die Maut die Lieferstrukturen verändern, hieß es in Bonn. Gestärkt werden dürfte durch die Maut vor allem die regionale Vermarktung, da sich die Absatzradien verringerten.

Auch die Mischfutterbranche erwartet, dass sich die Lkw-Maut in höheren Mischfutterpreisen niederschlagen wird. "Die objektiv entstehenden Kosten müssten weitergegeben werden, da die Marge in der Branche ohnehin eng ist", so ein Vertreter des Deutschen Verbandes Tiernahrung (DVT), Bonn. Eine genaue Berechnung müsse im Einzelfall erfolgen. „Allerdings wird der Preisaufschlag pro Tonne Mischfutter im Norden und Nordwesten moderater ausfallen als in den südlichen Bundesländern“, erläuterte ein Marktexperte. Begründet wird diese Einschätzung mit den kürzeren Vermarktungswegen in den nördlichen Regionen auf Grund der größeren Tierbestandsdichten. Kritisiert wird von Seiten der Mischfutterbranche, dass bis zum Start der Maut nicht genügend On-Board-Unit (OBU) für die Lkw zum Einbau bereitstehen.

Die OBU-Technik gewährleistet eine automatische Erfassung der Maut-Gebühren. Als Alternative stehe deshalb vorerst nur die zeitaufwendige und mit Umwegen verbundene manuelle Einbuchung zur Verfügung. Da im Futtermittelsektor häufig Fuhren umdisponiert werden, drohten ab September zusätzliche zeitliche und finanzielle Belastungen.

Im Agrarhandel laufen die Vorbereitungen für den 31. August auf Hochtouren. „Wir haben die OBU für unsere Lkw-Flotte rechtzeitig bestellt und einbauen können“, erläuterte ein Landhändler aus Westfalen. Pauschal würden mit der Mauteinführung beim Transport von Getreide und Futtermitteln 15 Cent/dt für die Kunden aufgeschlagen. In den kommenden Tagen sollen die Kunden darüber informiert werden. Was die Maut letztendlich konkret für das Unternehmen bedeute, müsse sich jedoch erst zeigen.

Die Branche der Lohnunternehmer ist offensichtlich von der Maut weniger betroffen. Der Anteil der Autobahnfahrten liege - gemessen am Umfang der Transporte insgesamt - zwischen 20 und 40 Prozent. Getreidetransporte seien eher die Ausnahme. Mit Blick auf die kommende Zuckerrübenkampagne war von Branchenvertretern zu erfahren, dass einzelne Zuckerfabriken im Rheinland zugesagt hätten, die Mehrkosten der Maut zu tragen. Auch für den Bundesverband der Maschinenringe in Neuburg/Donau wird die kommende Zuckerrübenkampagne die nächste größere Maßnahme darstellen, auf die die Maut Einfluss hat. Neu gegründet werde dazu in diesen Tagen ein Arbeitskreis Zuckerrüben, der die Mitglieder in puncto Autobahngebühr unterstützen soll, hieß es in Neuburg.



Möglichkeiten der Maut-Erfassung

1. Automatisches System:

- die Fahrzeuge werden mit einer On-Board-Unit (OBU) für die Ortung per Satellit (GPS) ausgestattet

- der Nutzer gibt nur einmal Angaben wie Kennzeichen, Achszahl der Zugkombination und Schadstoffklasse ein

- mit der OBU wird die vollautomatische Streckenberechnung gewährleistet

2. Manuelles System:

- der Zugang erfolgt über etwa 3.500 Buchungsautomaten, zum Beispiel in Tankstellen und Autohöfen im In- und grenznahen Ausland (siehe auch www.toll-collect.de), per Internet oder Callcenter

- der Nutzer gibt alle erforderlichen Daten ein wie die geplante Fahrtroute, Zulassungsland, Kennzeichen, Achszahl der Zugkombination und Schadstoffklasse

- registrierte Kunden verkürzen die Eingabe der notwendigen Angaben mit einer Fahrzeugkarte (für Automaten), auf der die wichtigsten Daten bereits gespeichert sind

- die manuelle Variante dürfte insbesondere für diejenigen interessant sein, die die Autobahnen eher selten benutzen

*Anmerkung der Redaktion: Die EU Kommission ist gegen die Einführung der Lkw-Maut in Deutschland am 31. August, weil sie Bedenken wegen der vorgesehenen Ausgleichszahlungen für deutsche Speditionen hat, die später einmal die Maut mit der Mineralölsteuer verrechnen dürfen. Die Kommission will prüfen, ob es sich dabei um eine unerlaubte nationale Beihilfe handelt. Die Bundesregierung ist bereit, notfalls auf die Einführung der Ausgleichszahlungen zu verzichten. Die Maut will sie aber trotz des von Brüssel angestrebten Verfahrens ab dem 31. August erheben.
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