Mehr Aufschluss über den internationalen Agrarhandel

Außenhandelsbilanzen sollen künftig besser die tatsächliche Wertschöpfung abbilden. Auch für den Agrarhandel verspricht die neue Methodik Transparenz.

Wertschöpfungsketten dominieren Industrie und Dienstleistungen. Arbeitsteilung findet zunehmend international statt, stellt die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD fest. Sie möchte deswegen zusammen mit der Welthandelsorganisation WTO in den internationalen Handelsstatistiken die eigentliche Wertschöpfung in den jeweiligen Ländern besser abbilden.

Dazu misst sie die Exportleistung von Volkswirtschaften mit einem neuen Indikator. Üblicherweise gehen Güter- und Dienstleistungsströme jedes Mal in die Handelsstatistiken ein, sobald sie eine Ländergrenze überqueren. Jetzt analysieren die beiden Organisationen nur die Wertschöpfung, also den Mehrwert, den ein Land einem Exportprodukt oder einer für das Ausland bestimmten Dienstleistung hinzufügt.

Ziel ist es, umfassendere Einblicke in die Handelsbeziehungen der Staaten zu erhalten. Deutschland beispielsweise importiert umfangreich Vorprodukte aus dem Ausland und exportiert einen großen Anteil der daraus hergestellten Güter.

Die OECD-Daten zeigen, dass 2009 in der gesamten deutschen Wirtschaft etwa 26 Prozent der Exporte ausländische Wertschöpfungsanteile enthalten haben. Etwas geringer war dieser Anteil für Lebensmittel mit 24 Prozent und noch niedriger für Agrarprodukte mit 18 Prozent.

Das bedeutet auch, dass die Wertschöpfung des deutschen Agrar- und Ernährungsexports kleiner ist als es die puren Handelszahlen ausdrücken. Dieses Phänomen trifft jedoch alle Länder - allerdings in unterschiedlichem Ausmaß. Deswegen könnten die so erstellten Handelsbilanzen ein realistischeres Abbild der Exportstärke oder Importabhängigkeit in den Ländern liefern. (db)
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