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Trotz aller Bedenken der Landwirte vor den Folgen der EU-Osterweiterung sieht der Deutsche Bauernverband (DBV) positiv in die Zukunft. Die deutschen Bauern befürchteten durch die mit ihnen in Konkurrenz tretenden Länder unter anderem eine Milchschwemme, fallende Fleischpreise und Billigangebote, beschrieb Verbandspräsident Gerd Sonnleitner die in der Landwirtschaft verbreiteten Ängste vergangene Woche in einem Branchenblatt der Raiffeisenhauptgenossenschaft Nord AG Hannover. Insgesamt sehe er aber mehr Möglichkeiten als Risiken, stellte Sonnleitner klar. Der europäische Markt umfasse nach der Erweiterung etwa 450 Millionen Verbraucher. Da die Beitrittsländer nur geringe Produktivitäten aufwiesen, entstehe dort mit steigenden Einkommen ein Mehrbedarf an hochwertigen verarbeiteten Nahrungsmitteln die aus Deutschland und anderen Ländern der "alten EU" kämen. Eine zukunftsorientierte Stärke der deutschen Landwirte sei, dass sie ihr "erworbenes Know-how als Energiewirte stetig verbessern würden". Mit der Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetz sei diese Zukunftsperspektive für den heimischen Ackerbau weiter auszubauen. Auch für den Bereich der Tierproduktion sieht der DBV aufgrund schwieriger Rahmenbedingungen in den osteuropäischen Ländern gute Möglichkeiten den Absatz zu steigern. Verschärfen werde sich allerdings der Wettbewerb im Ackerbau, auch wenn die klimatischen Bedingungen in den Beitrittsländern extremer seien und sich Grenzen der Qualitäts- und Ertragssteigerung zeigen würden.

Für die zukünftige Wettbewerbssituation der deutschen Betriebe sei die Einhaltung und Kontrolle der Standards in den Bereichen Verbraucher-, Umwelt- und Tierschutz in den Beitrittsländern von großer Bedeutung, da zwischen Deutschland und den neuen Mitgliedsländern der größte Warenaustausch erwartet werde. Die größte Gefahr für die erweiterte EU sieht Sonnleitner in dem zu erwartenden Strukturwandel, der zum Ausscheiden vieler Tausender Arbeitskräfte aus der Landwirtschaft führen werde. Es stelle sich die Frage, wo für sie neue Arbeitsplätze gefunden werden können. Um dieses Problem zu lösen fordert er deshalb "Investitionen in Infrastruktur und den Aufbau von Wirtschafts- und Dienstleistungsbranchen mit Arbeitsplätzen außerhalb der Landwirtschaft". (ED)

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