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Geflügelfutter von Best3 ist TÜV-zertifiziert – Umwelt wird entlastet

Agrarzeitung Ernährungsdienst 23. April 2005; Von Steffen Bach, Osnabrück

Der Futtermittelhersteller H. Bröring GmbH & Co. KG, Dinklage, und das Deutsche Institut für Lebensmitteltechnik (DIL), Quakenbrück, entwickeln gemeinsam ein Verfahren zur Hygienisierung von Futtermitteln. Ziel ist zum einen eine bessere hygienische Qualität des Futters. Zum anderem soll auch die Staub- und Geruchsbelastung und der Energiebedarf verringert werden.

Seit einem Jahr suchen Wissenschaftler des DIL in Quakenbrück und Fachleute aus dem Hause Bröring nach Wegen, wie Futtermittel möglichst schonend hygienisiert werden können. Ziel sei es, Futter zu produzieren, das keine schädlichen Mikroorganismen wie zum Beispiel Salmonellen enthält, erläutert Dr. Walter Helms, Vorsitzender der Geschäftsführung in der Bröring-Unternehmensgruppe. Gleichzeitig sollen die im Futter enthaltenen Enzyme und Vitamine erhalten bleiben. „Eine Verbesserung der Tierleistung sollte dabei ebenso angestrebt werden“, fordert Helms. In den Laborversuchen wird untersucht, bei welchen Temperaturen, Drücken und Behandlungszeiten die besten Ergebnisse erzielt werden. Neben der Verbesserung der Futterqualität hat das Forschungsprojekt das Ziel, die Umwelt zu entlasten. Zum Abkühlen des Futters werden bisher große Mengen Luft benötigt. Trotz moderner Filter gelangen dabei Staub und Gerüche in die Umwelt. Außerdem ist die Erzeugung des Luftstroms zur Abkühlung mit einem hohen Energieaufwand verbunden. Der Herstellungsprozess soll deshalb so verändert werden, dass die Kühlung und Trocknung des Futters mit Außenluft reduziert werden können. Die im Produktionsprozess entstehende Wärme soll zur Hygienisierung des Futters genutzt werden. Weil durch dieses Verfahren die Umweltbelastungen gesenkt werden, fördert die Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück, das Projekt mit 122.000 EUR.

In dem auf 30 Monate angelegten Forschungsprojekt soll ein Prototyp für den Einsatz im Futtermittelwerk Twistringen entworfen und gebaut werden. Eigentümer der Futtermühle ist die Firma Bröring, die das Werk gebaut und an die Best±3 Geflügelernährung GmbH, Twistringen, verpachtet hat. An der Betreibergesellschaft sind Bröring, die Erzeugergemeinschaft Schlachtgeflügel Visbek und Umgegend sowie der Geflügelverarbeiter Gebr. Stolle GmbH & Co. KG, Visbek, beteiligt. Hauptabnehmer mit zwei Dritteln der jährlich rund 200.000 t, die in Twistringen produziert werden, ist die Erzeugergemeinschaft. Deren Vorstandsvorsitzender Cord zum Felde beschreibt die Philosophie der drei Partner: „Wir sehen uns als Vorstufe der Lebensmittelindustrie. Deshalb war Qualitätssicherung schon beim Bau der Anlage ein wichtiges Kriterium.“ Mittlerweile sind die Futtermittel aus dem Werk Twistringen nach dem Standard für Lebensmittel vom TÜV zertifiziert worden. Seit dem Sommer 2004 wird in Twistringen auf zwei getrennten Produktionsschienen Futter für die Hähnchen- und Putenmast produziert. Da es auch bei Hähnchen- und Putenfutter bestimmte Zusatzstoffe gibt, die nur bei einer Tierart zugelassen sind, wurden Herstellung und Transport der beiden Produkte strikt getrennt, erläutert Rainer Dullweber, Geschäftsführer der Best3 Geflügelernährung GmbH. Das innerbetriebliche Qualitätsmanagement und die enge Zusammenarbeit der Partner hätten zu einer weiteren Verbesserung der Futterqualität geführt. So habe die Tierleistung seit Eröffnung des neuen Werks um 10 Prozent zugenommen. Auch die Uniformität der Tiere sei verbessert worden, was sich vor allem bei der Schlachtung und Verarbeitung positiv auswirke, so Dullweber.

Die Integration vom Futter bis zum verarbeiteten Geflügelfleisch soll in den kommenden Jahren auch auf den Einkauf der Rohwaren ausgedehnt werden. Dullweber denkt dabei vor allem an Weizen und Mais, die mittelfristig von Landwirten aus der Region bezogen werden sollen. Die Landwirte könnten Getreidesorten anbauen, die besonders geeignet für die Geflügelmast sind. So sei beim Weizen beispielsweise ein niedriger Proteingehalt erwünscht, da ein zu hoher Eiweißgehalt aus dem Weizenkorn die Verdauungsorgane der Broiler belastet. Bevor sich das Werk mit Getreide aus der Region versorgen kann, müssen die notwendigen Lagerkapazitäten geschaffen werden. Bröring plant in Twistringen weitere Investitionen. Zunächst soll neben dem Futtermittelwerk ein Agrarstandort gebaut werden, an dem Saatgut, Pflanzenschutz- und Düngemittel gelagert und verkauft werden.
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